BHR Biographisches Portal der Rabbiner

PHILIPPSON, Gustav, Dr.

  • Geb. 17. Feb. 1816 in Dessau,
  • Gest. 11. Jan. 1880 in Berlin
  • Sohn des Simon Ph. und Vetter von Rb. Ludwig Ph., keine talmudische Jugendbildung, 12. Okt. 1836 imm. Berlin, vierjähriges Studium an der Universität und bei Rb. Öttinger
  • 3. Jan. 1841 Neuimmatrikulation in Berlin und Promotion, dann in Prag rb. Studien bei Rapoport, von dort am 24. Jan. 1841 Bewerber um das Rt. in Frankfurt/O.
  • 1842 Lehrer für Religion und jüd. Geschichte an der Franzschule in Dessau, 22. Feb. 1843 von der Reg. bestätigt
  • 1848/49 demokratischer Abgeordneter des anhaltischen Landtags, 1855 Prediger und Leiter der jüd. Schule in Frankfurt/O.
  • 1858 Oberlehrer an der Franzschule
  • während der bis 1870 dauernden Rabbinatsvakanz legt er sich mitunter auch den Rabbinertitel zu. Amtierte zugleich als Meßprediger in Leipzig (und um 1860 als Lehrer an der Jacobsonschule in Seesen?). 1868 Teilnahme an der Kasseler Rb.-Versammlung. 1869 in den Ruhestand nach Berlin.

Dokumente

  • CAHJP Jerusalem, „Frankfurt/Oder“, GA/KGe 11/34, vom 24. Jan. 1841 mit dem Eingeständnis, daß „meine Kenntnisse im Thalmud noch nicht ganz der Art sind, die Rabbinatsangelegenheiten [...] führen zu können“
  • LA Oranienbaum, Abt. Dessau, C 15, Nr. 67, vom 22. Feb. 1843: Regierungsbestätigung seiner provis. Anstellg. als Lehrer bei der Franzschule, mit Aussicht auf Teil des wegen der Vakanz gesparten Rabbinergehalts
  • CJA Berlin, 1, 75 A, Fr 5 Nr. 19, fol. 69; und ebd., 75 A Ma 1 Nr. 17, fol. 81, mit den Bewerbungen in Frankfurt und Mirosławiec (Märkisch-Friedland)
  • CAHJP Jerusalem, „Bamberg“, D/Ba17a/37, vom 16. Jan. 1863 mit Bewerbung in Bamberg. Die Dessauer Gemeindeoberen bestätigen dazu, „daß unser Rabbiner Dr. Philippson ein sehr beliebter und talentvoller Redner ist; was seine religiöse Richtung anbelangt, so ist sie der jetzigen Zeit angemessen. Da in unserer Gemeinde sowohl die alten, als die neuen Gesinnungen vertreten sind, so existirt wie überall die Ihnen bekannte jüdische Einigkeit, wodurch manche seinen Lebenswandel nicht loben würden“. Der Rabbiner J. Aub gibt zu bedenken: „Philippson in Dessau wird als Rabbiner weit weniger, denn als Prediger sich qualificiren, denn sein rabbinisches Wissen mag sehr gering sein“ (26. März 1863)
  • JM Frankfurt/M., PSR B 036, Trauungsbuch Dessau, nennt ihn seit Anfang 1858 als „Gemeindeprediger“, seit Anfang 1864 als „Rabbiner Dr. Philippson“, seit 1865 wieder als „Prediger“; seit Mai 1870 wird er durch Rb. Dr. Salfeld abgelöst
  • LA Oranienbaum, Konsistorium Dessau, Nr. 68.

Publikationen

  • Die Zerstörung des ersten Tempels. Ein Oratorium in drei Abtheilungen, Anhang zur Schrift von M. J. Ernst, Zeitstimmen der Dreiuneinigkeit an die Zionswächter im Judenthume, 1841
  • „Hat die Kanzelberedsamkeit die Ironie zu verbannen? Eine homiletische Frage“, LdO 1841, S. 77-80
  • „Die eheliche Liebe bei den alten Hebräern“, LdO 1841, S. 670-672, 685-688 (Ph. erscheint nur 1841 in der Autorenliste des Orient)
  • Die Judenfrage von Bruno Bauer, näher beleuchtet, 1843
  • Geschichte der herzogl. Franzschule in Dessau von ihrer Entstehung 1799 bis zu ihrer Auflösung, 1869 (von dieser Publikation scheint kein Exemplar erhalten)
  • Schoschanim. Ein Blick in die Vergangenheit. Federzeichnungen aus dem Leben des jüd. Volkes, 1871.

Literatur

  • AZJ 1848, S. 403f, 487f; 1851, S. 408, Lehrer der Franzschule und Meßprediger in Leipzig
  • AZJ 1858, S. 231, Antrittspredigt in Dessau
  • Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, Sp. 2099
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 893
  • AZJ 1901, S. 203
  • JE S. 535: „During the greater part of the nineteenth century, the rabbinate of Dessau was in an extremely chaotic state. Rabbi succeeded rabbi with extraordinary rapidity; for many years the post was vacant, and the duties of the rabbinate were partially performed by the teachers of the Franzschule“
  • Ist nicht erwähnt bei Johanna Philippson, „The Philippsons, a German-Jewish Family, 1775-1933“, LBIYB 7 (1962), S. 95-118
  • Werner Grosser, Der gute Ort. Israelitischer Friedhof Dessau, Dessau 1994, S. 25
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 563.