Geb. 1. Jan. 1807 in Zalužany bei Písek, Böhmen, ermordet 7. Sept. 1848 in Lemberg
Mit 12 J. zum Talmudstudium beim Kreisrb. Isak Spitz, dem er 1824 nach Mladá Boleslav (Jungbunzlau) folgt, arbeitet als Hauslehrer und studiert insgeheim die Humaniora. Abitur am Gymnasium in Písek
Studium der Philosophie an der Universität Prag und des Talmuds bei Samuel Landau und bei Löb Glogau, erhält 1830 Lehrerzeugnis von Herz Homberg und predigt im selben Jahr erstmals in Písek, Jan. 1832 ordiniert von Samuel Landau in Prag und Samuel Löw Kauder in Kolodìje nad Lužnicí (Kalladey). Mit Empfehlung vom Oberamt in Orlík nad Vltavou (Worlik) 1833 Bewerber um das Elbogen-Saazer Kreisrt.
Sept. 1833 Rb. in Hohenems, Vorarlberg
dort zunächst auf drei Jahre angestellt, geht er an die Umgestaltung von Gottesdienst, Schule, Vereinsleben, jedoch ohne liberal-reformerische Ambition. 1836 erste Konfirmation. 1837 Mitglied in Geigers „Verein jüd. Gelehrter“, verteidigt das Hamburger Gebetbuch von 1841, Bewerber in Frankfurt/M. (1841), Teilnehmer an allen Rb.-Vers. 1844 „Religionslehrer und Prediger“ in Lemberg, 1845 Gründung der „Israelit. Normalschule“, 1846 provisorisch zum Kreisrb. ernannt, 1846 „Dt.-Israelit. Bethaus“, scharfe Opposition der Orthodoxen, wird 1848 vergiftet aufgefunden.
Dokumente
¯IH Warschau, „Berlin“ 4, vom 7. Nov. 1837 I. M. Josts vertrauliches Urteil über ihn an den Berliner Gemeindevorstand: er sei ein Mann von großer Gelehrsamkeit und Charakter, von lebendiger Begeisterung, kräftiger Energie und unermüdlicher Ausdauer, gegen ihn sprächen aber „seine Persönlichkeit, seine äußerliche Erscheinung, seine gedrückte Haltung u. seine nicht ganz reine Aussprache“.
Publikationen
Sechs Predigten gehalten in der Synagoge von Hohenems, Prag 1834, 80 S., enthält Der göttliche Segen. Das Gebet. Die Kraft des Glaubens. Wichtigkeit und Bedeutung des Sabbats. Die Wohlthätigkeit. Israel, ein von Gott erwähltes Volk
Predigten in L. Adlers Synagoge: „Die wahren Helden“ (1, 1837/38, S. 193-207), „Wie sollen wir uns vor Gott reinigen?“ (2, S. 326- 338)
Des Gotteshauses hohe Bedeutung, 1838
Aufsätze in WZJT: „Ueber die jüdischen Trauergebräuche“ (3, 1837, 214ff), „Die Nothwendigkeit religiöser Volks- und Jugendschriften“ (4, 1839, S. 26-35), „Ueber das Entbehren lederner Schuhe am Versöhnungstage“ (ebd., S. 165-176), „Ueber Musik an Feiertagen“ (ebd., S. 176-185)
Aufsätze in IA: „Maimonides und die Rabbinen der germanischen Welt: ein schlagender Beweis, daß der Einfluß des Lebens auf das Gesetz mächtiger ist als der der Wissenschaft“ (1839, S. 276f, 283f), „Über fehlende Volks- und Schulbücher“ (1840, S. 26f, 34f), „Vorschlag zu neuen die Wohlfahrt befördernden Vereinen“ (1841, S. 12f), „Leises Bedenken eines Rabbiners über die gegenwärtigen Hauptrichtungen in der Entwikkelung des Judenthums“ (1841, S. 49f, 58-60), „Die Nothwendigkeit isr. Kleinkinderschulen“ (1841, S. 131f, 141f), „Wie ist der Zwiespalt zwischen Kirche und Schule im Judenthume vollends zu heben?“ (1841, S. 265), „Das Verhältniß von Opfer und Gebet im Judenthume“ (1841, S. 377-379, 385-387)
Pethah. Œefath ‘Evär. Hebräisches Lehrbuch für die isr. Jugend, Fft./M. 1841, 32 + 44 S.; engl. Sigmund Mannheimer, The Leveler of the Path, 1873
Gutachten zugunsten Abr. Geigers, Ende Juli 1842, in Rabbinische Gutachten über die Verträglichkeit der freien Forschung ..., Bd. I, S. 95-117
Antrittsrede, gehalten in der großen Vorstadt-Synagoge zu Lemberg, Lemberg 1845. - Nä’manim Pis. ‘e ’Ohev [Prov. 27,6]. Die Freundesstimme. Zur Belehrung und Erbauung für Israeliten. Aus Kanzelvorträgen, Lemberg 1847, 25 S
Beiträge aus Lemberg zum Jahrbuch von Busch, 1845-47 (gezeichnet -m -n)
Biblische Geschichte für die isr. Jugend mit entsprechenden Bibelversen, Lemberg 1854. Werkausgabe. Nachgelassene Schriften, mit einer Biographie, Lemberg 1856.
Bildmaterialien
JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis).
Literatur
Bernhard Frenkl, Nekrolog, Lemberg 1848, 1 Bl
Busch, Kalender und Jahrbuch für Israeliten, 1847-1848
Moritz Löwenthal, Das Glaubens-Denkmal Jacob’s, als Grabes-Denkmal des hochseligen A. K., Kreisrabbiners und Predigers in Lemberg, Predigt, Lemberg 1849, 29 S
AZJ 1849, S. 212f
Gabriel Weissenstein, zwei Flugblätter über die Ermordung A. K.s, Wien o. J
Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, Sp. 1587f
Jakob Kohn, Leben und Wirken A. K.s, 1855
Veit Friedrich Mannheimer, Rabb. A. K., ein Märtyrer unserer Zeit. Eine biographische Skizze, Stettin 1856, 39 S
Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 165-166
Emil Roniecki, Wielki Rabbi Abraham, Tragödie in poln. Sprache, 1878
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 820
Samuel Wolf Guttmann, Gedenkrede zum 50. Todestage des Rabbiners A. K., Lemberg 1897, 8 S
Gotthilf Kohn, A. K. im Lichte der Geschichtsforschung, Zamarstynow bei Lemberg 1898, 339 S
JE VII 533
Gotthilf Kohn, ¯ywot prawego mêza [A. K.], 1906
Tänzer, Hohenems
JL III 754
Wininger III 488
EJ dt. X 187f
J. L. Tennebaum, Galitsye mayn alte haym, 1952
N. M. Gelber, in: Sefär Levov, 1956, S. 231, 235ff
’Äns. iqlopädyah ‘ivrith XX 597
EJ eng. X 1144
Meyer, Response to Modernity, S. 156f: „he made a genuine effort to understand Galician Jewry, to appreciate its virtues no less than to condemn what he regarded as its shortcomings. Rare among enlightened Jews was his high regard for the religiosity of the hasidim. To be sure, he believed them superstitious and backward, but their innocent faith and genuine sense of community aroused his admiration ... even in Galicia such a mild reformer would probably have been grudgingly accepted by the Orthodox had Kohn remained, as he was initially, merely the ’religious instructor and preacher’ for those who accepted his authority“
Wlaschek, Bohemia, S. 111
Uri R. Kaufmann, „Der Hohenemser Rabbiner Abraham Kohn und Aron Tänzer und die jüdischen Bestrebungen ihrer Zeit“, in: “...eine ganz kleine jüdische Gemeinde, die nur von den Erinnerungen lebt!“ Juden in Hohenems, Hohenems 1996, S. 45-57
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 138f
HÖAAJH, Bd. II, Nr. 5361
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 123, 242, 458f, 675.