BHR Biographisches Portal der Rabbiner

KOHN, Albert, auch Adalbert oder Abisch K.

  • Geb. Juni 1811 in Tachov (Tachau), Böhmen,
  • Gest. 7. Nov. 1870 in Prag
  • Sohn des Pilsen-Klattauer Kreisrabbiners Samuel K., mütterlicherseits Enkel des Rb. Eleazar Löw gen. Šämän Roqeah. . Vom Vater kurz nach seiner Geburt verwaist, erster Unterricht in Pobìžovice (Ronsperg) im Böhmerwald, 1824 zur Jeschiwa seines Großvaters nach Liptovský Mikuláš (Liptau-St.-Nikolaus), Slowakei, danach zu dessen Sohn Wolf nach Topo¾čany (Nagytapolcsány), dort ordiniert. 1830 Rabbinatsverweser in Miroslav (Mißlitz), Mähren. Besuchte das Gymnasium in Komárno (Komorn), Slowakei, und die Univ. in Brünn und Prag, während er als Hauslehrer seinen Unterhalt verdient
  • frequentiert die Gesellschaften des Prager Buchhändlers und Antiquars David Neustadtl, dessen Tochter Betty er später heiratet. Weitere Diplome von Benjamin Wolf, Normalschullehrer Herz Homberg und dem für seinen Heimatort zuständigen Kreisrb. Philipp Kohner in Švihov (alle 1833), Samuel Landau (1834), Samuel Freund, Kreisrb. Jakob Maler (beide 1835), 23. Juli 1836 von der böhm. Statthalterei zum Dajan des Rakonitzer Kreisrb. in Roudnice nad Labem (Raudnitz a. d. Elbe) ernannt, 21. Sept. 1836 zum Ortsrabbiner das., predigt seit 1846 jeden Sabbat in deutscher Sprache (AZJ 1851, S. 280). Teilnehmer an der böhmischen Synode von 1851, deren Protokolle er herausgibt. Mit Dekret vom 24. Okt. 1851 wird ihm das Rakonitzer Kreisrt. übertragen
  • damit verbunden sind unentgeltliche Nebenfunktionen als Religionslehrer am Gymnasium in Litomìřice (Leitmeritz) und seit 1855 auch als Militärseelsorger in der Festung Terezín (Theresienstadt). Seiner Witwe Betty wurde eine lebenslange Pension von 200 fl. gezahlt.

Dokumente

  • SÚA Prag, ČG Vš., oddìlení 1841-1855, svazek 18/1, mit Wortbeiträgen bei der „Berathung über die Reglung der jüdischen Kultusgemeinde-Ordnung im Kronlande Böhmen“, 14. Jan. 1851
  • ŽM Prag, Nr. 20.419 über Kreisrt.

Manuskripte

  • SÚA Prag, ČG Vš., oddìlení 1841-1855, svazek 18/3/4, Gutachten vom 23. Okt. 1844 über Aufgaben der Rb.; deren „Grundpflicht“ sei es, „auf die ihm anvertraute Gemeinde veredelnd u. verbessernd nach Kräften einzuwirken, sie zur Tugend u. zur Gottesfurcht durch Liebe u. Sanftmuth zu führen, sie zur Humanität, zur Vaterlandsliebe u. zum Gehorsam gegen die Vorgesetzten zu bilden u. ihre religiösen Interessen u. Angelegenheiten gewissenhaft u. uneigennützig zu leiten u. zu überwachen“.

Publikationen

  • Gründung eines Seminars für die Israeliten in Österreich. Ein Wort zur Zeit, Wien 1850 (Exemplar dieser seltenen Broschüre im ÖStA/AVAWien, Neuer Kultus, Israelitischer Kultus, D 5; siehe auch die Zusammenfassung in AZJ 1851, S. 29, und bei Gerson Wolf, Studien zur Jubelfeier der Wiener Universität, Wien 1865, S. 151ff.)
  • Die Notabelnversammlungen der Israeliten Böhmens in Prag, ihre Beratungen und Beschlüsse. Mit statistischen Tabellen über die israelitischen Gemeinden, Synagogen, Schulen und Rabbinate in Böhmen, Prag 1852
  • Was ist uns der Monarch und was sollen wir ihm sein? Dankeswort für die glückliche Rettung Sr. k. k. Apostolischen Majestät, Predigt, Prag (3 Auflagen!) 1853, 8 S
  • Welche Bedeutung hat die Geburt eines Thronerben für den Staatsbürger? Jubelwort, gesprochen zur Entbindung Kaiserin Elisabeth, Prag 1858
  • Gottvertrauen! Predigt, gehalten am 10. Okt. 1870 in Raudnitz, postum veröff., Prag 1871.

Epigraphik

  • Lieben, „Erster Wolschaner Friedhof“, S. 32: „Ein Gelehrter, welcher dem gemäßigten Fortschritte im Judenthume geneigt war“. K. sei 1810 in Ronsperg geboren.

Literatur

  • AZJ 1851, S. 29, über seine Seminarschrift
  • AZJ 1851, S. 305, über eine angebliche Berufung als Prediger nach Lemberg
  • AZJ 1851, S. 537, Bewerbung um das jüd. Religionslehreramt an den Prager Gymnasien; K. unterliegt gegen Dr. Isaac B. Lowositz aus Königsberg
  • Abendland 1865, S. 109, über einen Besuch bei ihm. „Wir hörten von ihm, wie leider der Materialismus so sehr überhand nimmt, die größten Gemeinden durch die Freizügigkeit in ihren alten Institutionen und Einrichtungen gefährdet sind“
  • Neuzeit 1870, S. 535f, über unfreundliche Grabrede seines Rivalen Haller
  • A. K., Rabbiner in Raudnitz. Eine biographische Skizze nebst einer Predigt des Verewigten und der Trauerrede über denselben, Prag 1871, 36p., mit Biographie S. 7-15
  • Gold (Hrsg.), Judengemeinden Böhmens, 1934, S. 527
  • The Jews of Czechoslovakia, I 70
  • Weinmann, Egerländer biographisches Lexikon, Männdorf 1985, Bd. I, S. 276
  • Fiedler, Jewish Sights of Bohemia and Moravia, S. 161, hebt hervor, daß K. an der Gemeindeschule schon seit 1837 tschechischen Sprachunterricht erteilen ließ
  • Wlaschek, S. 111
  • Fiedler, Židovské památky Tachovska, tsch. S. 15, dt. S. 74
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 86
  • HÖAAJH, Bd. II, Nr. 5366
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 511, 553f, 657f.