RAPPAPORT, Simcha-Bunem, auch Simeon-Benjamin KAHANA-RAPPAPORT, bürgerlich seit 1808 Bonum COHEN, geb. 1734 in Wallerstein bei Nördlingen
Gest. 8. April 1816 in Bonn
Sohn des Wallersteiner Rb. Zwi-Hirsch Kahana R. und der Elke
verheiratet mit einer Tochter seines Onkels, des Landesrb. Löb R. in Heidingsfeld, wo er sich als Handelsmann niederläßt. Er verwitwet früh und heiratet in zweiter Ehe Ella Anschel (1740-1806). Kurz nach dem Tod des Vaters 1763 scheitert sein Geschäft
er wird Rabbinatsgehilfe seines Onkels, dann Rb. in Marktbreit (Schwarzenberger Kreis), 1772 fürstlich-walleinsteinischer Landesrb. in Wallerstein als Nachfolger seines Bruders und Vaters, 1788 kurkölnischer Landesrb. in Bonn als Nachfolger seines Bruders Isaak
leitet eine Talmudschule. Seit der französischen Besetzung von 1795 nur noch Ortsrb., führt am 12. Okt. 1801 den Vorsitz bei der Statutenlegung der neuen jüdischen Gemeinde in Köln. 1807 Teilnehmer des napoleonischen Sanhedrin in Paris, auf dessen Beschlüsse wird er am 17. Juli 1809 vereidigt und dem Konsistorial-Oberrt. in Koblenz unterstellt. Dessen Verlegung nach Bonn 1811 bedeutete jedoch faktisch R.s Absetzung.
Dokumente
StA Augsburg, Reg. 11.866, in einem Dokument über eine Schächterprüfung in Harburg 1776 erscheint sein Name als „Simche B. Cohn Rabbeburt“
Als „Bunum Rabbiner“ in der „Tabelle und Volks Menge der hiesigen Israelitischen Seelen“ (1808); bei Brocke/Bondy, Bonn- Schwarzrheindorf, S. 561
Als „Bonum Cohen“ im Namensregister bei Uwe Mazura, Die Bonner Juden in der Franzosenzeit (1794-1814), Magisterarbeit Bonn 1988, S. 106
Als „Cahn, Bonem, 73“ in AN Paris, F 19, Nr. 1840, Erhebungsbogen aus Koblenz vom 6. Mai 1808; als „Bonum Cohen“ in AN Paris, F 19, Nr. 11.052 „Tableau des Déclarations faites par les Rabbins & Docteurs de la Loi“, Paris, 30. Sep. 1813
PSA Brühl, Bonn St. 1816, fol. 46r, „daß gestern Abend halb neun Uhr Herr Benjamin Cohen Ober-Rabiner alt zwei und achtzig Jahr, Wittwer, gebürtig von Wallerstein, wohnhaft zu Bonn, mit ärtzlicher Behandlung an der Ruhr gestorben seye, Israelitischer Religion“.
Publikationen
H. idduše ha-RaŠBaS. Auslegungen zu den Talmudtraktaten Ketubboth und Git. t. in, Fürth 1774, Nachdruck von Git. t. in, Jrs. 1982
Parpäräth RaŠBaS. , fol. 3r-34r zum Psalm 119, fol. 34v- 65r diverse Exegesen zur Genesis und zum Talmud, fol. 65v-94v zu den Pirqe ’Avoth, Fürth 1797. Auf fol. 35r, 63v u. ö. wird ein Vortrag erwähnt, den R. 1790 nach dem vollendeten Durchstudieren des Babylonischen Talmuds über die Schlußpassagen von Bibel und Talmud gehalten hat. Das Buch wurde gratis an alle Interessenten versandt
Eine Approbation, datiert Bonn 12. Jan. 1794; Löwenstein, Index, S. 165.
Epigraphik
Grabstätten für ihn und seine Frau in Bonn-Schwarzrheindorf; Fotografie und Transkription der Inschriften bei Brocke/Bondy, Bonn-Schwarzrheindorf, S. 246, 259-261.
Literatur
Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 161
Brisch, Cöln, S. 150
Eisenstadt und Wiener, Da‘ath Qedošim, S. 167, mit Memorbuchzitat
Löwenstein, „Die Rabbinerfamilie Rapoport in Deutschland“, BJGL 1 (1899), S. 23
Bamberger, Würzburg, S. 48-50
Müller, Ries, S. 176
Löwenstein, „Fürth“, I, S. 183
Wininger V 134, VII 390
PK Bavaria, S. 511, 617
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 133, Nr. 1352
Klein, „Kurköln“, S. 270, 278
Henry Frænkel, „The Frænkel Familiy“, in: Frænkel, Genealogical Tables, Bd. II, Blatt Aa
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 92, 105, 147, 195, 231.