Einziger Sohn des wohlhabenden Gemeindevorstehers Juda b. Zwi- Hirsch Halevi L. und der Chaja, Tochter des Rb. Eleasar aus Dubno, Wolhynien
sein Vater vertrat auf der polnischen Vierländersynode Kleinpolen als Landesältester. Talmudstudium bei dem Ortsrb. Moses Jakob, sodann bei Isaak-Eisik Halevi in Volodymyr-Volyns’kyi (Włodzimierz Wołyñski, Ludmir), Wolhynien
mit 14 J. zum Studium an die Klaus in Brody, 1732 in Dubno Heirat mit Liba (st. 1790), Tochter des Jekevko, mit dem das Paar 1734 nach Brody zurückkehrt, L. amtiert seither als Klausrb. und Dajan im Bet-Din des späteren Hamburger Oberrb. Isaak b. Jakob Horowitz in Gemeinschaft mit dem Kabbalisten Chajim Zanser. 1745 Rb. in Jampi¾ (Jampola), Wolhynien, erläßt 1752 eine besonnene Proklamation im Emden-Eibeschütz-Streit, die ihn zum Anführer der Vermittlungspartei macht. 1755 Oberrb. in Prag
lehnt einen Ruf nach Fürth ab (1763). Durch sein Eingreifen in den „Klever Getstreit“ 1767 verfeindet er sich die Frankfurter Gemeinde. In seiner großen Jeschiwa inauguriert er eine Rückkehr zu den frührb. Quellentexten und verschiedene Gesetzeserleichterungen, indes tritt er nicht allein gegen die Kabbalisten und Chassidim, sondern 1782 auch gegen die Ideen von Mendelssohn und Wessely auf
er verteidigte gegen diese die traditionelle Form der relig. Erziehung, akzeptiert aber Schul- und Militärpflicht, die Einführung des deutschen Namensrechts und die Aufhebung der rb. Zivilgerichtsbarkeit (1784). 1783 schwer erkrankt, überträgt er die Jeschiwa auf seinen Sohn Samuel L., der ihm später im Rt. folgte
sein Sohn Israel L. (1758-1829) und dessen Sohn Moses L. (1788-1852) waren Prager Buchdrucker und Gemeindevorsteher
ein anderer Enkel Eleazar L. (1778-1831) wurde Rb. in Brody.
Dokumente
Sein hebr. Anstellungsvertrag in Prag (1755) bei David Kaufmann, in Ha-’Äškol 1 (1898), S. 177-184; und bei Kamelhar (1903), S. 13-17
SÚA Prag, ČG Publicum, oddìlení 1785-1795, svazek 43/361, vom 8. Aug. 1793, über seinen Nachlaß: ebd., svazek 43/373, vom 8. Jan. 1794 über seine Amtswohnung.
Manuskripte
ŽM Prag, ms. 95 S. iyyun lenäfäš h. ayyah zu Bes. ah, Vorlage des Druckes von 1799
Laufendes Editionsprojekt am Mechon Yerušalayim in Jerusalem; siehe Moriyyah XXI,3-4 (1996/97), S. 27. Schüler. Nach Kamelhar (1903), S. 17 waren die bekanntesten: Abraham Danzig H. ayye ’Adam in Wilna, David Deutsch ’Ohäl Dawid in Jemnice (Jamnitz), Eleasar Fleckeles Tešuvah me’Ahavah und Bezalel Ronsburg in Prag, Wolf Triesch, Israel [Caro] in Złotów (Flatow), Elias in „Mesitz“, Mordechai Beer Mianka, Wolf [Boskowitz?] in Kolín, Baruch Jeitteles, Samuel in Višehrad.
Publikationen
’Aspaqlarya’ ha-me’irah, Schlichtungsaufruf im Amulettenstreit, mit Jakob-Josua Falk (Frankfurt/M), Samuel Helman (Metz), Arje-Löb (Amsterdam) und Isaak-Selig Caro (Hannover), Altona 1753, 2 Bl
Tefillah ... keruz Kriegsgebet für Maria Theresia; Bann gegen Spione, Prag 1756 (Muneles Nr. 261)
Den 22. December ist allhier in Prag in der sogenannten Alt-Neu-Schul nachfolgender gross- und forchtsamer Bann gegeben und publiciret worden gegen Spione, Prag 1756 (Muneles Nr. 262)
Gebeth, welches auf Anverlangen deren Aeltesten, und Gemeindeaeltesten der Prager Judenschaft von dem Ober-Rabiner Ezechiel Lande, und denen Oberjuristen eigentlich componiret worden, GOtt den allmächtigen anzuruffen, und um die Wiedergenesung Ihrer kais. königl. apostolischen Majestät unserer allergnädigsten Erb-Landes Fürstinn und Frauen in denen öffentlichen Synagogen zu bitten, Prag 1762 (Muneles Nr. 261, „1767“; Expl. CAHJP, CS 95)
Noda‘ bIhudah [Ps. 76,2], erste Folge, gen. mahadura’ qamma’, 2 Bde. Prag 1776, 225 Bl. (Muneles Nr. 290); zweite Folge, gen. mahadura’ tinyana’, postum hrsg. von seinen Söhnen Jakobke und Samuel Landau, Prag 1810-11, 354 Bl. (Muneles Nr. 460), mit biograph. Einleitung; insgesamt ca. 860 Responsen; beide Bände Berditschew 1812, 66 + 108 Bl.; Zhovkva (¯ółkiew) 1823; und zahlreiche neuere Auflagen; kritische Ausgabe des Mechon Yerušalayim mit Ergänzungen nach den Hss. Jerusalem 1990ff
Deruš häsped, Gedenkrede auf Kaiserin Maria Theresia, Prag 1780, 6 Bl. (Muneles Nr. 297); dt. Fassung Trarende [!] auf den [...] todesfal ire [...] meiestet Maria Terezia in judshn mundart gehalten [...] in dem teitshe ibr zetst, in hebr. Lettern, Prag 1780 (Muneles Nr. 298)
Dankgebet, welches den 2. May 1782 bey der feyerlichen Einsegnung der deutschen Schule in der Judenstadt in Prag von den besten jüdischen Schulsängern unter Musik abgesungen wird, Prag 1782 (Muneles Nr. 310)
S. iyyun lenäfäš h. ayyah (abgekürzt S. aLeaH. ), Talmudauslegungen, Bd. I,1 zum Traktat Pesah. in, Prag 1783 (Muneles Nr. 323); Bd. I,2 zu Berachoth, Prag 1791 (Muneles Nr. 370); Bd. I,3 zu Bes. ah, Prag 1799 (Muneles Nr. 419); Neuausgabe der drei Bde. Zhovkva 1825; u. ö.; Bd. II,1 zu H. ullin, Zevah. im und Menah. oth, Warschau 1861; Bd. II,2 zu Šabbath, ‘Eruvin und H. ullin, Warschau 1871; 1879, 182 S.; neuaufgelegt mit Homilien, Warschau 1897; Bd. II,3 zu Ro’š ha-Šanah, Yoma’, Sukkah, Ta‘anith, Megillah und H. agigah, Warschau 1879, 44 Bl.; Bd. III zur Ordnung Neziqin, 1959
Tiqqun näfäš, Gelegenheitsgebete, Prag 1786 (Muneles Nr. 343); Wien 1796, 32 Bl.; Prag 1821
„Anrede an 25 jüdische Soldaten zu Prag am 14. Mai 1787“, hebr. in Ha-Me’assef 1789, S. 253; dt. in Allgemeines Archiv des Judenthums hrsg. I. Heinemann, 1839, S. 59-69, 116-120; frz. unter dem Titel „Préparation de guerre dans le monde rabbinique“, UI 21 (1865/66), S. 501f
Deruš Šävah. wehoda‘ah, Rede zur Eroberung Belgrads, 1790 (Muneles Nr. 360)
Herzensgefühl und Gebet der sämmtlichen Judenschaft in Prag an dem allerfeyerlichsten Krönungstage unseres allergnädigsten Kaiser Leopold II., Prag 1791 (Muneles Nr. 374)
Trauerrede auf den betrübten Todesfall Leopold II. (in hebr. Lettern), 1792
Dagul me-Revavah [Cant. 5,10], Marginalia und Auslegungen zum Šulh. an ‘Aruch, Prag 1794, 72 Bl. (Muneles Nr. 392); erweiterte Ausg. Zhitomir 1904
Haggahoth, Marginalia zum Mišneh Torah des Maimonides, zuerst in der Ausg. Lemberg 1808-1811
Haggahoth, Marginalia zur Mischna, zuerst in der Ausgabe Prag 1825-1830, übernommen in die meisten späteren Ausgg
’Ahavath S. iyyon, acht Homilien, mit weiteren seines Sohnes, 1827, 30 Bl. (Muneles Nr. 559); Sudilkov 1834; Warschau 1881
Doreš leS. iyyon, dreizehn Homilien und Methodologie, 1827, 93 Bl. (Muneles Nr. 560); Sudilkov 1834; Warschau 1880; 1894; Neuausgabe des Mechon Yerušalayim, Jerusalem 1995
Mar’äh Yeh. äzqe’l, Talmudglossen, in der Ausg. von 1830
Haggahoth, Marginalia zum Šulh. an ‘Aruch, Zhovkva 1839
Deruše ha-S. aLeaH. , verschiedene Homilien, Warschau 1899
Das mosaische Eherecht. Auf Verlangen Kaiser Josephs des Zweiten gegen Anwendung des kaiserlichen Ehepatents vom 16. Januar 1783 auf die Juden erstattetes Gutachten, hrsg. v. Alexander Kisch, Leipzig 1900 (Muneles Nr. 1447); hebr. Übs. von Wolf Schönblum, H. uqe ha-’Iššuth, Mukachevo (Munkács) 1901, 16 S
Zwei Responsen, in Bigde ha-Qodäš, Lemberg 1906
„Bedin qeri’ath ha-megillah beY. G.“, Moriyyah VI,8-9 (1976), S. 8-10 (aus JNUL 8° 2284, einer Schülerhandschrift von 1757 nach Lehrvorträgen von Meier Fischels, Eibeschütz und Landau)
Grabstätte im heutigen Prager Stadtteil Žížkov, ul. Fibichova; siehe Lieben, „Erster Wolschaner Friedhof“, S. 17. Photographie der Grabstele bei Všetečka und Kudìla, Osudy židovské Prahy, S. 127. Transkription der Inschrift bei Friedberg, Bene Landa’, S. 18.
Bildmaterialien
Porträtstich; Exemplare JNUL Jerusalem, Schwadron Collection; ŽM Prag, ständige Ausstellung; reprod. EJ dt. X 587
Lat. Unterschrift „Jeheskal Landa“ auf einem Dokument vom 25. Nov. 1787 mit seinen vier Beisitzern S. Emrich, M. Bachrach, J. Günzburg und E. Fleckeles; reprod. in Všetečka und Kudìla, Osudy židovské Prahy, S. 125.
Literatur
Gedenkreden von Baruch Jeitteles, Megillath ’Echah und ‘Emäq ha-Bacha’; Elieser Karpeles, Deruš häsped ’Ävän ha-’Oth, Yeh. äzqe’l ha-Mofeth, alle Prag 1793; Bär Trebitsch, Gorän ’At. ad, Wien 1793; Joseph Efrati aus Troplowitz, ’Allon Bachuth, Wien 1793; Löb Carlburg, Divre ’Eväl, Offenbach 1793 (Muneles Nr. 383-388)
Ha-Me’assef VII,1 (1794), S. 78 Todesmeldung
Sogar für den radikalen Reformrabbiner Samuel Holdheim war „der innerhalb rabbinischer Grenzen kräftig und selbstständig auftretende Ezechel Landau“ lobenswert; Autonomie der Rabbinen, Schwerin 1844, S. 141
„Rabbiner Landau rettet das von Friedrich II. belagerte Prag, 1756“, Volkskalender für Israeliten hrsg. K. Klein, VIII (1849), S. 114
Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, Sp. 1277f
Jost, Geschichte des Judenthums, Bd. III, S. 246: „ein Mann von schönem Körperbau und edler Haltung, von einnehmender Berdsamkeit und grosser Gewandtheit im Amte“
Graetz, Geschichte3, Bd. XI, S. 41, 154, 391, 557f, insbes. über seine Maßnahmen gegen die Mendelssohnbibel
Heinrich Graetz, „E. L.’s Gesuch an Maria Theresia gegen Jonathan Eibeschütz“, MGWJ 26 (1877), S. 17-25
Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 515
Baeck, Geschichte, S. 489
Friedländer, Prag, S. 33ff
Horovitz, Frankfurter Rabbinen, III, 73-76, 99-101
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 755 mit der Behauptung, dass L. „keineswegs ein Gegner Mendelssohn’s war“
Salomon Hugo Lieben, „Zur Charakteristik des Verhältnisses zwischen R. Jecheskel Landau und R. Jonathan Eibeschütz“, JJLG 1 (1903), S. 325f
Berstein, Pithgamim me-H. achamim, S. 111f, über seinen Widerwillen, Bücher zu verleihen
JE VII 606f, mit Bildnis
Friedberg, Bene Landa’, S. 17f
Chones, Toledoth ha-Poseqim, S. 144ff
Israelit vom 13. Nov. 1913
I. Hirsch, „R. Ezechiel Landau, Oberrabbiner in Prag und seine Zeit“, Freie jüdische Lehrerstimme 7 (1918), Nr. 3-6
Wachstein, Mafteah. ha-häspedim, Bd. I, S. 26; Bd. III, S. 42
JL III 962f, mit Bildnis
S. H. Lieben, „Beiträge zur Kulturgeschichte der Juden in Böhmens im 18. Jahrhundert, an der Hand der zeitgenössischen Responsenliteratur“, Afike Jehuda 1929/30
Wininger III 567f
EJ dt. X 585-590, mit Bildnis
Václav Žáček, „Zwei Beiträge zur Geschichte des Frankismus in den böhmischen Ländern“, JGGJČSR 9 (1938), S. 361f
Wind, „Še’eloth utešuvoth Noda‘ bIhudah bethor maqor letoledoth Yiœra’el“, H. orev 10 (1948), Nr. 19/20, S. 57-76
Klemperer, „Rabbis of Prague“, S. 55- 74
Emil Davidovič, „Rabbi Jechezkel Landau“, Žid. Ročenka 5715 (1954/55), S. 22-26
Hallah. mi, H. achme Yiœra’el, S. 174
Eliav, Jüdische Erziehung, S. 42f, 54f, 57
A. L. Gelman, Ha- Noda‘ bIhudah umišnatho, Jerusalem 1960; 2. Aufl. 1962
Leo Jung (Hrsg.), Jewish Leaders 1750-1940, Jerusalem 1964, S. 77-98
M. Samet in Gedenkschrift Z. Avneri, 1970, S. 240-244
EJ eng. X 1388-1391, mit Bildnis
Katz, Out of the Ghetto, S. 145, 147, 149f, 154f, 162
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 110, Nr. 1087
Maier, Jüdische Religion, S. 474, 481, 484-485, 551
Kinstlicher, Hä-“H. atham Sofer“ uvene doro, S. 176f
Jerold M. Weiss, Zion Hamtzuyenes. A Compilation of Various Materials Relating to the World Renowned and Illustrious Rabbi Yehezkel Landau, Prag 1993, xxxvi + 186 p
Jiřina Šedinová, „On the 200th Anniversary of the Death of Ezechiel Landau (17 Ijar 1793)“, Judaica Bohemiae 29 (1993), S. 100