Sohn des späteren Prager Oberrb. Ezechiel L., kommt mit dem Vater nach Prag, heiratet mit 18 J. in Bonn Hindche Helman, die Tochter des kurkölnischen Landesrb. Feiwesch H. (gest. 1771), an dessen Stelle er zeitweise das Rt. verwaltet. Sympathisiert zunächst mit der Aufklärung („Gesellschaft der jungen Hebräer“ in Prag
1778 Pränumerant der Mendelssohnbibel), wird dann konservativer. Übernimmt die Leitung der Jeschiwa des Vaters ein Jahrzehnt vor dessen Tod
amtiert als „Oberkommissär der jüdischen Koscheraufsicht“
gegen den Widerstand der Rb. Bachrach, Günzburg und Fleckeles am 27. Aug. 1793 vereidigt als „Fünfter Ober-Jurist und Religions- Vorsteher“ in Prag
bis 1801 rückt er zum Zweiten Oberjuristen auf. Versieht das Prager Rabbinat ein Vierteljahrhundert lang in kollegialer Rivalität mit Eleasar Fleckeles
nach dessen Tod im Jahr 1826 nimmt er die Stelle des ersten Oberjuristen ein. Spricht sich 1830 für eine Erziehung nach mendelssohnischen Prinzipien aus, legt aber 1834 die Mitglieder des Prager Tempels in den Bann.
Dokumente
SÚA Prag, ČG Publicum, oddìlení 1785-1795, svazek 43/351, vom 15. Mai und 21. Juni 1793, Bewerbung um 1. Oberjuristenstelle. Er wolle kein Gehalt, wohl aber die freie Wohnung seines Vaters behalten. An dessen Stelle habe er seit mehr als zehn Jahren „sowohl in talmudistischen als in allen andern theologischen Gegenstände unterrichtet“; seit drei Jahren halte er „alle öffentliche Predigten und Disputationen in die hiesige Synagoge an der Stelle seines Vaters nicht ohne Beifall“, sei darüber hinaus „auch in der deutschen Lectüre nicht ganz unerfahren“. Die Gemeindevertreter bestehen auf dem Aufrücken der Oberjuristen nach dem Dienstalter, obwohl L. „ein vornehmer Gelehrter, und sowohl in Religionswesen, als auch in politischen Sachen sehr wohl kundig ist“; die Oberjuristen lehnen ihn ganz ab und bleiben der Veieidigungszeremonie aus Protest fern
Ebd., svazek 43/373, vom 8. Jan. 1794, neue Eingabe wegen der Wohnung des Vaters.
Publikationen
Deruš Häsped. Trauer-Rede auf den betrübten Todesfall Leopold II, aus dem Hebr. von Joseph Landau, in hebr. Lettern, Prag 1792
Polemik gegen Baruch Jeiteles über Rabbinerausbildung, Ha-Me’assef VII,1 (1794), S. 37-52; dagegen das anonyme Sefär ha-‘Orev, Wien 1795
Deruš Häsped, Gedenkrede auf den Tod von Koppelmann Porges, Prag 1823
Homilien im ’Ahavath S. iyyon seines Vaters, 1827 (Muneles Nr. 559); Sudilkov 1834; Warschau 1881
Homilien und Anmerkungen im Doreš leS. iyyon seines Vaters, 1827 (Muneles Nr. 560)
Editionen aus dem Nachlaß des Vaters, mit Vorreden und Ergänzungen, insbes. ’Ahavath S. iyyon, Prag 1827; darin vier eigene Homilien mit Empfehlungen der modernen Schulerziehung; Bl. 16a Verteidigung der Mendelssohnbibel (1816); Auszüge daraus bei Assaf, Meqoroth, Bd. I, S. 161- 163
Selih. ah, während der Cholerazeit zu rezitierende Bußgebete, Prag 1832
Siebenunddreißig Approbationen, datiert Prag 1791-1832: Löwenstein, Index, S. 117f.
Bildmaterialien
JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis).
Literatur
Nachruf in Sulamith VIII, 1, S. 60
AZJ 1838, S. 152 Anm. „der wegen seiner jüdischen Gelehrsamkeit und anderweitigen Bildung, wegen seiner Leutseligkeit, Biederkeit und seines persönlichen Anstandes sowol von der jüdischen als christlichen Bevölkerung hochgeachtete erste Oberjurist Rabbi Samuel Landau“
Orient 1848, S. 541-543
Löw, „Abraham und Josef Flesch“, S. 243
Steinschneider, Bodleiana, Sp. 577, 2103, 2433
Klemperer, „Reminiszenzen“, S. 29: Die beiden Prager Oberjuristen Eleasar Fleckeles und Samuel Landau bildeten „zusammen ein Ganzes in dem Sinne, dass die Mängel des einen durch die Vorzüge des anderen ersetzt wurden. Rabbi E., von frühester Jugend an sich dem Rabbinatsstande widmend, glänzte als Lamdan (Vielwisser) und Darschan (Prediger), Rabbi S. besaß als Erbstück seines grossen Vaters - des Prager Raw - ein scharfes Denkvermögen und als früherer Geschäftsmann verschiedene durch die Weltanschauung erworbene Kenntnisse, manigfache Routine, wie auch viel présence d’esprit, wodurch er nie in Verlegenheit kam, im Gegenteil anderen zu imponieren verstand“; S. 30: „Rabbi E. beaufsichtigte das Waisenhaus, die Bereitung des Osterbrotes, die Beerdigungsbrüderschaft - deren erster Vorsteher er war - Rabbi S. dagegen die Schächter und die Fleischbank. [...] waren die inneren Beziehungen auch etwas getrübt, die Aussenseite zeigte stets Friede und Einigkeit“
Graetz, Geschichte, XI2, S. 543
Walden, Šem ha-Gedolim hä-h. adaš, S. 125
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 759
Eisenstadt und Wiener, Da‘ath Qedošim, S. 127
JE VII 609
Kamelhar, Mofeth ha-dor, S. 73
Löwenstein, „Hanau“, S. 21
Friedberg, Bene Landa’, S. 21f
Lieben, „Fleckeles“, S. 12, 14f
Schreiber, ’Iggeroth Soferim, Bd. II, S. 67. 78
Wininger III 568 und VII 211
EJ dt. X 605f
Klemperer, „Rabbis of Prague“, S. 71, 74-81
Hallah. mi, H. achme Yiœra’el, S. 261
Eliav, Jüdische Erziehung, S. 199f
Kestenberg-Gladstein, Bd. I, S. 136-144
EJ eng. X 1390f
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 156, Nr. 1619
Hildesheimer, „Mendelssohn“, S. 102 und Anm
Meyer, Response to Modernity, S. 153: „a staunch traditionalist, whose influence with the government proved sufficient to bury any and all proposals for religious reform“
Kinstlicher, Hä-“H. atham Sofer“ uvene doro, S. 387f, mit Reproduktion eines eigenhändigen Chawer-Diploms für den späteren siebenbürgischen Landesrb. Ezechiel Paneth. Sein Todesdatum ist hier fälschlich mit dem 28. Tischri 5598 (27. Okt. 1837) angegeben; in anderen Quellen ist das falsche Datum des 31. Okt. 1832 zu finden