BHR Biographisches Portal der Rabbiner

PICK, David

  • Geb. ca. 1804 in Čkynì, Südböhmen,
  • Gest. 6. Juli 1878 in Teplice (Teplitz), Nordböhmen
  • Studium an Gymnasium und Universität Prag sowie an der öffentlichen Talmudschule Löb Glogaus
  • als Nachfolger Zacharias Frankels 15. Juli 1836 Leitmeritzer Kreisrb. mit Sitz in Teplice. Im Verein mit dem Gemeindevorsteher Abraham Stern setzt er in der neuen Synagoge verschiedene Kultusreformen durch, die ihm eine Belobigung der Regierung vom 10. Aug. 1837 eintragen. Er führt namentlich Orgelmusik und deutsche Gebete ein und schafft die Fastentage und zweiten Feiertage ab
  • am 19. Apr. 1843 gründet er das Isr. Lokalarmeninstitut und amtiert als dessen Direktor. Die gegen ihn opponierende Gemeinde kündigt ihm 1847 sein Vertragsverhältnis als Ortsrb.
  • nach einem Prozeß wird die Entlassung am 21. Jan. 1848 für unrechtmäßig erklärt. Teilnehmer an der böhmischen Synode von 1851. Zum 70. Geburtstag erhält er von Kaiser Franz Josef I. das Goldene Verdienstkreuz. Er starb auf der Kanzel beim Gebet für den Kaiser
  • seine Witwe Antonie starb 1897.

Dokumente

  • SÚA Prag, ČG Vš., oddìlení 1836-1841, svazek 46/2/12 über die Einsetzung als Kreisrb. in Teplice. Er empfiehlt sich am 25. Nov. 1835: „Damit nun der Gefertigte dem Bedürfnisse der Zeit gemäß, Reden in rein deutscher Sprache halten, und selbst die Ansprüche des feinern Geschmacks befriedigen könne, hat er die Aesthetik [...] mit besonderm Eifer betrüben“
  • Ebd., 46/ 2/27 über die Orgel in der Synagoge, mit zustimmenden Gutachten der Regierung
  • Nach ÖStA/ AVA Wien, Alter Kultus, Isr. Kultus, Karton 4, vom 24. Jan. 1839 hatte der Oberburggraf den Eindruck, daß Pick „seinem ausgezeichneten Vorgänger, dem nunmehrigen Dresdner Ober-Rabbiner Philosophiae Doctor Frankl, nach welchem kein anderer die Substituzion zu übernehmen wagte, allseitig vollkommen entsprach“
  • SÚA Prag, ČG Vš., oddìlení 1841-1855, svazek 18/1, mit Wortbeiträgen bei der „Berathung über die Reglung der jüdischen Kultusgemeinde-Ordnung im Kronlande Böhmen“, 14. Jan. 1851. Pick beklagt sich bei dieser Gelegenheit: „Es ist schmerzlich, wie systematisch man vorgeht, den Rabbiner zum Schatten zu machen. [...] Der Rabbiner muß mit dem Ausschusse gleich stehen“. Darauf protestiert Prof. Wolfgang Wessely: „Was will Herr Pick? Daß der Rabbiner Autokrat sey!“
  • Ebd., 18/3/82, mit den Beschwerden gegen seine Reformen.

Manuskripte

  • SÚA Prag, ČG Vš., oddìlení 1841-1855, svazek 18/3/4, mit seinen Gutachten „Daten behufs der Verfassung des Entwurfes zu einer Jnstruction für die Kreisrabbiner“ (28. Sept. 1841), „Entwurf zu einer Instruktion für die Lokalrabbiner und Religionsweiser“ (20. Okt. 1844).

Publikationen

  • Wortbeiträge in Kohn, Notabelnversammlung, S. 252, 280
  • Ich vergesse Dein nie! Predigt, Teplice 1863.

Literatur

  • Ein Kritiker im Orient 1840, S. 341, behauptet, daß „dem Hrn. P. ein reelles Studium der der isr. Theologie sowohl, als auch der Philosophie abgeht, wie er überhaupt bei einigem talmudischen Wissen nur eine dürftige Schulbildung durch Privatunterricht sich angeeignet.“ Seine Predigten „sind nicht mehr als gewöhnliche Schularbeiten,[...] mechanisch memorirt, vor einem Auditorio mit der größten Kälte und dabei lächerlichen Gestikulation vorgetragen [...] Hierbei ist es natürlich, daß ein solcher Mann, da das eigentlich Geistige ihm fehlt, mehr auf das Aeußere, freilich ohne darüber zu denken, sein Augenmerk richtet, und da hat er denn auch manches Gute geleistet. Der Gottesdienst hat durch ihn eine sehr edle Richtung gewonnen [...] So ist denn das schöne Werk Frankel’s in der Wurzel zerstört, und was in der Reform sich als äußerlich schön noch herausstellt, muß dem wahrhaft denkenden Israeliten eine Kälte zurücklassen“
  • AZJ 1846, S. 275, 338, über seine Reformen
  • AZJ 1864, S. 674, über Einweihung der Synagoge in Česká Lípa (Böhmisch-Leipa)
  • Trauungsbefugnis „im ganzen ehemaligen Leitmeritzer Kreise“, lt. Durchführungsverordnung vom 20. Juni 1877
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 820
  • Weihs, Teplitz, S. 15, 36-38, 42f, 45: Die Absetzung 1847 wurde damit begründet, daß P. „durch die von ihm besuchte Rabbinerversammlung in Breslau aufgeregt, sich als Reformator aufspiele, weil er ferner katholische geistliche Kleidung getragen, mit seiner Frau auf öffentlicher Promenade am Arme spazieren gegangen sei und weil er schließlich sich um die rituelle Gebahrung der Gemeinde zu wenig kümmere“
  • Gold (Hrsg.), Judengemeinden Böhmens, 1934, S. 649, mit Bildnis S. 659
  • Meyer, Response to Modernity, S. 431: „the only rabbi from the Austrian Empire to attend any of the German rabbinical conferences“
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 86
  • HÖAAJH, Bd. II, Nr. 7902.