LÖW, Eleasar, seltener E. PILZ, gen. Šämän Roqeah.
Geb. 13. März 1758 in Wodzisław, Kleinpolen,
Gest. 2. Febr. 1837 in Abaújszántó (Szántó, St. Nikolau), Ungarn
Sohn des angesehenen Geschäftsmanns Arje-Löb und der Lea-Reize, Tochter des Samuel Kohn, mit 8 J. Schüler seines väterl. Großvaters, des Rb. Pinchas Selig in £ask, mit 16 J. von diesem ordiniert, dann in seinem Heimatort verheiratet mit Jettel (st. 1792), Tochter von Joel, dem Enkel des Amsterdamer Oberrb. Saul. Mit 17 J. Dajan in Wodzisław, 1778 Rb. im benachbarten Pilica. Nach seiner Verwitwung heiratete er Anfg. 1793 Rebekka-Esther (st. 1847 in Tarnów, Westgalizien), Tochter des Rb. Isak-Abraham aus Piñczów. Nachdem sein Wohnort durch die polnische Teilung von 1795 an Österreich gekommen war, reist L. 1800 nach Wien, um sein Buch zu drucken. Auf Empfehlung des mährischen Landesrb. Mordechai Benet in Mikulov (Nikolsburg) wird er - an Stelle des früher vorgesehenen Moses Sofer - 1801 Rb. in Třeš (Triesch), Mähren, leitet dort eine Jeschiwa von über 150 Schülern. Als Nachfolger seines Schwiegersohns Ende 1812 Pilsen-Klattauer Kreisrb. in Pobìžovice (Ronsperg), Westböhmen, da er dort aber keine große Jeschiwa finanzieren kann, kehrt er Ende Dezember 1815 als Jeschiwaleiter nach Třeš zurück
1819 trägt er zu den ’Eläh divre ha-berith bei, räumt aber als einziger unter den teilnehmenden Rb. eine gewisse Reformbedürftigkeit des Gottesdiensts ein. Als er für seine heiratsfähigen Söhne in Mähren keine Matrikelstellen erhalten kann, wird er 1821 Rb. in Liptovský Mikuláš (Liptau-St.-Nikolaus), Slowakei, im selben Jahr wird er für das Oberrt. in Fürth vorgeschlagen
1829 Bewerber um das mährische Landesrt. 1830 Rb. in Abaújszántó. Energischer Opponent Aron Chorins. 1833 erblindet. Sein Enkel und Biograph Lazar Münz (1837-1921) war Rb. in Oœwiêcim, Westgalizien, und Kêpno (Kempen), Prov. Posen.
Dokumente
ÖStA/AVAWien, Alter Kultus, Israelitischer Kultus, Karton 4, vom 28. Nov. 1838: „Uebersicht der [...] in Böhmen angestellten Kreis-Rabiner“. Ernennung am 5. März 1812 mit Prädikat „Vorzügliche Verwendung im Dienste, ausgezeichnete Kenntnisse u. ein gutes moralisches Betragen“.
Publikationen
Šämän Roqeah. [Eccl. 10,1], Bd. I Responsen, im Anhang Homilien, Nowy Dwór 1788, 68 Bl.; Bd. II Responsen, im Anhang Kommentar zum HM, Prag 1802, 74 Bl.; Bd. III Responsen Wien 1802, 204 S.; Bd. IV Auslegungen zu Berachoth, Pesah. in und Bes. ah, Prag 1811, 58 + 52 + 40 Bl. [Expl. NK Prag, 53-A-58]
Sama’ deH. ayye [Yoma 72b], 18 Homilien über die Aggadot, Warschau 1796, 54 Bl
Torath H. äsäd [Prov. 31,26], Methodologie der die 39 kelalim („Regeln“) der talmudischen Exegese mit Beispielen, Wien 1800, 46 Bl
Zer Zahav [Ex 25,11] zum handelsrechtlichen Kompendium Miqqah. uMimkar des Hai Gaon, in der Edition Wien 1800, 100 Bl
Ša‘are H. åchmah, enthält Šev Šma‘tetha’ Methodologie des Talmudstudiums mit diversen Halachot, Ša‘are Yir’ah 18 Homilien, Prag 1807, 90 Bl
‘Ene ha-‘Edah [Num. 15,24], Edition der Auslegungen von Jesaja da Trani und Isaak Eschwili (RIBaŠ) zum Traktat Qiddušin, Ibn-Migasch zu Baba’ Bathra’ und Nissim Gerondi zu Niddah mit eigenen, wiederum Zer Zahav betitelten Scholien, Prag 1810, 131 Bl
Gutachten in David Caro, Neqam Berith, S. 57, 83-88
Ša‘are De‘ah zu YD, Bd. I Wien 1821, 142 Bl.; Bd. II Zhovkva 1828, 85 Bl
Zichron ’Aharon Kasuistik des h. azaqah-Rechts (durch Nutznießung erworbener Kaufanspruch), Lemberg 1834, 64 Bl
Minh. ath ‘Arev [Ps. 141,2], 30 Homilien, 1911
Pequdath ’El‘azar, Responsen und Talmuderklärungen, Sãtu Mare (Szatmar) 1931, 196 Bl
Get. Mesuddar, zu Git. t. in, Biłogoraj 1932, 161 Bl
Halachische Korrespondenz mit Ezechiel Landau in dessen Noda‘ bIhudah, II, YD 60 (Landau nennt ihn ’ahuvi), 97
Halachische Korrespondenzen mit Moses Sofer, siehe dessen Responsen OH Nr. 13, 186, 223; HM 103; Bd. VI, Nr. 91
Vierzehn Approbationen, datiert aus Pilica 1794, Třeš 1816-19, Liptovský Mikuláš 1821-29, Abaújszántó 1830-36; Löwenstein, Index, S. 53.
Literatur
Nachruf in IA 1841, S. 182: „Die halachischen Werke sind chilukisch-polemischen Inhalts; sie zeugen von dem überaus glänzenden Scharfsinn des Verfassers, halten aber dem Anblick der Kritik nicht aus und fallen von ihrem leisesten Hauche wie Kartenhäuser zusammen. Die aggadischen Werke enthalten mit amüsierenden Gleichnissen und witzigen Einfällen (Halazoth) durchwürzte Deraschoth, wie sie damals beliebt waren, übrigens mehr der Theater-Kritik, als der Homiletik angehörend [...] Dieser merkwürdige Mann liefert einen neuen Beleg, wie selbst die ausgezeichnetsten Geister in den Strudel der allgemeinen Zeitirrthümer hineingerissen werden“
Ignaz Feldmann, „Eleazar Löwi. Eine biographische Skizze“, Ben-Chananja 1859, S. 414
Lazar Münz, Rabbi Eleasar, genannt Schemen Rokeach, Trier 1895
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 759
S. Schnitzer, Jüdische Kulturbilder, 1904, 45f
Greenwald, Yehudim be’Ungaryah, S. 45
Wachstein, Mafteah. ha-häspedim, I, S. 10; II, S. 8
Lazar Münz, Stammtafel des Rabbi Eleasar Löw, Berlin 1926
JL III 1224
Wininger IV 147
Gold (Hrsg.), Judengemeinden Mährens, 1929, S. 542f
EJ dt. X 1135f
A. Klein in Nah. alath S. evi 7 (1937), S. 139-147
M. M. Glueck (Hrsg.), Zichron ’El‘azar, 1937, Einleitg. S. 7-18