Sohn des Moses Elieser K., Besuch des Staatsgymnasiums in Lemberg und parallele Talmudstudien am Bet-Midrasch gemeinsam mit dem nachmaligen Dajan Uri Wolf Salat, um 1856 Studium an der Franzensuniversität in Lemberg (er soll schon bei den beiden Rb. Ephr. Blücher und Lazar Elias Igel gehört haben, die dort bis 1854 orientalistische Lehrveranstaltungen gaben)
1859 zum Studium nach Breslau, 1860 Promotion und Mitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG 1860, S. 344, Nr. 550), Ordination durch drei rb. Autoritäten
Stelle als Schulleiter in Andrychów (Andrichau), Westgalizien. Heirat mit Maria-Adele Marcus aus Lemberg, die schon am 5. Mai 1861 im Kindbett stirbt. K. wird daraufhin Rb. in Liptovský Mikuláš (Liptau-St.-Nikolaus), Slowakei, und heiratet in zweiter Ehe Anna Sternberg. 1864 Distriktsrb. in Bamberg, wo seine orthodoxe Haltung 1868/69 zu Konflikten mit der Gemeinde führt. Zwistigkeiten zwischen seiner Frau und der Tochter aus erster Ehe enden „fast mit einer Katastrophe“ (Bałaban). K. legt 1883 das Amt nieder und geht nach Lemberg zurück, wirkt dort als Religionslehrer an den drei Obergymnasien, als Seelsorger an der Strafanstalt sowie als Vertreter für Rabbinatsaufgaben. Aber „die vielen Schulstunden einerseits und das zerrüttete Familienleben andererseits wirkten zerstörend auf den starken Mann“
er kann seinen Verpflichtungen nicht nachkommen, verliert seine staatl. Anstellung und geht als Privatlehrer nach Ungarn, dann 1894 als Kinderlehrer nach Innsbruck. 1896 Rückkehr nach Lemberg als Prediger des Vereins „Tikwath Zion“. Er stirbt im Armenspital der jüd. Gemeinde.
Dokumente
CAHJP Jerusalem, D/Ba17a/38, Korrespondenz mit dem Bamberger Vorstand vor seiner Arbeitsaufnahme. Empfehlungen von Jellinek, Güdemann, Samuelsohn in Breslau, Zach. Frankel, Samuely in Brünn, Abr. Placzek in Boskovice (Boskowitz), Ludwig Philippson, S. B. Bamberger. Ersterer schreibt am 22. Mai 1863, „daß ich H. Rabbiner Kobak als einen Mann kenne, der gründliche Kenntnisse des jüdischen Alterthums mit geläuterter, moderner Bildung vereinigt, auf wissenschaftlichem Gebiete Beachtenswerthes geleistet hat, ein tüchtiger Schulmann ist, einer vernünftigen, ruhigen, besonnenen, friedlichen religiösen Richtung huldigt und durch seinen trefflichen Charakter sich auszeichnet“. Kobak verpflichtet sich auf „Duldsamkeit“ und gelobt, die von Rb. Rosenfeld getroffenen Reformen der Mikwe, des ‘Eruv und der Begräbnisordnung, sowie bzgl. Abschaffung der Sterbekleider am Jom Kippur und des Gitters an der Frauensynagoge nicht wieder rückgängig zu machen (10. Juni 1863). Weitere Neuerungen lehnt er ab. „Meine Richtung ist eine streng conservative“ (15. März 1863)
CAHJP Jerusalem, D/Ba17a/39, Personalakte, betr. Gehalt, Dienstwohnung, Urlaub und Kuren. Unter dem 29. März 1882 Liste der Akten in seiner Aufbewahrung.
Manuskripte
JTS New York, Archiv, 52-6 Josef Kobak Correspondence.
Publikationen
Hrsg. der in Fürth erscheinenden Zschr. Jeschurun. Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums, 10 Bde. erschienen in Lemberg, Breslau, Fürth und Bamberg 1856-1878
Nekrolog auf seine Frau, AZJ 1861, S. 290; Israelit 1861, S. 247f
Bericht über die Gründung eines Komitees, das jüdische Jünglinge aus Palästina in Europa in Handwerken, Ackerbau und Wissenschaft ausbilden lassen will, AZJ 1864, S. 206f
Hrsg. Ginze Nistaroth, Editionen aus der jüd. Literatur, mit Anmerkungen von Mor. Steinschneider, Bamberg 1868-79, 420 S
Practischer Lehrgang der hebr. Sprache für Schulen und zum Selbstunterricht, Bamberg 1868, 86 S
Ein Denkstein. Worte der Erinnerung an Se. Maj. den König Ludwig I. von Bayern
Autobiographie, in Talpiyyoth 1895, S. 86-89.
Literatur
Selbst die reformnahe Neuzeit 1864, S. 173, schwärmt davon, daß „die klassische Trauerrede des Herrn Rabbiners, mit poesiedurchwehter Gedankenfülle in feinrhetorischem Baue und herrlichem elegischen Vortrage Aller Herzen ergriff“
Im Jeschurun 6 (1868), S. 233-239, Kobaks Version seiner Auseinandersetzungen mit dem Vorstand, der „stets auf der Hochwacht steht, um zu verhindern, dass der conservative Rabbiner keine Übergriffe im Ritus sich erlaube [...] es geschieht ja alles ad majorem reformationis gloriam, d. h. um die sogenannte Reaction mit Stumpf und Stiel auszurotten“
Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 292
Lippe 1879/81, S. 239f
Zeitlin, Bibliotheca, S. 174
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 867
Majer Bałaban, „Rabbiner Dr. Joseph Kobak s. A.“, AZJ 1913, S. 225f, „ein Gaon in Israel, ein Held der Thora ... aber ein Opfer eines unglücklichen Familienlebens, dem nicht zu raten und nicht zu helfen war [...] Vergessen und arm starb er im hohen Alter, von der Gelehrtenwelt vergessen und lange für tot gehalten“. Sein Geburtsdatum scheint K. selbst nicht gekannt zu haben. „’Dreimal bin ich geboren,’ - schreibt er in seiner Autobiographie im Talpijoth 1895 - ’im Gebetbuche meines Vaters stand mein Geburtsdatum 15. Elul 5595 ([9. Sept.] 1835) vorgemerkt, im Gemeindebuche der Stadt Lemberg lautete es: 25. September 1829, in einem anderen Buche 1830 und im Matrikelbuche der jüdischen Gemeinde: 28. September 1828’.“ Lt. Bałaban sind die offiziellen Angaben gefälscht, damit K. bei der militärischen Musterung zu schwach erscheinen sollte; falsch ist aber sicherlich auch das Datum 1835, denn Kobak bestand nach seiner Erinnerung „im siebenten oder achten Jahre“ Schulprüfungen bei Oberrb. Jakob Ornstein, der 1839 starb
JL III 742
EJ dt. III 1012; X 142f
Wininger VII 179; die drei letztgenannten Enzyklopädien entscheiden sich für das Geburtsdatum des 8. Sept. 1828
PK Bavaria, S. 211
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 131, 136, 184-186 über die Konflikte von 1868/69