Sohn des Moses L. und der Esther, 29. Okt. 1834 imm. als cand. phil. in Würzburg und vier Semester Studium, 1836 Gesuch um Rabbinatsbildung in Unterfranken, mit drei Morenu-Diplomen am 11. Juni 1840 Distriktsrb. für 2.767 Juden mit Sitz in Obbach. Von Rb. Lazarus Adler am 28. Juni 1841 in Schwanfeld getraut mit Karoline Dreschfeld, Tochter des Jeidel D. aus dem Nachbarort Niederwerrn, wohin L. den Rabbinatssitz verlegt. 1864 erneute Verlegung des Sitzes nach Schweinfurt. Bemühte sich um gemäßigte Reformen. 1888 Synagogenbau mit Reformliturgie, die von seinem Nachfolger Salomon Stein wieder rückgängig gemacht wird. Großvater mütterlicherseits des amerikanischen Finanzministers Henry Morgenthau Jr. (1891-1967), der 1944 den nach ihm benannten Plan zur Deindustrialisierung Deutschlands ausarbeitete.
Dokumente
StA Würzburg, Jüd. Standesregister, Nr. 79 (beginnend 1811) verzeichnet seine Geburt nicht; der Todesseintrag der Mutter nennt „den angehenden Rabbiner H. Maier Lebrecht in Obbach“ (13. April 1840)
CAHJP Jerusalem G5/2294 und StAWürzburg, Jüd. Standesregister, Nr. 90
CAHJP Jerusalem, D/Sc4, „Rabbinatsakten“, darunter Nr. 2 Einnahmen- und Ausgabenverzeichnisse, 1840-67; Nr. 3 Kopierbuch für Zeugnisse, 1840-1913; Nr. 6 Register der ausgehenden Korrespondenz, 1842-47; Nr. 18 Verlegung des Sitzes nach Schweinfurt, 1863-64; Nr. 27 Beschwerde des Distriktsrb. wegen der Erweiterung des Wirtshauses von Friedrich Stremel in der Nachbarschaft seines Hauses, 1856. Außerdem Akten über Religionsunterricht, Begräbnisordnung, Gemeindeabgaben, Feierlichkeiten zum Tod der Königin, u. a. m
CJA Berlin, 1, 75 B Schw 2 Nr. 4, Vorladung des Distriktrabbiners Lebrecht ins Bezirksgericht Schweinfurt 1861-64; Nr. 5, 16-19 Rabbinatsdistriktsausschuß, Rabbinatsdistriktsfonds, Besoldung des Rabbiners 1840-86
StAWürzburg, W. C. 101 Miscell. 7078-1080, Bildung, Besetzung, Bedürfnisse, kirchliche Verhältnisse des V. unterfränkischen Rabbinatsdistrikts, 1840-78
CAHJP Jerusalem, D/ Ba17a/37 vom 19. Feb. 1863, Bewerbung in Bamberg; L. beruft sich auf Empfehlungen seitens der Reformrabbiner J. Aub, L. Adler, I. Löwi und L. Stein.
Publikationen
„Der Frühling, ein Bild der israelitischen Verhältnisse, sowohl zur Zeit der Befreiung aus Ägypten, als auch zur jetzigen Zeit. Predigt, gehalten zu Burgkunstadt“, in Die Synagoge, 1 (1837), S. 308-321
Antrittsrede, Schweinfurt 1840.
Literatur
AZJ 1840, S. 174; IA 1840, S. 111 (Wahl); Orient 1840, S. 184, lobt seine „gründliche wissenschaftliche Bildung“, seinen „Eifer für die Veredlung des isr. Glaubens und Cultus“, aber auch seine „Besonnenheit“
AZJ 20. Aug. 1842, S. 510-511; 1846, S. 70
AZJ 1859, S. 64, gemäßigte Reformen
AZJ 1859, S. 317, bildet Bet-Din mit Löwi (Fürth) und Werner (Adelsdorf), dessen Entscheidungen von den orthodoxen Rb. nicht anerkannt werden
AZJ 1859, S. 460f; 1860, S. 49, unterstützt Philippsons „Bibel-Anstalt“