BHR Biographisches Portal der Rabbiner

LÖW, Ascher, auch A.WALLERSTEIN

  • Geb. 1754 in Minsk,
  • Gest. 23. Juli 1837 in Karlsruhe
  • Als Sohn des Rb. Lion Asser Günzburg gen. Ša’agath ’Aryeh (1695-1785) aufgewachsen in Smilovichi (Smilowitz), Volozhin, Minsk, Glogau, Frankfurt/M. und seit 1765 in Metz. Lernt dort bei Rb. Meir und seit dem Alter von 15 J. an der Jeschiwa seines Vaters. Heiratet Gütel Niederwerrn, Tochter des Hoffaktors und Unterrb. Samuel Wolf in Niederwerrn bei Schweinfurt, 1783 dessen Nachfolger als Landesrb. der würzburgischen Ritterschaft, 1785 Landesrb. des Fsms. Wallerstein, woher sein Schwiegervater stammte. Als scharfsinniger Pilpulist bekannt. 1808 wird er gleichzeitig zum Oberrb. in Metz, zum Oberrb. im Pariser Zentralkonsistorium und zum badischen Oberlandesrb. in Karlsruhe gewählt, er nimmt nach besonderer Intervention des Großherzogs bei Napoleon die letztere Stelle an, mit der 800 fl. Gehalt und ein Sitz im Oberrat der Israeliten Badens verbunden sind. Als Leiter einer Jeschiwa war er Lehrer der meisten badischen Rabbiner. 1820 Bewerber in Hamburg. In zweiter Ehe heiratete er Sara Worms aus Saarlouis, Witwe des Mainzer Oberrb. Samuel Wolf Levi, die 1854 in Gießen starb.

Dokumente

  • GLA Karlsruhe 357/333 Korrespondenz und Vertrag über seine Anstellung in Karlsruhe. Die Gemeindevorsteher behaupten über ihn am 15. Mai 1808, er sei „ein Mann von moralisch gutem und schönem Charakter, der nicht nur in der hebräischen, deutschen, französischen, italienischen und lateinischen Sprache ausgebreitete Kenntnisse besitzt, sondern der auch [...] mit sehr geringem Gehalt sich begnügt“; folgt Anstellungsvertrag vom 20. Dez. 1808, Entschädigung für ausfallende Gerichtsgebühren vom 21. März 1809
  • In den Karlsruher Adreßbüchern verzeichnet Kronenstr. 9 (1818), Kronenstr. 17 (1820, 1833).

Manuskripte

  • Hinterließ ein hschr. Werk Qol Šah. al [Hiob 4,10, in Anspielung auf das Responsenwerk Ša’agath ’Aryeh seines Vaters], Auslegungen über einige Talmudtraktate und zwei Bände Homilien. Seine und seines Vaters Papiere kaufte noch zu seinen Lebzeiten der Wilnaer Gelehrte Gerson Abraham Amsterdam, der die Schriften z. T. an den Buchhändler Samuel Haim Einstein veräußerte; ihr weiterer Verbleib ist unbekannt (ŠUTh Ša’agath ’Aryeh ha-h. adašoth, Vorwort; Maggid, Mišpah. ath Gins. burg, S. 51)
  • Gutachten über die Teilnahme von Juden an der Ehrengarde für Napoleon am Sabbat, 1809; GLA Karlsruhe, 236/6057 (dazu Gotzmann, Jüdisches Recht, S. 99f). Schüler. Abraham J. Adler aus Worms, Jakob Auerbach, sein eigener Sohn Abraham Ascher, Moses Bloch, Löb Bodenheimer, Jakob und Löb Ettlinger, Isaac Friedberg, Jakob Löwenstein, Moses Elias Präger, Leopold Schott, Elias und Benjamin Willstätter. Vgl. Hildesheimer, JP 1872, S. 166: „es bestand in Karlsruhe unter R. Ascher eine Jeschiwah von circa 200 Bachurim“.

Publikationen

  • Halachische Korrespondenz mit Sam. Landau in Noda‘ bIhudah, II, OH 116. Dgl. mit Pinchas Horwitz und El. Kalir
  • Eine Approbation, datiert Karlsruhe 1833, Löwenstein, Index, S. 201.

Epigraphik

  • Grabstein in der Ehrenreihe des alten Karlsruher jüd. Friedhofs, Nr. 147; siehe Döpp u. a., Alter Jüdischer Friedhof Karlsruhe, Kriegsstraße.

Bildmaterialien

  • JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis).

Literatur

  • Nachruf in AZJ 1837 S. 232, 260, lobt neben seinen didaktischen Fertigkeiten beim Unterricht in der tamudischen Dialektik: „Aber auch das Gebiet weltlicher Wissenschaften ließ er nicht unberührt, und er war namentlich mit einigen fremden Sprachen nicht unbekannt, und besonders mit der französischen Literatur des vorigen Jahrhunderts sehr vertraut“
  • Carmoly über seinen berühmten Vater in IA 1839, S. 390: „In seiner frühen Jugend hatte dieser sich sehr freisinnigen Studien gewidmet, auch in Metz sich für jene Zeit sehr ungebunden verhalten. Im spätern Alter hat er gerade die entgegengesetzte Richtung genommen. So geht’s meistentheils“
  • Maimon, „Œih. ath h. ullin šäl t[almid] h. [acham]. Witzige Bemerkungen des hochseligen Oberrabbiners Ascher Löb zu Karlsruhe“, TZW 1849, S. 22f
  • Walden, Šem ha-Gedolim hä-h. adaš, S. 27
  • REJ 13, S. 115
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 728, 761
  • Müller, Ries, S. 177-180
  • Maggid, Sefär toledoth mišpah. ath Gins. burg, S. 51f, mit Berichtigungen von L. Löwenstein S. 203f, dort 1761 als Geburtsdatum und 1788 als Datum der Berufung nach Wallerstein
  • JE VIII 191
  • Rosenthal, Heimatgeschichte, S. 341f
  • EJ dt. VII 724f
  • PK Bavaria, S. 529, 617
  • Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 157, Nr. 1634
  • PK Baden-Württemberg, S. 447
  • Gotzmann, Eigenheit und Einheit, S. 40
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 111, 180, 185, 251f, 307, 346, 348, 350f, 406, 487.