BHR Biographisches Portal der Rabbiner

LANDAU, Samuel

  • Geb. 1751 in Jampi¾ (Jampola), Wolhynien,
  • Gest. 30. Okt. 1834 in Prag
  • Sohn des späteren Prager Oberrb. Ezechiel L., kommt mit dem Vater nach Prag, heiratet mit 18 J. in Bonn Hindche Helman, die Tochter des kurkölnischen Landesrb. Feiwesch H. (gest. 1771), an dessen Stelle er zeitweise das Rt. verwaltet. Sympathisiert zunächst mit der Aufklärung („Gesellschaft der jungen Hebräer“ in Prag
  • 1778 Pränumerant der Mendelssohnbibel), wird dann konservativer. Übernimmt die Leitung der Jeschiwa des Vaters ein Jahrzehnt vor dessen Tod
  • amtiert als „Oberkommissär der jüdischen Koscheraufsicht“
  • gegen den Widerstand der Rb. Bachrach, Günzburg und Fleckeles am 27. Aug. 1793 vereidigt als „Fünfter Ober-Jurist und Religions- Vorsteher“ in Prag
  • bis 1801 rückt er zum Zweiten Oberjuristen auf. Versieht das Prager Rabbinat ein Vierteljahrhundert lang in kollegialer Rivalität mit Eleasar Fleckeles
  • nach dessen Tod im Jahr 1826 nimmt er die Stelle des ersten Oberjuristen ein. Spricht sich 1830 für eine Erziehung nach mendelssohnischen Prinzipien aus, legt aber 1834 die Mitglieder des Prager Tempels in den Bann.

Dokumente

  • SÚA Prag, ČG Publicum, oddìlení 1785-1795, svazek 43/351, vom 15. Mai und 21. Juni 1793, Bewerbung um 1. Oberjuristenstelle. Er wolle kein Gehalt, wohl aber die freie Wohnung seines Vaters behalten. An dessen Stelle habe er seit mehr als zehn Jahren „sowohl in talmudistischen als in allen andern theologischen Gegenstände unterrichtet“; seit drei Jahren halte er „alle öffentliche Predigten und Disputationen in die hiesige Synagoge an der Stelle seines Vaters nicht ohne Beifall“, sei darüber hinaus „auch in der deutschen Lectüre nicht ganz unerfahren“. Die Gemeindevertreter bestehen auf dem Aufrücken der Oberjuristen nach dem Dienstalter, obwohl L. „ein vornehmer Gelehrter, und sowohl in Religionswesen, als auch in politischen Sachen sehr wohl kundig ist“; die Oberjuristen lehnen ihn ganz ab und bleiben der Veieidigungszeremonie aus Protest fern
  • Ebd., svazek 43/373, vom 8. Jan. 1794, neue Eingabe wegen der Wohnung des Vaters.

Publikationen

  • Deruš Häsped. Trauer-Rede auf den betrübten Todesfall Leopold II, aus dem Hebr. von Joseph Landau, in hebr. Lettern, Prag 1792
  • Polemik gegen Baruch Jeiteles über Rabbinerausbildung, Ha-Me’assef VII,1 (1794), S. 37-52; dagegen das anonyme Sefär ha-‘Orev, Wien 1795
  • Deruš Häsped, Gedenkrede auf den Tod von Koppelmann Porges, Prag 1823
  • Homilien im ’Ahavath S. iyyon seines Vaters, 1827 (Muneles Nr. 559); Sudilkov 1834; Warschau 1881
  • Homilien und Anmerkungen im Doreš leS. iyyon seines Vaters, 1827 (Muneles Nr. 560)
  • Šivath S. iyyon [Ps 126,1], Responsen, 1827, 85 Bl.; nachgedruckt Sudilkov 1834, 58 Bl.; Warschau 1881, 1906
  • Editionen aus dem Nachlaß des Vaters, mit Vorreden und Ergänzungen, insbes. ’Ahavath S. iyyon, Prag 1827; darin vier eigene Homilien mit Empfehlungen der modernen Schulerziehung; Bl. 16a Verteidigung der Mendelssohnbibel (1816); Auszüge daraus bei Assaf, Meqoroth, Bd. I, S. 161- 163
  • Selih. ah, während der Cholerazeit zu rezitierende Bußgebete, Prag 1832
  • Siebenunddreißig Approbationen, datiert Prag 1791-1832: Löwenstein, Index, S. 117f.

Bildmaterialien

  • JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis).

Literatur

  • Nachruf in Sulamith VIII, 1, S. 60
  • AZJ 1838, S. 152 Anm. „der wegen seiner jüdischen Gelehrsamkeit und anderweitigen Bildung, wegen seiner Leutseligkeit, Biederkeit und seines persönlichen Anstandes sowol von der jüdischen als christlichen Bevölkerung hochgeachtete erste Oberjurist Rabbi Samuel Landau“
  • Orient 1848, S. 541-543
  • Löw, „Abraham und Josef Flesch“, S. 243
  • Steinschneider, Bodleiana, Sp. 577, 2103, 2433
  • Klemperer, „Reminiszenzen“, S. 29: Die beiden Prager Oberjuristen Eleasar Fleckeles und Samuel Landau bildeten „zusammen ein Ganzes in dem Sinne, dass die Mängel des einen durch die Vorzüge des anderen ersetzt wurden. Rabbi E., von frühester Jugend an sich dem Rabbinatsstande widmend, glänzte als Lamdan (Vielwisser) und Darschan (Prediger), Rabbi S. besaß als Erbstück seines grossen Vaters - des Prager Raw - ein scharfes Denkvermögen und als früherer Geschäftsmann verschiedene durch die Weltanschauung erworbene Kenntnisse, manigfache Routine, wie auch viel présence d’esprit, wodurch er nie in Verlegenheit kam, im Gegenteil anderen zu imponieren verstand“; S. 30: „Rabbi E. beaufsichtigte das Waisenhaus, die Bereitung des Osterbrotes, die Beerdigungsbrüderschaft - deren erster Vorsteher er war - Rabbi S. dagegen die Schächter und die Fleischbank. [...] waren die inneren Beziehungen auch etwas getrübt, die Aussenseite zeigte stets Friede und Einigkeit“
  • Graetz, Geschichte, XI2, S. 543
  • Walden, Šem ha-Gedolim hä-h. adaš, S. 125
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 759
  • Eisenstadt und Wiener, Da‘ath Qedošim, S. 127
  • JE VII 609
  • Kamelhar, Mofeth ha-dor, S. 73
  • Löwenstein, „Hanau“, S. 21
  • Friedberg, Bene Landa’, S. 21f
  • Lieben, „Fleckeles“, S. 12, 14f
  • Schreiber, ’Iggeroth Soferim, Bd. II, S. 67. 78
  • Wininger III 568 und VII 211
  • EJ dt. X 605f
  • Klemperer, „Rabbis of Prague“, S. 71, 74-81
  • Hallah. mi, H. achme Yiœra’el, S. 261
  • Eliav, Jüdische Erziehung, S. 199f
  • Kestenberg-Gladstein, Bd. I, S. 136-144
  • EJ eng. X 1390f
  • Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 156, Nr. 1619
  • Hildesheimer, „Mendelssohn“, S. 102 und Anm
  • Meyer, Response to Modernity, S. 153: „a staunch traditionalist, whose influence with the government proved sufficient to bury any and all proposals for religious reform“
  • Kinstlicher, Hä-“H. atham Sofer“ uvene doro, S. 387f, mit Reproduktion eines eigenhändigen Chawer-Diploms für den späteren siebenbürgischen Landesrb. Ezechiel Paneth. Sein Todesdatum ist hier fälschlich mit dem 28. Tischri 5598 (27. Okt. 1837) angegeben; in anderen Quellen ist das falsche Datum des 31. Okt. 1832 zu finden
  • Yisrael Nathan Heschel, „’Iggeroth ha-ge’onim Rabbi Mårdechay Bene‘t. weRabbi Šemu’el Landa’ Z.S. . L. ’odoth baqqašath ha-malchuth lešannoth nusah. ha-tefillah wesidre ha-limmud bišenath 5583“, Qoves. Beth ’Aharon weYiœra’el 11 (1995/1996), Nr. 3, S. 147-156
  • Wlaschek, Bohemia, S. 123
  • HÖAAJH, Bd. II, Nr. 5883
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 51, 68, 81, 92, 121f, 182, 216, 271, 327f, 553.