Sohn des Mayer Löb b. Samuel Leser Löwi und der Vögele Hanna Adelsdorfer, erster talmud. Unterricht beim Ortsrb. J. S. Wiener, ca. 1815 nach Fürth zur Jeschiwa Wolf Hamburgers, 1824 zum Lyzeum in Bamberg und zwei Jahre Studium dort, 1826 imm. München, 20. Aug. 1827 prom. das. „cum nota profectus prorsus insignis“. 16.-19. Okt. 1827 Staatsprüfung in Ansbach mit Note 2
1. Jan. 1828 Distriktsrb. in Ühlfeld (als erster nach dem Dekret für den Rezatkreis vom Okt. 1826 staatl. geprüfter Rabbiner). 31. Dez. 1830 bestätigt als Oberrb. in Fürth und Heimaterwerb dort, infolge energischer Anfechtung der Wahl durch seine orthod. Gegner erst am 21. März 1831 eingesetzt
versucht sich dort an Kultusreformen. Am 30. Dez. 1831 und 29. Feb. 1832 petitionieren Hamburger und dessen orthod. Anhang für seine Absetzung. 23. Okt. 1838 und 13. Apr. 1839 von der bayer. Regierung zu mehr Mäßigung und Rücksicht auf die Altgläubigen aufgefordert, erhält Verwarnung, Geldstrafe und Verbot des Konfirmierens. Auf Betreiben von Hamburgers orthod. Partei 1842 Absetzung Löwis und Neuwahl, die jedoch mit einem hohen Sieg für L. endet. 23. Aug. 1869 von Ludwig II. mit dem Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens vom hl. Michael dekoriert. Mit seiner Frau Rosalie Kohn (geb. 11. Feb. 1804 in Markt Erlbach, gest. 23. Nov. 1882 in Stuttgart) hatte er sechs Kinder, von denen drei in die USA auswanderten. Aus Altersgründen läßt er sich seit Jan. 1871 von dem Substituten Jakob Immanuel Neubürger (1847-1922) vertreten, welcher ihm im Amt folgt.
Dissertation
Worin besteht und wie äußert sich der wissenschaftliche Geist? Eine philosophische Frage / De philosophia Cabbalistica, Diss. München 1827.
Dokumente
StadtA Fürth, Familienbogen „Dr. Löwi, Isaak“, zur Familie
StadtA Fürth, Fach 28, Nr. 4, Bl. 25, vom 31. Okt. 1827, Prüfungsbericht aus Ansbach
Über Amtsverhältnisse in Ühlfeld: StA Nürnberg, Rep. 212/11, Nr. 433 Gehaltserhöhung des Distriktsrabbiners Dr. Löwi, 1829; Nr. 434 Beschwerde gegen Dr. Löwi, 1830
Zur Wahl in Fürth: StadtA Fürth, Fach 23, Nr. 16, und CAHJP Jerusalem D/Fu1, Nr. 108 Korrespondenz wegen Besetzung der Rabbinerstelle, Bewerbungen, 1829-30; Nr. 110 Wahl und Aufnahme Dr. Löwi, 1830-31
Zu den Amtsverhältnissen in Fürth CAHJP Jerusalem D/Fu1, Nr. 104 Gebühren für relig. Handlungen, 1829-1838, 1876; Nr. 106 Teuerungszulagen, 1854-1855; Nr. 109 Personalia, 1835-73; Nr. 111 Accidentien, 1832-35, 1851; Nr. 113 Erhöhung der Einkünfte, 1861-1862; Nr. 114 Substituierung, 1863, 1868, 1871; Nr. 519-520 Circular und Korrespondenz wg. Gleichstellung der Rb. mit den Pfarrern und Befreiung der Rabbinerkandidaten vom Militärdienst, 1871-72
Prozesse der Orthodoxen gegen ihn: CAHJP Jerusalem, D/Wu1/1, vom 13. März 1836, langes Gutachten von Oberrb. Abraham Bing (Würzburg) über seine zweifelhafte Orthodoxie; ebd. D/Fu1, Nr. 517 Beschwerden gegen Dr. Löwi, 1831-1839; Nr. 518 Gesuch des Wolf Lippman Hamburger u. Consorten wegen Anstellung eines 2. Rb., 1844-47, 1873; StadtA Fürth, Fach 23 Nr. 7 (1831), 13 (1832, 2 Bde.), 14 (1839, 3 Bde.) und 17 (1845), Klagen und Prozesse gegen Dr. Löwi, 8 Bde.; StA Nürnberg RA 1932, Titel „Judensachen“, Nr. 173 Rt. Fürth, 2 Bde., 1829-1857; Nr. 174 Untersuchung gegen Rb. Dr. Löwi, 1841; RA 1968, Titel „Judensachen“, Nr. 13 Rb. Dr. Löwi, 1841-1869; HStA München, MK Nr. 788-790 Rabbiner in Fürth, insbes. Beschwerden gegen Dr. Löwi, 3 Bde., 1821-1839 (Kriegsverlust)
CAHJP Jerusalem, D/Ba17a/3, sehr formeller Brief an Rabbiner S. W. Rosenfeld in einer Trauungsangelegenheit, 15. März 1843
War für das Berliner Rt. im Gespräch; siehe ¯IH Warschau, „Berlin“ 4, vom 7. Nov. 1837, „ungeachtet einiger mir bekannter Einwendungen“ empfiehlt I. M. Jost dem Berliner Vorstand „den überaus tüchtigen, erfahrenen und fleißigen, besonders aber höchst liebenswürdigen Dr. Lövy zu Fürth“, welcher „alle Partheyen befriedigen, und die Regierung an ihm einen warmen Vertreter der jüdischen Gemeinde schätzen würde“. Am 4. Febr. 1838 teilt I. M. Jost mit, L. habe „in den freundlichsten und schönsten Ausdrücken den Vorschlag zur Uebernehmung des Berliner Rabbinates entschieden abgelehnt“.
Manuskripte
Bewerbungsschreiben im StA Bamberg, K3 C3 Nr. 35, fol. 46, vom 9. Mai 1827. L. erinnert daran, daß er unter den bayer. Rabbinatskandidaten als erster die gesetzlich vorgeschriebenen gymn. u. akad. Studien rite erbracht habe. L. strebt nach Religionsreformen, „die den Baum von schädlichen Insekten zwar [zu] reinigen, des nachtheiligen Aus- und Wildwuchses zu entlasten imstande sind, aber ohne dadurch die Wurzel beschädigen zu müssen“; er glaubt an die Synthese der „sich zu vereinen bestrebten Sitten u. Gebräuche der alten u. neuen Welt, des Orients u. des Occidents“ (Allerdings behauptet sein Konkurrent Samson Wolf Rosenfeld, L. habe nur „nach einer kurzen Vorbereitung zwei Jahre das Gymnasium und ein Jahr die Universitaet besucht“; CAHJP Jerusalem, D/Ba 17a, 2, vom 23. Januar 1831).
Publikationen
Antritts-Rede. Vorgetragen in der Synagoge zu Mkt. Uehlfeld, Bamberg 1828
Antrittsrede des Herrn Dr. Isaak Löwi bei seiner Installation als Rabbiner zu Fürth, gehalten am 21. März 1831. Nebst der Rede des Wahlkommissairs Herrn Bürgermeisters von Bäumen und einer kurzen Erzählung der bei der Einsetzung stattgehabten Feierlichkeiten, Fürth 1831, 40 S. (phot. Jüd. Museum Franken, S. 34). Am Schluß: „Wir waren genöthigt, die hebr. Citate mit lat. Lettern zu drucken, da der hiesige jüdische Buchdrucker Zirndorfer, stets ein eifriger Gegner der Löwi’schen Wahl, seine hebräischen Lettern zum Drucke dieser wenigen Worte herzugeben sich weigerte“
Predigt zur gottesdienstlichen Eröffnung der Versammlung der israelitischen Abgeordneten des Rezat-Kreises, Ansbach 1836, 27 S
Trauer-Rede auf das Ableben Ihrer Majestät der Königin Therese, 1854
„Die Sünden-Schlingen der Gegenwart. Bußpredigt“, Der israelitische Volkslehrer, Homiletische Beilage 5 (1855), S. 63-78
Fest-Predigt zur fünfzigjährigen Gedenkfeier des deutschen Freiheitssieges, Fürth 1863
Trauerpredigt auf das Ableben Seiner Majestät des Königs Maximilian II., Fürth 1864
Predigten gehalten bei der Einweihung der Haupt-Synagoge in Fürth, Fürth 1865
Gutachten ausländischer Rabbinen, S. 24f, gegen die ungarische Trennungsorthodoxie.
Epigraphik
Sein Grabmonument, ein Obelisk, ist in Fürth erhalten; siehe Barbara Ohm in Heymann (Hrsg.), Kleeblatt und Davidstern, S. 28, und in Spuren jüdischer Vergangenheit in Adelsdorf, S. 106 mit einer schlechten Photographie.
Bildmaterialien
Lithographiertes Bildnis; Jüd. Museum Franken, S. 36.
Literatur
Intelligenzblatt für den Rezatkreis 1827, S. 3741, mit Bestätigung für Ühlfeld vom 7. Dez. 1827
„Die Rabbiwahl zu Fürth“, in: Der Zuschauer an der Pegnitz Nr. 3, Nürnberg, 31. Jan. 1831, S. 20f
Programm zur feierlichen Einsetzung des von der kgl. Regierung des Rezatkreises bestätigten Rabbiners Herrn Dr. Löwi am 18. Januar 1831, o. J
Gesänge zur feyerlichen Einsetzung des Herrn Dr. Löwi zum Rabbiner in Fürth, vorgetragen von der isr. Schuljugend, Fürth 1831
Briefe über den jüdischen Religionsreformator und seinen Anhang. Philaleth an Kriton, Fft./M. o. J. [JNUL S40-B-148]
WZJT 1837, S. 125f, mit dem Ministerialerlaß zu seinen Gunsten vom 18. Feb. 1836
AZJ 26. Dez. 1837
Über den Prozeß AZJ 1838, S. 447f; IA 1839, S. 15, 167f; AZJ 1844, S. 259f; Achawa 1865, S. 122-125
AZJ 1848, S. 193f, Regierung gestattet Orgel; L. predigt ungern
AZJ 1851, S. 545: „Herr Rabbiner Dr. Löwi weiß seine Predigten selten und daher wirksamer zu machen“
AZJ 1852, S. 243, endlich eine gute Predigt
AZJ 1858, S. 644, setzt sich an der Spitze der „strenggläubigen Partei“ erfolgreich für die Erhaltung der „Erubim“ ein, die nach Einführung der Gasbeleuchtung weggefallen waren
AZJ 1859, S. 64, bewirkt Entschließung der Nürnberger Gemeinde zur Einstellung eines Religionslehrers
AZJ 1859, S. 317, S. B. Bamberger in Würzburg erklärt eine vom reformistischen Bet-Din aus Löwi, Lebrecht und Werner vorgenommene Ehescheidung für ungültig
AZJ 1859, S. 349, Dank für anonyme Spende zugunsten der Armen
Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, Sp. 1630
AZJ 1862, S. 139, setzt sich für den Bau eines rituellen Frauenbades ein
AZJ 1866, S. 36: „Noch ärger aber ist das Gebahren der früheren Reformer - und trifft dies namentlich Rabb. Dr. Löwi in Fürth, - welche ihr Nichtsthun, ja ihre Parteinahme für die Hyperorthodoxie geradezu ’religiöse Freiheit’ nennen, die man vor Allem schützen müsse. Löwi ist in Fürth die beliebteste Persönlichkeit bei den Alten“
Jost, Geschichte der Israeliten, X,1, S. 145
Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 271-277
Reden bei der Beerdigung des Herrn Dr. I. L., Fürth 1874
Nachruf in der AZJ 1874, S. 44f
UI 29 (1873/74), S. 318. „C’était un des premiers réformateurs juifs d’Allemagne“
Hugo Barbeck, Geschichte der Juden in Nürnberg und Fürth, Nürnberg 1878, S. 89f
Friedrich Marx, Fürth in Vergangenheit und Gegenwart, Fürth 1887, S. 103f, 469f
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 805
B. Ziemlich, Die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg, Nürnberg 1900
JE VIII 196, mit Todesdatum 26. Dez
JL III 1235, mit Geburtsdatum 1763
Wininger VII 275, ebenso
„Zum Andenken an Dr. I. L.“ BIGZ 1931, S. 73
Siegfred Behrens, „Doktor I. L., Oberrabbiner zu Fürth. Ein Gedenkwort an seine Amtseinführung“, Nürnberg-Fürther Israelitisches Gemeindeblatt 1931, S. 111-113
Siegfried Behrens, „Zum Gedenken an Dr. I. L., Oberrabbiner zu Fürth“, Nürnberg-Fürther Israelitisches Gemeindeblatt 1938/39: Rosch-Haschonoh 5699, S. 11-14
PK Bavaria, S. 264, 323, 345-347: „Die starke Persönlichkeit und das erzieherische Wirken Dr. Löwis prägten der Gemeinde während seiner mehr als vierzigjährigen Amtszeit sein Siegel auf“
Doktoren und Dissertationen der Universität Ingolstadt-Landshut-München, Bd. VII, S. 22
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. XI (1983), S. 39, Nr. 972
Wiesemann, „Rabbiner“, S. 280
Barbara Ohm, „Hochgeachtet und vielgeliebt: Der Rabbiner Dr. I. L.“, in: Heymann (Hrsg.), Kleeblatt und Davidstern, 1990, S. 99-111
Claudia Prestel, „Zwischen Tradition und Moderne: die Armenpolitik der jüd. Gemeinde zu Fürth (1826-1870)“, Tel-Aviver Jb. für dt. Geschichte 20 (1991), S. 135-162; über L.s gescheiterte Bemühungen zur Verbesserung der Stellung unehelicher Kinder
Johann Fleischmann, „Isaak und Simon Loewi, zwei erfolgreiche Adelsdorfer Söhne“ und Barbara Ohm, „Ein offener Geist aus kleinen Verhältnissen: Der Reformrabbiner Isaak Loewi aus Adelsdorf“, in: Spuren jüdischer Vergangenheit in Adelsdorf, S. 93-95 und 96- 107
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 177f
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 92, 388f, 409f, 414, 425, 433, 446, 485, 612, 626, 636f.