BHR Biographisches Portal der Rabbiner

OTTENSOSER, Lazarus, „Reb Elosor“

  • Geb. Vortag Sukkot 5559/1798 in Weimarschmieden bei Mellrichstadt,
  • Gest. 12. Sept. 1876 in Höchberg bei Würzburg
  • Sohn des Lehrers-Vorbeters Naphtali O. und der Edel, ergreift nach der Volksschule zunächst den Hausierberuf, wird Privatlehrer und Schächter in Scheinfeld, betreibt Talmudstudien daselbst bei Rabbi Kusel, wird dann Schüler von Wolf Hamburger an der Jeschiwa in Fürth, 1821 Vorsänger, Schächter und Unterrb. (moreh s. ädäq) in Aub, heiratet Hinele (1787-1872), eine Tochter seines Scheinfelder Lehrers. Seit März 1829 mit gleichen Funktionen in Höchberg, sammelt Bachurim um sich, denen er morgens und abends Unterricht hält
  • koordiniert auch die Palästinahilfe. 1834 staatl. Lehrerprüfung, erhält eine rabb. Ordination von Abr. Bing aus Würzburg und wird Ortsrabbiner unter Niederlegung des Vorsänger- und Schächteramts, führt seit 1841 eine ständige Jeschiwa. Als diese sich zur Revolutionszeit auflöst, lernt er bei S. B. Bamberger in Würzburg weiter und gründet ca. 1853 seine Talmud-Tora-Schule erneut. Stellt nach 1856 einen zweiten (1867 einen dritten) Talmudlehrer an und bildet seither gezielt Lehramts- und Rabbinatskandidaten aus. 27. Juli 1861 Genehmigung der Talmud-Tora-Schule als privates Religionslehrerseminar. Im Kompert-Prozeß zeichnet er auf Seiten der ungarischen Trennungsorthodoxie. 17. Oktober 1872 gibt er seinem Institut Statuten
  • sein Nachfolger ist Jacob Ehrenreich.

Dokumente

  • CAHJP Jerusalem, D/Wu1/2, Bd. II, S. 75, Bings Kopialbuch attestiert unter dem 3. März 1829 die frühere Prüfung von Laz. Ottensoser aus Kleineibstadt (23. Aug. 1821) und seine Anstellung als moreh s. ädäq in Aub
  • CJA Berlin, 1, 75 A Ho 1 Nr. 1, Beziehungen zum Distriktrabbiner in Würzburg 1840-52
  • Ebd., Nr. 2, Anstellung als More-Zedek, darin fol. 3f Vertrag in Höchberg vom 20. Nov. 1828; die Stelle soll nach dem 1. Mai 1829 zu einer unbefristeten werden.

Publikationen

  • Hebr. Gutachten gegen die Rb.-Vers. in Torath ha-Qena’uth, Amsterdam 1845, Nr. XII, Bl. 13v, gez. „Elieser Dov ben Naftali, Höchberg“.

Epigraphik

  • Bar-Giora Bamberger, Höchberg, S. 342, 359.

Literatur

  • Lippe 1879/81, S. 357
  • Nathan Eschwege, Leben und Wirken des Rabbiners Lazarus Ottensooser, Höchberg 1895
  • JE IX 445
  • Kohler, „Personal Reminiscences“, S. 472f. „Ottensosser, however, though also a pupil of Wolf Hamburger, was more of a mystic than a scholar“
  • Wininger gibt als Todesdatum Aug. 1878
  • Weinberg, Memorbücher, S. 69
  • PK Bavaria, S. 465
  • Prestel, Bayern, S. 31, 330, 336, 338ff
  • Robert Flade, Lehrer, Sportler, Zeitungsgründer. Die Höchberger Juden und die Israelitische Präparandenschule, Würzburg 1998, S. 16-18, 27, 42-47
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 157, 211, 521f.