Sein Vater Arje-Leibusch b. Chajim Breslau, bürgerlich Levi Heyman, war Rb. in Emden und Rotterdam. L. geht aus den Niederlanden zum Studium nach Rawicz (Rawitsch) in Großpolen und wird unter der preußischen Herrschaft Rb. in Miêdzyrzecz (Meseritz). Nach der französischen Annexion Norddeutschlands 1812 Wahl in Emden zum Konsistorial-Oberrb. der Départements Ems Supérieur und Ems Oriental (3.705 Juden), berufen am 10. Juli 1813
konnte das Amt allerdings erst nach dem Krieg antreten, als der Sprengel nur mehr das Emdener Ortsrt. umfaßte. Nach dem Tod des letzten Auricher Rb. wird er am 30. Apr. 1827 von der Regierung zum Landesrb. für Ostfriesland mit einem Gehalt von 772 Tl. eingesetzt. Reist 1834 nach England und in die Niederlande, um für den Wiederaufbau der Emdener Synagoge zu sammeln.
Dokumente
Die Comunidad Ashkenazí de México besitzt ein Expl. des Deuteronomiums Frankfurt/ Oder 1746, mit der Inschrift „Dieses Buch geheret an den Juden Abraham Loewenstam aus Rotterdam jetze wohnhaftig in Rawitsch“; L. erwarb es von zwei Talmudstudenten
AN Paris, F 19, Nr. 1788, vom 16. Juli 1813 über seine Wahl in Emden; Gegenkandidaten waren Akiba Victor [Wertheimer] in Lübeck und Abraham Isaac Dektien [Tiktin/van Deen] in Leeuwarden
CAHJP Jerusalem, AHW 543a, Teil II, Bl. 141-145, Polemik mit Chacham Bernays in Hamburg, Dez. 1821
StA Aurich, Rep. 15, Nr. 12.495, 12.509, Personalakten
Ebd., Rep. 42 Nr. 1468 Wahl und Anstellung als Orts-, dann Landesrb., 1820-1839
Ebd., Rep. 15, Nr. 12510 Befugnisse des Landrb. 1832-1841
Ebd., Rep. 15, Nr. 12512, sein Sohn Levi L. in Aurich wünscht provis. Verwaltung des Amtes, 1839
StadtA Emden, III 148, 150, 544, Personalakten.
Manuskripte
Einweihungsrede für die neue Emdener Synagoge, 1837; StadtA Emden C 25 Loe (Handschrift „Kunst“); siehe Jan Lokers, Die Juden in Emden 1530-1806, Aurich 1990, S. 26 Anm.
Publikationen
Dank- und Erbauungs-Predigt an dem, auf Höchsten Königl. Befehl zum religiösen Danktage bestimmten 22. Juni 1817, wegen dem durch die Alliirten am 18ten Juny 1816 erhaltenen glorreichen Sieg von Waterloo, gehalten in der Synagoge zu Emden, und in die deutsche Sprache übertragen, Emden 1817
Qodäš Hillulim [Lev. 19,24] über die Antworten Hillels an die drei Proselyten bzgl. Unsterblichkeit der Seele, schriftlicher und mündlicher Offenbarung, Amsterdam 1819, 86 Bl
S. eror ha-H. ayyim [1. Sam. 25,29] Neun Gutachten über den Hamburger Tempel, Amsterdam 1820, 94 Bl
Ha-Talmudi ba’ašär hu’. Der Talmudist wie er ist, oder, Wir sind alle Menschen. In 6 Abschnitten: 1. Quellen gegenseitiger Disharmonie zwischen beiden Nationen; 2. Verhältniss des Judenthums zum Heidenthume; 3. von zwei bei den Israeliten stattgefundenen Gerichtshöfen; 4. einige gegen Moses und den Talmud gehegte Vorurtheile abzuwenden; 5. die Wucherfrage; 6. Verhältniss der Israeliten gegen die Christen, Emden 1822
Rede bei Gelegenheit der Anordnung öffentlicher Gebete nach den großen Sturmfluthen am 3. und 4. Februar 1825, Emden 1825
Mizmor Šir H. anukkath ha-Bayith. Ordnung und Gesänge bei der auf den 19. August bestimmten Einweihung der neuerbauten Synagoge zu Emden, Hannover 1836, 32 S
Reden bei der am 19ten August 1836 stattgehabten Einweihung der neuen Synagoge zu Emden, 1837 (beide Schriften reproduziert in der Broschüre Die Synagoge zu Emden 1834-1938. Texte und Dokumente)
Drei Approbationen, datiert Miêdzyrzecz 1811, Emden 1822 und 1834; Löwenstein, Index, S. 121.
Literatur
Subskribent der Fürther Talmudausgabe (1832); darin als „Gaon“ betitelt
AZJ 1841, S. 612
Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, Sp. 699
Kayserling, Jüdische Kanzelredner I 413
Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 12
Zeitlin, Bibliotheca, S. 216
EJ dt. X 1147
Max Markreich, „Das Memorbuch der Judengemeinde in Emden“, Jahrbuch für die jüdischen Gemeinden Schleswig- Holsteins 5 (1933/34), S. 30
Asaria, Juden in Niedersachsen, S. 225, 248
Meyer, Response to Modernity, S. 59
Wolf Valk, „Die Geschichte der jüd. Gem. Emden“, in Marianne und Reinhard Claudi, Die wir verloren haben. Lebensgeschichte Emder Juden, 2. Aufl. Aurich 1991