Sohn des Handelsmanns Samson R. und der Bella, 1823 an die Fürther Jeschiwa zum Studium bei Wolf Hamburger, 5. Juni 1827 Religionslehrerprüfung bei Oberrb. Abr. Bing in Würzburg, achtjähriger Besuch des Gymnasiums in Schweinfurt, 24. Aug. 1835 Abitur das., 28. Okt. 1835 imm. als cand. phil. in Würzburg und vier Semester Studium
20.-27. Mai 1837 Staatsprüfung in Bayreuth mit Note 3 „gut“ (als 3. von 6 Kandidaten), bei welcher Gelegenheit ihm Rb. Joseph Aub auch das Rabbinatsdiplom verleiht. Rückkehr an die Universität Würzburg, mehrere Jahre lang Hauslehrer dort, dann in Harburg bei Hamburg
Aug. 1844 Hofmeister bei dem Bankier R. E. Goldschmidt in Kassel. 1846 Landesrb. für Mecklenburg-Strelitz in Neustrelitz. Wie es heißt, war er „sehr tüchtig“, soll aber unter der Reaktion 1849 „den Denuncianten gespielt“ und sich überdies von der Reform zur Orthodoxie bekehrt haben
die Kündigung seitens des Vorstands am 17. Febr. 1850 veranlaßt einen mehrjährigen Rechtsstreit, nach dem R. Mühe gehabt habe, wieder unterzukommen (CAHJP Jerusalem, D/Ba17a/37, J. Aub am 26. März 1863). 15. Aug. 1857 prom. Jena. Um 1860-1864 ist er Rb. in Gorzów Wielkopolski (Landsberg a. d. Warthe), 1864-1873 liberaler Rb. in Riga, Lettland.
Dissertation
De Graecorum arte politica, Diss. Jena 1857.
Dokumente
StA Nürnberg, RA 1932, Tit 13, Nr. 651, Bd. I, Bl. 232v, Nr. 93, Liste der Fürther Talmudschüler vom 25. April 1824. Er sei 15 J. alt, aus „Rimbach“
CAHJP Jerusalem, D/Wu1/2, Bd. II, S. 21, Transkript seines Religionslehrerzeugnisses
LHA Koblenz, 393/298, Bl. 327 Bewerbung in Hoppstädten im Fsm. Birkenfeld (1841)
Ebd., 403/936, vom 6. Aug. 1844, Bewerbung in Krefeld aus Harburg in Bay.-Schwaben (?)
CAHJP Jerusalem, D/DR1/12, Bewerbung in Burgkunstadt (1844), mit Referenzen von Rabbinern Wolf Hamburger (1826), J. Aub (6. Juni 1837), L. Philippson, N. Adler, sowie den Hamburger Tempelpredigern G. Salomon und N. Frankfurter. Aub nennt R. „ein in jeder Hinsicht empfehlenswerthes Subjekt“ (16. Sept. 1844)
CJA Berlin, 1, 75 A Str 3 Nr. 27-28, Personalakte aus Mecklenburg-Strelitz, darin Bl. 12-16 vom 24. Dez. 1846 Bewerbung
LHA Schwerin, Best. „Judenangelegenheiten Mecklenburg-Strelitz“, Paket 66, Nr. 62 und 64 Differenzen des Landesrabbiners H. Reichmann mit der jüd. Gemeinde in Alt-Strelitz u. a. in Reformfragen, 1852-1854; Nr. 65 Trauung des Handelsmannes Simonson mit der Witwe Salomon in Alt-Strelitz durch den Landesrabbiner Reichmann, 1854-1858; Paket 67, Nr. 69-70 Besetzung der Stelle des Landesrabbiners bei der jüd. Gemeinde in Alt-Strelitz, 1846-1854
LHA Schwerin, Meckl.-Schw. Landesrabbinat 57, vom 6. Sept. 1852, Bewerbung in Mecklenburg-Schwerin, jeweils mit Abschriften der Zeugnisse
UA Jena, M 355, Bl. 105-122, Promotionsunterlagen, darin Bl. 111 Vita; mit offensichtlich falscher Angabe seines Geburtsdatums (12. Mai 1815 „Rimbachi prope Herbipolin“), und seines Alters beim Eintritt ins Gymnasium (12 J.)
Weitere Bewerbungen in Kaiserslautern (1843), Göteborg (1857), Stettin (im CJA Berlin, 1, 75 A Ste 3 Nr. 66, fol. 22, vom 26. Juli 1859), um das schweizer Landesrt. in Endingen (er wurde dort von der orthodoxen Gemeindemehrheit abgelehnt, siehe Weldler-Steinberg, Juden in der Schweiz, Bd. II, S. 185), sowie in Lehrensteinsfeld b. Heilbronn (1861), siehe im StA Ludwigsburg, E 212 Nr. 125 vom 28. März 1861; und in HStA Stuttgart, Best. E 201c, Büschel 40, Lehrensteinsfeld, vom 15. Apr. 1861, mit der Bewertung seiner Zeugnisse durch die Isr. Oberkirchenbehörde: Er habe nur ein „hinlängliches“ Abitur; die Ordination von Rb. Aub bezeuge auch nur „hinreichende“ talmudische Kompetenz und überdies die Mahnung, „sich immer mehr mit heil. Kenntnissen zu bereichern, so daß uns das spätere überschwängliche Zeugniß eines Rabbinen [Leopold] Stein in Burgkundstadt wenig Vertrauen einflößt“
Bewerbung in Bamberg; CAHJP Jerusalem, D/Ba17a/37 vom 26. Jan. 1863 mit der Behauptung, daß „meine äußere Stellung hier, wie mein Verhältniß zur Gemeinde mir nichts zu wünschen übrig läßt“, er aber trotzdem auf ein bedeutenderes Rabbinat wechseln wolle.
Literatur
AZJ 1847, S. 575 Wahl in Strelitz
AZJ 1849, S. 189, 253-255 Meinungsverschiedenheiten über seine Qualifikation und Konflikte mit den religiös Indifferenten
AZJ 1863, S. 551 Spende für die Rießer-Stiftung aus Gorzów
AZJ 1864, S. 407, „Ausschreibung der Stelle eines Rabbiners und deutschen Predigers der Riga’schen Hebräergemeinde“
AZJ 1866, S. 397 Dankesbrief zur Errettung des Zaren