Geb. 22. Mai 1811 in Černá Hora (Schwarzenberg) bei Boskovice in Mähren,
Gest. 13. Okt. 1875 in Szeged (Szegedin), Ungarn
Aus Rabbinerfamilie, Privatstunden in hebr., dt. und tschechischer Sprache, mit 11 J. Talmudunterricht, mit 12 J. auf die Jeschiwot von Joachim Deutschmann in Třebíč (Trebitsch) und Kolín, 1830 zu Baruch Teomim-Frankel in Lipník (Leipnik) und Moses Perls in Eisenstadt. 1831 Hauslehrer in Prostìjov (Proßnitz), 1835 hebr. Schullehrer, von Löb Schwab gefördert, 1835-39 wissensch. Ausb. bei Schedius in Pest, am evang. Lyzeum Preßburg, an der Univ. Wien, schließt mit Staatsexamen für das Lehramt ab (IA 1840, S. 118)
Ordinationen von Löb Schwab, dessen Tochter er später heiratet, von S. J. Rapoport und von Aron Chorin, für dessen Reformprogramm er 1839 wirbt. 1840 Rb. in Nagykanizsa (Groß-Kanischa), predigt 1844 als erster Rb. in der soeben erlernten ungarischen Landessprache. Ab 1845 Artikel in der Pesti Hirlap. Anhänger der konservativen „Theologen- Versammlung“ (1846) Z. Frankels. 6. Aug. 1846 Rb. in Pápa bei energischem Widerstand der Orthodoxen. 1848 auf Seiten der ungar. Revolutionäre Armeeseelsorger an der Drau, auf Denunzierung der Orthodoxen als polit. Verdächtiger in Haft. 10. Dez. 1850 Oberrb. in Szeged, zugleich isr. Bezirks-Schulaufseher im Csongrader Komitat. Lehnt Berufungen nach Lemberg (1853), Brünn (1856) und an die Berliner Reformgemeinde (1860) ab. Hrsg. der deutschsprachigen Zeitschrift Ben-Chananja (1858-67), Mitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG 1859, S. 330, Nr. 527). Vater des Orientalisten Immanuel Löw.
Manuskripte
Nachlaß in der JNUL Jerusalem, Arch. 4° 794; Korrespondenz an und über ihn hrsg. v. Fülüp Grünwald, „Levelek Löw Lipóthoz és Löw Lipótról“, in Semitic Studies in Memory of Immanuel Löw, 1947.
Publikationen
„Die Reform des rabbinischen Ritus auf rabbinischem Standpunkte“, Einleitung zu Aron Chorin, Yäläd Zequnim, Wien 1839
Rede vor der Einweihung des neuen isr. Schulhauses zu Gross-Kanische ... am 31. Dezember 1842, Wien 1843
Die Theilnahme treuer Unterthanen am Geburtsfeste ihres Fürsten. Rede am Geburtsfeste Sr. Maj. Ferdinand I., Warasdin 1843
Rede am Grabe der sel. Frau Kela Pollak, Warasdin 1843
Mitarbeiter der Zschr. Der Orient (1844- 49)
Jesájás korunk tanítója. Zsinagogiai beszéd, mellyet hazánk kegyes atyja legkegyelmesebb királyunk V. Ferdinand õ felségének születés napján, Buda 1845, 33 S
Alle Hilfe kommt von Gott. Predigt, bei der Feier der Wiedergenesung Seiner K. Hoheit des Durchlauchtigsten Erzherzogs Joseph, Pápa 1846, 30 S
Das Vermächtniss, das der hochselige Reichs-Palatin im Leben und im Sterben hinterlassen, Predigt, Pápa 1847
A magyar zsinagóga. Felvilágosodott világosság, tiszta erkölcsiség és buzgó hazafiság az izraeliták közti elterjesztésére kiada Löv Lipót, Pápa 1847, 88 S
Jeremiás prófétának négy aranyszabálya a valódi hazafiságról. Zsinagógai beszéd, melly felséges királyunk születés napján, Pápa 1847
Die heiligen Lehrer der Vorzeit, Antrittspredigt, Szegedin 1850
Die göttliche Offenbarung des 18ten Februar’s. Feierlicher Gottesdienst, aus Anlass der glücklichen Rettung seiner geheiligten Majestät des Kaisers, Szegedin 1853
Trauerrede, gehalten beim Leichenbegängnisse der Frau Babette Deutsch, Szeged 1854
Ha- Mafteah. . Praktische Einleitung in die heilige Schrift und Geschichte der Schriftauslegung. Ein Lehrbuch für die reifere Jugend, ein Handbuch für Gebildete, Bd. I: Allgemeine Einleitung und Geschichte der Schriftauslegung, Nagykanizsa 1855
Die Schulfahne. Vorfeier des Kaiserfestes, Pest 1857
Hrsg. der Zschr. Ben-Chananja: Monatsschrift für jüdische Theologie, erste Lieferung im Jan. 1858 (AZJ 1858, S. 9f)
Die große Synode, ihr Ursprung und ihre Wirkungen. Historischer Versuch über das erste Jahrhundert des Talmudismus, 1859
Sámuel próféta és Széchenyi István történelmi párhuzamban, Szegedin 1860
Die Emanzipation der Juden. Rede, gehalten bei Gelegenheit der Einweihung der neuerbauten Synagoge zu Semlin, Szegedin 1863, 22 S
‘Es. H. ayyim. Az élet fája. Klauzál Gábor fölött a Szegedi zsinagógában, Szegedin 1866
Az Isten feloldá bilincseimet! Homilia, melylyel az egyenjogositási törvényt a szegedi zsinagógában, Pest 1868
A közjó kútforrásai. Zsinagogai beszéd, melyet az egyenjositási törveny ünneplésére, Pest 1868
Graphische Requisiten und Erzeugnisse bei den Juden, 2 Bde. Leipzig 1870-71
Jüdische Dogmen: Offenes Sendschreiben an Dr. Ign. Hirschler, Eigenthümer der „Izraelita Közlöny“, Pest 1871
Das neueste Stadium der ungarisch-jüdischen Organisationsfrage. Offenes Sendschreiben an den Herrn Dr. Ign. Hirschler, Szegedin 1871
Der jüdische Kongreß in Ungarn, historisch beleuchtet. Beitrag zur allgemeinen Rechts-, Religions- und Kulturgeschichte, Pest 1871; enthält eine „Geschichte der Juden in Ungarn 1790-1870“, deren 2. Ausg. u. d. T. Zur neueren Geschichte der Juden in Ungarn, 1874
Die Lebensalter in der jüdischen Literatur. Vom philosophischen, rechts-, sitten- und religionsgeschichtlichen Standpunkte betrachtet, Szegedin 1875
HÖAAJH, Bd. II, Nr. 6411. Werkausg. Gesammelte Schriften, hrsg. von seinem Sohn Immanuel Löw, 5 Bde., Szeged 1889- 1900.
Bildmaterialien
JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis).
Literatur
IA 1840, S. 118, als cand. phil
AZJ 1841, S. 264: „Hr. Löw, ein Schüler mehrerer rabbinischer Heroen, besitzt viel talmudischen Scharfsinn, große Kenntniß und Belesenheit in hebräischer Sprache und Literatur - hat schulenmäßig die Studien der klassischen Sprachen und der Philosophie absolvirt - spricht geläufig französisch und hat musikalische Kenntnisse. Ein stattlich jugendliches Aeußeres, eine kraft- und anmuthsvolle Stimme nebst dem Besitze eines klassischen Styles und lebhaften Vortrages vollenden den Kranz seiner seltnen Eigenschaften“; allein „mehr natürliche Wärme und geistliche Popularität“ wären ihm zu wünschen. Nebst L. Schwab in Pest und A. Chorin in Arad sei er der dritte aufgeklärte Rabbiner Ungarns
AZJ 1844, S. 21f, Lob seiner Arbeit
AZJ 1846, S. 394, 512; Orient 1846, S. 219f: Bewerbung und Amtseinsetzung in Pápa, Wahlsieg gegen M. Zipser in Fejér (Weißenburg) und J. Steinhard in Arad
AZJ 1846, S. 618, Rückblick auf Leistungen in Nagykanizsa
AZJ 1846, S. 713, Opposition der Orthodoxen: „Sie können dem Oberrabbiner Löw nicht verzeihen, daß er die philosophischen Studien schulenmäßig absolvirte!“
AZJ 1846, S. 745-747; 1847, S. 106-107, 246, 480-482, Front der ungar. Rabbiner gegen L. und seine Gesinnungsgenossen
AZJ 1848, S. 565, ordiniert bayer. Rabbinatskandidaten der Reformrichtung
Orient 1848, S. 264, im Revolutionskampf
AZJ 1850, S. 44, neue Rabbinerintrigen gegen ihn
AZJ 1850, S. 645, Verfolgung unter der Reaktion gemeinsam mit den Rb. Schwab, I. Einhorn, Schiller-Szinessy und M. Brück
AZJ 1851, S. 29, 488, 580; Orient 1850, S. 176; 1851, S. 16, Amtsantritt in Szeged
AZJ 1852, S. 6, Beratungen mit Schwab, Zipser und Freyer in Buda (Ofen)
AZJ 1856, S. 696
AZJ 1858, S. 176, Ernennung zum isr. Bezirksschulen-Aufseher; erstmals in Ungarn wurden isr. Schulen von staatlicher Seite unter Aufsicht eines Rabbiners gestellt
AZJ 1858, S. 278, im Gespräch für das Oberrt. in Pest
AZJ 1858, S. 590, Hildesheimer versagt ihm in seiner Polemik die Anrede als Rabbiner
AZJ 1861, S. 246f, Berufung zur Konferenz über die Judenemanzipationsfrage unter Leitung des Grafen Eduard Karolyi
AZJ 1862, S. 199, Polemik mit protestantischen Judenfeinden
AZJ 1863, S. 585, in Pest Arbeit an Bibelübersetzung
AZJ 1864, S. 580, vom Szegediner Militärgericht zu zweiwöchiger Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt
Abraham Hochmuth, „Das provisorische Ehegesetz der Israeliten Ungarns“, Neuzeit 1864, S. 28f
Ehrentheil, Jüdische Charakterbilder, 1867
AZJ 1867, S. 794, Arbeiten zur Geschichte der ungar. Juden
AZJ 1868, S. 500, Festpredigt bei der Emanzipationsfeier in Pest
Friedländer, Geschichtsbilder, Bd. II, S. 148 Anm. gibt die Verteidigung seiner Frau vor dem Kriegsgericht 1849 wieder: „Ein Mann wie der meinige, dessen Lebenselement die Kinderschule und die Kanzel ist, der seine Stunden der Erholung in seiner Bibliothek zubringt, den außer dem Wohle und dem Gedeihen seiner zahlreichen Familie nur noch das Bestreben erfüllt, seine Glaubensgenossen zu guten und nützlichen Bürgern zu bilden: ein solcher Mann kann von der ihn umgebenden Rotte der Niedrigsten und Verworfensten nicht anders als gehaßt und verfolgt werden!“
Abraham Hochmuth, L. L. als Theologe, Historiker und Publizist, Leipzig 1871
Julius David, Denkrede auf Ober-Rabbiner L. L. und Eduard Horn, Preßburg 1875
Kayserling, Gedenkblätter, S. 51
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 823, 851, 855f, 867f
JE VIII 192, mit Bildnis
W. Bacher, in Magyar Izrael 4 (1911), S. 90- 97
W. N. Loew, L. L.: A Biography, 1912
JL III 1225f, mit Bildnis
Gold (Hrsg.), Judengemeinden Mährens, 1929, S. 499 (Bildnis)
Wininger IV 149f
EJ dt. X 1138f
EJ eng. XI 444f, mit Bildnis
Meyer, Response to Modernity, S. 162, 196, 209
Katz, Halachah bemes. ar, S. S. 263-267
György Szabad, „Biblische Berufungen im Argumentsystem der jüdischen Assimilation in Ungarn im Reformzeitalter“, Annales Universitatis Scientiarum Budapestinensis: Sectio Historica 26 (1993), S. 155-162
Katz, Ha-qära‘ šä-lo’ nit’ah. ah, Register
DBE VI 449
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 74, 182, 208
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 93, 165, 331, 534, 559, 665, 668, 689, 691.