Geb. 16. März 1842 in Liptovský Mikuláš (Liptau-St.-Nikolaus), Slowakei,
Gest. 25. Juli 1901 in Baja, Ungarn
Sohn des Bezirks-Oberrabbiners Moses N. und der Eva Simandel-Nicolauer aus Baja, väterlicherseits Enkel des Jonathan Nascher, Rb. in Bielsko (Bielitz), Österr.-Schlesien, mütterlicherseits des Beer Simandel-Nicolauer, Rb. in Liptovský Mikuláš
20. Nov. 1861 imm. Breslau und Studium am Jüdisch-theologischen Seminar. 1865 Abgang vom Seminar
1866 „israelitischer Geistlicher“ des orthod. Synagogenvereins „Schochore Hatow“ in Berlin
15. Feb. 1867 prom. Leipzig und Beitritt zur Dt. Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG 1867, Nr. 677). Predigten am Tempel Neue Friedrichsstr. 22/23 und an den Feiertagen im Arminssaal, Unter den Linden. 1878 Rb. der Berliner Kultusgemeinde
zieht sich später nach Baja zurück.
Dissertation
Der Gaon Haja und seine geistige Thätigkeit. Ein Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der semitischen Sprachforschung, Diss. Leipzig 1867.
Dokumente
AU Wrocław, F 434, S. 131, Matrikeleintrag
UA Leipzig, Pro-Cancellar-Buch der Philosophischen Fakultät, B 128a, S. 245, Promotionseintrag
CJA Berlin, 1, 75 A Be 2 Nr. 17: Berlin: „Oberrabbiner Prof. Dr. S. Nascher 1876-1890 (geistesgestört)“.
Publikationen
Worte des Dankes, gehalten von dem 18jährigen Rabbinatscandidaten Simon Nascher zu Baja, bei Gelegenheit der Erlangung der Morenu, Pest 1860
Gottesdienstlicher Vortrag, am 1. Pessach-Feiertag zu Szegsard gehalten, Pest 1860
„Über jüdische Kanzel-Exegese“, Ben Chananja 1860, S. 500ff, 818ff, 531ff
Unsere Richtung: Glauben ist Denken, Berlin 1860
Die Sentenz bei Juden und Arabern. Eine vergleichende Studie, Berlin 1868
Redigiert 1870 die Wochenschrift Berliner Zeitung des Judentums, nur ein Jahrg. erschienen
Grabrede beim Tode des sel. Nathan in Rathenow, 1871
Einfluß der deutschen Philosophie auf die Volksbildung, Berlin 1872
Wissenschaftliche Vorträge über Kunst und Philosophie: 1. Moralische Wirkung der Kunst, 2. Faust von Goethe und Lenau, 3. Philosophie und Volksbildung, Berlin 1875
Das Judentum der Aufklärung. Reden für die Gebildeten aller Confessionen, Magdeburg 1876 (Behandelt in sechs Reden Gottesdienst, Sittlichkeitsprinzip, Lehrgehalt, Gemeinwesen, Soziale Stellung und Religiöse Aufgabe)
Die jüdische Gemeinde in ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Reden für Freunde religiöser Cultur und Freiheit, Berlin 1877 (begrüßt das Austrittsgesetz; Neuzeit 1878: „Der Verfasser redet nämlich der Decentralisation der Judenschaften und der Zerreißung in Betconventikel das Wort“)
Franz Deak, Gedächtnissrede, Berlin 1877
Moses Naschér, Oberrabbiner in Baja. Eine exegetische Monographie, Berlin 1879
Vier Momente. Gottesdienstliche Rede zur Feier 25jähr. Stiftung der Gemeinde Schochare Hattob in Berlin, Berlin 1880
„Der Gaon von Wilna als talmudischer Forscher“, Lbl XXII, S. 56ff, 73ff, 81ff, 100ff
„Psychiatrisches in der Bibel“, AZJ 1898, S. 356f.
Literatur
Israelit 1868, S. 364
Nach A. Goldberg, Ueber Entstehung und Bedeutung des Morenu- Titels, Berlin o. J. [ca. 1870], S. 6, „ist es Stadtgespräch, daß sich Dr. Nascher in gesellschaftlichem Umgange nicht so benimmt, wie es der Stelle und Würde eines Rabbiners geziemt. Ich will jedoch nur constatiren, daß ich den auf der Kanzel heiligen Eifer sprühenden Prediger, ebenso feurig, eine Dame im Tanze umschlingend, zu bewundern Gelegenheit hatte (und rawaq ha-dar bichrach ist)“
Lippe 1879/81, S. 342f, mit Geburtsdatum 16. Mz. 1841
Brann, Jüd.-theol. Seminar, S. 183
AZJ vom 16. Sept. 1898, 16. Febr. 1900, 14. Mai 1900 und 2. Aug. 1901