Sohn des frühverstorbenen Dresdner Lehrers Mordechai-Juda L. und der Reizel Hainsfurth, väterlicherseits Enkel des Dresdner Rb. David L., Talmudstudium bei dessen Nachfolger Abr. Löwy, danach zur Jeschiwa des Aron Kornfeld nach Golčùv Jeníkov (Goltsch-Jenikau) in Ostböhmen. 1830 Gymnasium, 20. April 1836 imm. Berlin, Triennium, daneben Studium des Talmud am Bet-Midrasch der Rb. J. J. Öttinger und E. Rosenstein. 1839 Anstellung als isr. Oberlehrer in Dresden
21. Feb. 1841 prom. Leipzig. Am 6. März 1842 Heirat mit Feile-Fanny Feilchenfeld (1816-1891), Tochter des Hirsch F.
Mitarbeiter am Orient (1841-44, 1845-50) und an Zacharias Frankels ZRIJ, von diesem 1845 als Dajan hinzugezogen. Anhänger der konservativen „Theologen-Versammlung“ (1846). 31. Aug. 1854 Rb. in Dresden als Nachfolger Frankels. 1865 Gründung der jüd. Religionsschule. Mitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG 1855, S. 638, Nr. 412). Vom sächs. König mit dem Albrechtsorden dekoriert.
Dokumente
LA Berlin, A Rep. 020-01, Nr. 2120, vom 18. Mai 1838, nennt ihn als stud. phil., 27, unter den sieben Hörern von Rb. Rosenstein
UA Leipzig, B 128a, S. 145, Promotionseintrag im Pro- Cancellar-Buch der Philosophischen Fakultät
JM Frankfurt/M., PSR B 045, Trauungseintrag im Synagogenbuch Dresden
CJA Berlin, 1, 75 A DR 1, Nr. 1, Wahl in Dresden.
Publikationen
„Berichtigung“, LdO 1840, S. 815f, u. a. Beiträge zum Orient
Die Petition des Vorstandes der israelitischen Gemeinde zu Dresden und ihr Schicksal in der II. Kammer, Dresden 1843, 30 S
„Wie soll der Religionsunterricht der isr. Jugend in unserer Zeit beschaffen sein?“, ZRIJ 1844, S. 27-36, 73-76, 129-141
„Anforderungen des Glaubens und der theologischen Wissenschaft an den Rabbiner“, ZRIJ 2 (1845), S. 139-142, 182-190, 214-218
„Die Wissenschaft, das einzige Regenerationsmittel des Judenthums“, MGWJ 1 (1852), S. 483-499
Predigt zur Gedächtnissfeier des Höchstseligen Königs Friedrich August des Zweiten, Leipzig 1854
„Schemaja und Abtalion“, MGWJ 1858, S. 317
Rede zur Gedächtnißfeier des Hrn. Dr. phil. B. Beer, Vorstehers der isr. Religionsgemeinde zu Dresden, Dresden 1861
Verteidigung Zach. Frankels gegen die Polemik von S. R. Hirsch; AZJ 1861, Nr. 8, Beilage
Miqra’e Qodäš, dt. Bibelübs. nach dem Philippson’schen Bibelwerk bearbeitet von Philippson, Landau und Kämpf, 2 Bde. 1862-63, Neuaufl. 1901, 1913
„Über Thierquälerei nach den Grundsätzen des Judenthums“, MGWJ 1863, S. 41ff
Predigt zur 25jährigen Jubelfeier der hiesigen Synagoge, Dresden 1865
Rede am Grabe des Dichters Dr. W. Wolfssohn, Dresden 1865
Die Liebe im Judenthume, Predigt, 1869
Gutachten ausländischer Rabbinen, S. 23f, gegen die ungarische Trennungsorthodoxie
Liebe über das Grab: Ritus bei Begräbnissen für die isr. Kultusgemeinde zu Dresden, Leipzig 1875
Predigt zur Gedächtnisfeier am 9. März 1875 zu Ehren des am 13. Februar 1875 heimgegangenen Seminardirector Dr. Zacharias Frankel, Oberrabbiner der israelitischen Religionsgemeinde zu Dresden von 1836-1854, mit Bezugnahme auf den kurz vorher verschiedenen Rabbiner Dr. Abr. Geiger, Dresden 1875.
Epigraphik
Grabstätte auf dem Dresdner jüd. Friedhof; Abb. Zeugnisse jüd. Kultur, S. 223.
Bildmaterialien
JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis); Phot. reproduziert in Spurensuche: Juden in Dresden. Ein Begleiter durch die Stadt, Hamburg 1995, S. 13.
Literatur
AZJ 1854, S. 413f, über Wahl in Dresden
Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 114-136, mit den Predigten „Berufstreue“ von 1859 und „Erkennen und Bekennen“ von 1868
Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 168
Emil Lehmann, Ansprache zum Jubiläum des Herrn Oberrabbiner Ritter Dr. W. L., Dresden 1879
Lippe 1879/81, S. 262f
Nachrufe von Dr. G.-F. Feilchenfeld, Rb. in Schwerin, und Dr. Baerwald, Rb. in Žatec (Saaz)
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 770, 779
Levy, Sachsen, S. 94-96, 102
JE VII 610
Lewin, Lissa, S. 292
Schwab, Répertoire, S. 263
Wininger III 577f
EJ dt. X 607f
Eliav, H. innuch, S. 344
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 144, 161
Brämer, Frankel, S. 124, 341, 373f u. ö
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 117, 403, 570, 575, 674.