Aus Rabbinerfamilie, Sohn des Rb. Jechiel-Michael Weisser und der Simzia, mit sechs Jahren vom Vater verwaist, Unterricht beim Stiefvater Rb. Leibele und dem Ortsrb. Moses b. Juda Halevi Horowitz. Als 14jähriger mit einem Mädchen aus reicher Familie verheiratet und kurze Zeit später geschieden
Aufenthalt in Warschau zu Studien an der dortigen Jeschiwa des Arje-Leibusch Zinz
in die Kabbala eingeführt bei dem chassidischen Meister Hirsch Eichenstein (1785-1831), dem Begründer der Dynastie der Zaddikim von Zhydachiv (¯ydaczów), Ostgalizien. 1834 dreijährige Reise als Wanderprediger (Maggid) u. a. nach Topo¾čany (Nagytapolcsány), Mikulov (Nikolsburg), Preßburg, Pápa, Triest, Metz, Amsterdam und Breslau, wo er gegen die Reformer predigt
auf Empfehlung des dortigen Rb. Salman Tiktin 1838 Rb. in Wrzeœnia (Wreschen), Prov. Posen
zweite Ehe mit einer verwitweten Tochter des Vorstehers Feivel Opatschinski in £êczyca (Luntschütz) in Russ.-Großpolen. 17./18. Feb. 1840 Wahl in Kêpno (Kempen)
wird erst nach langem Kampf 1841 auf die mit 450 Tl. Gehalt ausgestattete Stelle berufen. Der als „Kempener Raw“ berühmte Ultraorthodoxe spaltet durch seine Ablehnung des modernen Schulsystems die Gemeinde. Sommer 1858 Berufung zum aschkenasischen Oberrb. in Bukarest, 1864 auf Betreiben der dortigen dt. Reformer gefangengesetzt und ausgewiesen, reist im Zuge der Prozeßführung bis nach Konstantinopel und nach Paris. 1866 Rb. in £êczyca
1869 Rb. in Kherson, Ukraine, 1872 Rb. in Mogilev, Weißrußland, von dortigen Juden unter politischen Verleumdungen wiederum gefangengesetzt und vertrieben. 1876 Rb. der polnischen Gem. von Königsberg, wo die Konflikte mit den dt. Juden sich erneuern. 1879 zum Rabbiner von Wilna gewählt
vom russ. Gouverneur wird die Bestätigung indes verweigert. Einer darauffolgenden Berufung zum Rb. in Kremenchuk, Ukraine, konnte M. nicht mehr folgen
einen Ruf nach New York lehnte er ab.
Dokumente
GStA Berlin, Rep. 76-III, Sekt. 7, Abt. XVI Posen Nr. 1 Bd. V, fol. 8 und 17-19, Bestätigung als Rabbiner in Kempen, 1841. An Kultusminister Eichhorn wird bemerkt, „daß die große Mehrheit der Gemeinde, namentlich die Parthei der Altgläubigen, ganz für ihn gestimmt ist, sich mit Leidenschaft für ihn verwendet“, während eine Minorität einwendet, „daß der Malbim, als ein altgläubiger Talmudist, an der Verbesserung des jüdischen Schulwesens ein Aergerniß nehme, und deshalb nicht nur demselben alle fördernde Theilnahme entsage, sondern auch ihm hindernd entgegentrete“ (Bl. 8, vom 20. Juli 1841). Mit der Begründung, daß M. über das Schulwesen keine Aufsicht zukomme und folglich seine Meinungen zum Thema gleichgültig seien, bestätigt ihn der Minister (Bl. 9, vom 7. Aug. 1841).
Manuskripte
Gutachten über die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden, 10. Juni 1842; GStA Berlin, Rep. 77-XXX, Gen. 117, Beih. 2, fol. 66-79v; Text bei Jehle, Enquêten, Bd. I, S. 219-226
Gutachten zu Kultusfragen der Regierung, 13. Juni 1843, in GStA Berlin, Rep. 77-XXX, ad Nr. 117, Bd. 2, fol. 66-79 (vgl. Orient 1843, S. 86; Heppner und Herzberg, S. 231).
Publikationen
’Ars. oth ha-H. ayyim [Ps. 116,9] zu OH, Bd. I zu §§ 1-24, Breslau 1837, 119 Bl.; erweiterte Neuauflage Warschau 1860; Bd. II zu §§ 25-31 hrsg. von M.s Schwiegersohn Elias Heilperin, Warschau 1861, 41 Bl
Kommentar zu Esther, als erster Teil des 1844 als Reaktion auf die Braunschweiger Rb.-Vers. begonnenen Bibelkommentars, mit dt. Übs., Breslau 1845, 54 Bl., ohne Übs. Königsberg 1863
H. azon Yeša‘yahu [2. Chr. 32,32] zu Jesaja, Krotoszyn 1849
Šire ha-Näfäš zum Hohenlied, Krotoszyn o. J. [1856?], 44 Bl.; Bukarest 1860; [Königsberg 1863]
Ha-Torah weha-Mis. wah zu Leviticus und der Sifra, mit dem methodologischen Vorwort ’Ayyäläth ha-Šah. ar [Ps. 22,1], Bukarest 1860, 250 Bl
Autobiographie in Ha-Levanon 1865
Mašal uMelis. ah, hrsg. Jechiel Brill, Versdialog gegen Heuchelei, Paris 1867, 142 S.; Warschau 1877; 1894; 1902
Kommentar zu Hiob, Budapest 1867
Kommentar zu Daniel, 1868; mit Voraussage der Welterlösung in 60 Jahren
Vollständige Ausgabe des Bibelkommentars Warschau 1874- 1880, und zwar die Bücher des Pentateuch, kommentiert in den letzten fünf Lebensjahren, samt der Megillot unter dem Titel Ha-Torah weha-Mis. wah in 5 Bd. (Leviticus 1875, Genesis 1876, Exodus 1877); die Propheten und Hagiographen unter dem Titel Miqra’e Qodäš in 12 Bd., enthaltend Bd. I Nah. alath Yehošua‘ zu Josua und Šefot. ha-Šofet. im [Ruth 1,1] zu den Richtern, Bd. II Devar Šemu’el [1 Sam. 4,1] zu Samuel; Bd. III Lev Melachim [Prov. 25,3] zu den Königen, Bd. IV Yeme Qädäm zur Chronik, Bd. V H. azon Yeša‘yahu [Jes. 1,1] zu Jesaja, Bd. VI Tochah. ath Yeremiyah zu Jeremia, Bd. VII Mar’eh Yeh. äzqe’l zu Ezechiel, VIII (verdruckt zu IX) Ge’ H. izayyon [Jes. 22,1] zu den Kleinen Propheten, Bd. IX (verdruckt zu VIII) Tefilloth Dawid [Ps. 72,20] zu den Psalmen, Bd. X Musar H. åchmah [Prov. 15, 33] zu den Proverbien, Bd. XI Qäšäth uMagen [2 Chr. 17,17] zu Hiob, Bd. XII Yafeah. la-Qes. [Hab. 2,3] zu Daniel, ‘Aliyyath ‘Ezra’ zu Esra und Läh. äm hafah. ah zu Nehemia. In Separatabdruck erschienen Šire ha-Näfäš zum Hohenlied, Warschau 1877, und Gäza‘ Yišay zu Ruth, Warschau 1879, 25 S
Nachdrucke des ganzen Bibelwerks Wilna 1891-92 und öfter, so Ausg. in 2 Bden. u. d. T. ’Os. ar ha Perušim, Jerusalem 1956, und von Sal. Drillich unter dem Titel Ha-Torah weha-Mis. wah weha-H. innuch, 3 Bde. 1967
’Äräs. H. ämdah, Homilien, Warschau 1882; Wilna 1899. - Ya’ir ’Or über hebräische Synonymik, Warschau 1892, 118 S.; Wilna 1900
Ha-Karmel, hebr. Synonymik, hrsg. von Josef Grünbaum mit einer Biographie, Sziget 1900, 386 Bl
Yesode H. åchmath ha-Higgayon, Logik, redigiert von Arje Leib Gordon, hrsg. Josef Chaim Zabelinski mit Vorwort von Arje-Löb Gordon, Warschau 1900, 104 S
‘Allim litherufah zu den Hilchoth De‘oth des Maimonides, 1904
Yalqut. Šelomoh zum Talmud, hrsg. Salomon Drillich, 1938
Drei Approbationen, datiert Kêpno 1841-1846; Löwenstein, Index, S. 124.
Bildmaterialien
JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis, reproduziert EJ eng. XI 822).
Literatur
Fürst, Bibliotheca Judaica, S. 320
„Verzeichniß der [...] Synagogen-Gemeinden“, 1858, S. 52, für 3.282 Seelen
AZJ 1858, S. 384, 511, 539f, Berufung nach Bukarest
G. J. Rosenthal, „Die Verbannung des Rabbinen Malbim“, AZJ 1864, Beilage zu Nr. 26
S. Sachs in Ha-Levanon 2 (1864), S. 92f, 106f
Lippe 1879/81, S. 307f
Nachrufe Israelit 1879, S. 1079; JP 1879, S. 431-433, danach war er geb. 1810 in £êczyca. „Rabbi Meier Leibusch Malbim trat im siebenundzwanzigsten Jahre als vollendeter Meister der Halacha, ebenbürtig den ersten Autoritäten seiner Zeit, daneben auch als vollständig eingeweiht in die Quellen und die Literatur der Geheimlehre (Kabbalah) sowie endlich mit der Meisterschaft und Classicität in der Handhabung der reinsten biblischen Sprache, in der ihm bis heute kaum Jemand nachkam, vor die staunende sachverständige Mitwelt“
C. H. Brawermann in Kenäsäth Yiœra’el 3 (1886), S. 207-212
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 747, 753
Maggid[-Steinschneider], ‘Ir Wilna’, S. 233
JE VIII 276f, mit Bildnis
Lewin, Lissa, S. 235
Heppner und Herzberg, S. 339, 519, 1011
Josef Meisl, „Der ’Kempener Rav’. Ein Beitrag zur Biographie Malbims“, Jeschurun 12 (1925), S. 112-126
J. Mark, Gedolim fun unzer Tzayt, 1927, S. 147-152
JL III 1343f
Wininger IV 315f, mit Todesjahr 1880
’Os. ar ha-H. ayyim 6 (1930), S. 35-37, 150f; 10 (1934), S. 21-23, 38f
EJ dt. VIII 276f
S. D. Posener, ’Äšäd ha-Nahar, 1932, S. 130-142
S. J. Glicksberg, Ha-Derašah beYiœra’el, 1940, S. 402-407
E. Herbert in Journal of Jewish Bibliography 2 (1940), S. 112-115
D. Druck, Di Meforshim fun der Torah, Bd. III, 1941, S. 164-180
M. D. Haklai in Talpiyyoth 4 (1949/50), S. 364-370
A. Schischa in Talpiyyoth 6 (1953), S. 498-505
J. Mark, Bimeh. is. atham šäl gedole ha-dor, 1957, S. 129-133
Hallah. mi, H. achme Yiœra’el, S. 327f
H. R. Rabinowitz, Deyoqna’oth šäl Daršanim, 1967, S. 336-338
Ezra Zion Melammed, „Šit. ath paršanutho šäl MaLBIM“, Œadeh ‘Ilan 2 (1968), S. 71-82
D. M. Rosen, „Päräq mi-parašath MaLBIM beBuqarest. “, in Haguth ‘Ivrith be’Eropa’, 1969, S. 376-410
J. J. Cohen in Qiryath Sefär, 44 (1969), S. 152f
Z. Tabori, „Ha-MaLBIM, ma’aveqaw wis. irothaw“, ’Or ha-Mizrah. 19 (1970), S. 83-88; auch in Ha-Do’ar 49 (1970), S. 136