Sohn des Handelsmanns Benjamin-Wolf K. und der Miriam, hebräischer und dt. Unterricht durch Privatlehrer, 1820 zum Gymnasium in Bamberg, nach sieben Jahren 1827 Abitur, philos. Biennium am Bamberger Lyzeum, daneben tägliche talmudische Privatstudien bei Rb. Samson W. Rosenfeld. 1829 nach Prag zum Talmudstudium an der Jeschiwa des Eisik Redisch, dort 10. Apr. 1832 Prüfung als jüd. Religionslehrer und 13. Sept. 1832 Erlangung des Morenu- Grades von Oberrb. Samuel Landau und seinem Lehrer Redisch. Rückkehr nach Bamberg, 23. Jan. 1833 Rabbinatsexamen bei Rb. Rosenfeld und Tätigkeit als dessen Adjunkt. 1 1/2 Jahre lang Hauslehrer bei S. Arnstein u. Söhne in Sulzbach, Oberpfalz
14. Apr. 1834 Ordination vom dortigen Rt.
Aug. 1834 Staatsprüfung in Bayreuth mit Note 2-3. Da er keine Anstellung findet, arbeitet K. in Bamberg an literarischen Arbeiten, um 1835 ist er in Hamburg, sodann in Würzburg als Hauslehrer bei Baron Hirsch. 25. März 1838 Unterzeichner der Münchner Petition von 17 stellungslosen Rabbinatskandidaten. Nach erneutem Aufenthalt in Bamberg entschließt er sich, Bayern zu verlassen
er wird Herbst 1839 Prediger und Dajan in Neustrelitz, Mecklenburg. 31. Aug. 1840 prom. Erlangen
mit weiteren Morenu-Zeugnissen der Rb. Eliason in Altstrelitz (29. März 1841) und Öttinger in Berlin (20. März 1842) wird er 1842 der erste Rb. der Gemeinde in Słupsk (Stolp) in Hinterpommern. Vermöge eines bestandenen Rektorexamens bei der preuß. Reg. in Koszalin (Köslin) ist er zugleich Revisor der Religionsschulen. 19. Okt. 1860 Rb. in Glogau. K. war verheiratet mit einer Tochter seines Mentors S. W. Rosenfeld.
Dissertation
Von der Idee des Monotheismus bei Moses und deren Durchführung im mosaischen Gesetze, Diss. Erlangen 1840.
Dokumente
CJA Berlin, 75 A Dr 1, fol. 60-61v Kandidatenliste für das Rt. in Dresden 1835
Ebd., 75 A Str. 3 Nr. 30, fol. 1-2v, vom 8. März 1840: Aufnahme in Strelitz an der Stelle des blinden Dajans Meyer Joseph Markheim; fol. 7, K.s Kündigung zu Ostern 1842
UA Erlangen, C4/3b, Nr. 347, Promotionsakten mit Vita
LHA Schwerin, Best. „Judenangelegenheiten Mecklenburg-Strelitz“, Paket 66, Nr. 58 Anstellung als Rabbinatsassessor in Alt-Strelitz, 1841
GStA Berlin, Rep. 76-III, Sekt. 1, Abt. XIIIa, Gen., Nr. 1, Bd. 8, fol. 104, vom 28. Nov. 1842: „Die Regierung zu Köslin berichtet über den wissenschaftlich gebildeten Rabbiner Dr. Joseph Klein zu Stolp“ (frdl. Mittlg. von Manfred Jehle)
CAHJP Jerusalem, AHW 543b, Fasc. I, S. 238; II, S. 191-197, vom 3. Jan. 1851, Bewerbung in Hamburg
LHA Schwerin, Meckl.-Schw. Landesrabbinat 57, Bewerbung vom 28. Mai 1852 mit Abschriften der Zeugnisse und Exemplaren der Publikationen
CJA Berlin, 75 A La 1 Nr. 21, vom 6. Sept. 1854, Bewerbung in Gorzów Wielkopolski (Landsberg a. W.), Ostbrandenburg; mit Lebenslauf
Ebd., 75 A El 2 Nr. 4, fol. 128-129v, 133, Bewerbung in Elbląg (Elbing), Westpreußen, 1860
Weitere Bewerbungen in Hagenbach/Oberfranken (1834; StA Bamberg, K3 C3, Nr. 132, Bl. 8, 65, 86), Harburg/Schwaben (1840), Oldenburg (1841), Krefeld (1844), Skwierzyna (Schwerin/W., 1845), Elbląg (Elbing, 1860) und Brünn (1860)
StA Bamberg, K3 C3, Nr. 94, Bl. 167, 173, Ablehnung eines Rufs nach Burgebrach, Oberfranken, wo er am 8. Juni 1860 gewählt worden war
CAHJP Jerusalem, D/Ba17a/37, Dr. Krüger (Berlin) über seine Wahl in Glogau, 6. April 1863: „Ein Vorsteher von dort sagte mir, daß sie ganz besonders auf einen Mann in gesetzten Jahren reflectirten, und darum den Dr. Klein, der damals, nach eigener Angabe, schon 52 Jahre zählte, allen Andern vorgezogen“
JM Frankfurt/M. PSR A 139, Sterberegister Glogau.
Publikationen
„Kurzer Abriss der Geschichte der neueren hebr. Literatur“, in: Adam Martinet, Hebraeische Sprachschule, Zweite Abtheilung: Tif’äräth Yiœra’el oder hebräische Chrestomathie der biblischen und neueren Literatur, Bamberg 1837
Israel’s Wanderungen, Predigt, Bamberg 1839 (Rez. IA 1839, S. 287)
Die Vaterlandsliebe und ihr Verhältniß zur allgemeinen Menschenliebe, Rede in der Freischule in Strelitz, Szczecinek (Neustettin) 1840
„Einige Anfragen in Betreff gemischter Ehen zwischen Juden und Christen“, Orient 1842, 2f
Predigt bei der Einweihung der neu erbauten Synagoge der isr. Gem. zu Baldenburg, Słupsk 1842
Predigt bei der Einweihung der Synagoge zu Heiderburg am 2. Marcheschwan (6. Octbr.) 1842, Słupsk 1842
Das Bleibende im Vergänglichen. Predigt bei der Einweihung der neuerbauten Synagoge in Schlawe, 5. Sept. 1848, Słupsk 1848
Mitarbeiter der Zschr. Der Orient (1848-50)
Hazkärät Nešamot. Gesänge und Gebete zur Todtenfeier, wie sie in der jüdischen Gemeinde in Stolp begangen wird, Słupsk 1850
„Die Moral des Judenthums im Vergleiche mit der des Christenthums“, AZJ 1850, S. 543- 547
Über Erziehung, AZJ 1855, S. 17f
Gutachten ausländischer Rabbinen, S. 26, gegen die ungarische Trennungsorthodoxie.
Literatur
IA 1839, S. 157, Assessor von Rb. Rosenfeld in Bamberg
Orient 1842, S. 157, Berufung nach Słupsk
Orient 1842, S. 323, Einführung der Mädchenkonfirmation
Orient 1844, S. 13, Schulrevision
INJ 1845, S. 168; „der kleine Rabbiner zu Stolp“
AZJ 1846, S. 23, Bewerbung um das Landesrt. in Mecklenburg-Schwerin, verliert die Wahl gegen Dav. Einhorn
AZJ 1847, S. 190f, Reformen
AZJ 1848, S. 519; 1849, S. 140f, Schulinitiativen
AZJ 1852, S. 18, gemäßigte Reformen; lehnt Ruf nach Bydgoszcz (Bromberg) ab
AZJ 1854, S. 361
AZJ 1856, S. 684, Eröffnung der Synagoge in Bytów (Bütow)
AZJ 1857, S. 476, Elementarschule
„Verzeichniß der [...] Synagogen-Gemeinden“, 1858, S. 28, für 900 Seelen
AZJ 1858, S. 272ff, gehört neben den Gemeinden Tilsit und Halberstadt zu den Förderern des „Vereins zur Unterstützung jüdischer Lehrer“
AZJ 1858, S. 402, patriotische Feier zum 200. Jahrestag der Vereinigung der Lande Lauenburg und Bütow mit der preußischen Krone
AZJ 1859, S. 132, Dankanzeige für seine „vom Herzen zum Herzen gegangene“ Predigt anläßlich einer Trauung
Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, Sp. 1584
AZJ 1860, S. 508, 518, 653f Wechsel nach Glogau, Würdigung seiner bisherigen Leistungen
AZJ 1861, S. 18, Amtseinsetzung in Glogau
AZJ 1861, S. 505, Kinderunterricht im neuen Schulgebäude
AZJ 1863, S. 427, Spenden für das Rießer-Denkmal
AZJ 1865, S. 509, sein Antrag auf Verlegung der samstäglichen Wochenmärkte
Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 305-306
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 821
Heppner und Herzberg, S. 367f über seine Einweihung der Synagoge von Czempiñ, Prov. Posen, 1861
Neufeld, Elbing, S. 37
Lucas und Heitmann, Glogau, S. 256f
Gerhard Salinger, „Die jüdische Gemeinde in Stolp“, in Heitmann und Schoeps (Hrsg.), Juden in Pommern, S. 164f
Jehle, Enquêten, Bd. II, S. 808 Anm
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 87, 412, 496, 554, 611.