Sohn des Joseph L., Jeschiwot in Bruchsal bei Pelta Epstein, 1813 in Karlsruhe bei Ascher Löw und bei Aron Ettlinger an der Klaus, 1816 in Mainz bei Herz Scheuer, 1820 in Hanau bei Moses Sontheim, 1825 in Würzburg bei Abraham Bing. WS 1825 und SS 1826 imm. Würzburg, 1829 Bezirksrb. in Gailingen
12. Aug. 1829 Heirat mit Regina Ettlinger (geb. 1806). Neuorthodox, unterzeichnet 1844 den Protestbrief gegen die Rb.-Versammlung und 1864 die Stellungnahme der Strengorthodoxen im Kompert-Prozeß
gehörte zu den Korrespondenten des Wundertäters Seckel Wormser in Michelstadt. Bewerber in Emden (1847), 1851 Bezirksrb. in Tauberbischofsheim „mit der Verbindlichkeit, den israelitischen Schülern der höheren Klassen der gelehrten Schule am Sitze des Rabbinats unentgeltlichen Religionsunterricht zu ertheilen“ (GLA Karlsruhe, 380/73, 5. Dez. 1850), woraus sich eine Jeschiwa für Gymnasiasten entwickelt. In den Jahren 1857-58 und 1859-61 auch Verwalter des Rts. Merchingen. Von seinen zwölf Kindern wurde sein Sohn Leopold L. (1843-1923) orthod. Rb. in Gailingen, Mosbach, Merchingen und Wertheim.
Dokumente
GLA Karlsruhe 380/73 über seine Amtstätigkeit in Tauberbischofsheim, insbes. Finanzierung seiner Wohnung, 1850-1873.
Publikationen
Menorah T. ehorah. Menorah tehorah oder Das reine Judenthum, als Gegenstück des von Dr. M. Creizenach, unter dem Titel Thariag herausgegebenen ersten Theils seines Schulchan Aruch, Schaffhausen 1835, 201 S., provokant dem Oberrat der Israeliten Badens gewidmet, natürlich „ohne vorher eingeholte Erlaubniß“ (Rb. Ephraim Willstätter, WZJT III, 1837, S. 122); gilt als die erste jüdisch-orthodoxe Streitschrift in deutscher Sprache. In der Vorrede S. xiii Kritik am Schweigen der Altorthodoxie in der theologischen Kontroverse („Verzeihet, Ehrwürdige, wenn ich euch hiermit zu nahe trete“), S. xvi Aufruf zur Selbstdarstellung der Gesetzestreuen. „Nur ein engerer Verband frommer Rabbinen, als Opposition der Neuerungssüchtigen, unterstützt mit den nöthigen Hülfsmitteln von den, gottlob noch in bedeutender Anzahl vorhandenen, frommen Reichen, wären hinlänglich zur möglichen Erreichung des Zweckes“
Folgt S. 19ff „Erste Abtheilung. Das Wandeln im Lichte des Ewigen, oder die wahre Aufklärung des Israeliten, dargestellt in einer Predigt“, S. 87ff „Zweite Abtheilung. Beleuchtung des von Dr. M. Creizenach herausgegebenen ’Thariag’ oder ’Inbegriff der mosaischen Vorschriften nach talmudischer Interpretation’„
Über die Fortbildung des Judentums und die erste Rabbinerversammlung, AZJ 1844, S. 489-494
„An die Reformations-Stürmer in Israel“, TZW 1845, S. 193-196, 203f, 211-213
„Auszüge aus einer Predigt“, TZW 1846, S. 91f, 101f
„Über ernstes Bibel-Studium. Mit besonderer Rücksichtsnahme auf den Bibel-Unterricht in den jüdischen Schulen“, TZW 1846, S. 117f, 125f, 131, 139f, 154f
„Gerechtigkeit lehrt uns die große Schule der neuesten Zeitereignisse. Aus einer Predigt zur Würdigung der gegenwärtigen Bestrebungen Deutschlands vom israelitischen Standpunkte, gehalten Gailingen Sabbath Sachor 5608 (18. März 1848)“, TZW 1848, S. 121-123, 131-133, mit Verherrlichung der Revolution: Die Stimme des Volkes sei die Stimme Gottes, die Bundesflagge vergegenwärtige schwarz die Vergangenheit Israels, rot seine Sünden und golden die messianische Verheißung
„Zwei Lieder, verfaßt zur Feier der öffentlichen Prüfung in den Grundbegriffen der isr. Religion. Die drei Zeichen der drei Grundgeschichten. Die Heiligung des göttlichen Namens“, TZW 1850, S. 23, 30f
„Tešuvah be‘inyan melä’chäth šabbath be‘ad Yiœra’el“, Šomer S. iyyon ha-Nä’äman, S. 134; „Be’ur RaŠI P. ‘Eqäv“, ebd., S. 183; „Be’ur ma’amar Pesah. im daf 56: Biqqeš Ya‘aqov legalloth qes. wechu.“, ebd., S. 187-188. Weitere Beiträge zu Jeschurun und Israelit
Eine Approbation, datiert Gailingen 1843; Löwenstein, Index, S. 121.
Literatur
Über die Studienzeit Leop. Löwenstein, Kurpfalz, S. 262; „Hanau“, S. 29, 71-73; „Mergentheim“, S. 82; „Mainz“, S. 237 Anm
L. gehört zu den in der Reformpresse besonders unbeliebten Rabbinern; WZJT 1837, S. 309f., spricht „von der dunklen Flamme dieser Leuchte“; IA 1841, S. 7 wirft ihm Gesinnungsterror vor; INJ 1846, S. 127, schreibt gehässig: „Sie kennen vielleicht das unweit des Bodensees hausende kleine unscheinbare Männchen mit dem Rabbinerbarret, genannt Löwenstein zu Gailingen, den Fabrikanten der ’reinen Lampe’ (Menoruh thehorah). Dieses Lampenmännchen haben nunmehr die Obscuranten in Carlsruhe in Sold genommen“
Über die „Thalmudschule“ in Tauberbischofsheim Jeschurun 1854/55, S. 109, 287; 1855/56, S. 452
AZJ 1860, S. 210f, Kontroverse mit dem Mannheimer Reformrb. Präger
Nachrufe UI 25 (1869/70), S. 63; Israelit 1869, S. 686f, „über Andersdenkende und Andershandelnde urtheilte er stets milde; er beklagte den Unglauben, allein den Ungläubigen verdammte er nicht“
Asaria, Juden in Niedersachsen, S. 257
Uri Kaufmann, „Landjudentum und Emanzipation 1831 bis 1850: ein Gegensatz?“, in: Landjudentum im Süddeutschen und Bodenseeraum, Dornbirn, Vorarlberg 1993, S. 110