Sohn des Enosch Halevi B., aus Frankfurter Familie, Schüler des Pinchas Horwitz und des Mystikers Nathan Adlers in Frankfurt/M.. nimmt aber von der praktischen und weitenteils auch der theoretischen Kabbala später Abstand. Mit 17 J. Talmudlehrer in Frankfurt/M. und wenig später [1769] Klausrb. in Offenbach, mit 26 J. [1778] Jeschiwaleiter und Dajan in Frankfurt/M., 1798 fürststiftlich- würzburgischer Landesrb. mit Sitz zunächst in Heidingsfeld und seit 1813 in Würzburg. Da ihm sein großer Bezirk von ca. 15.000 Juden erhalten bleibt, sichern ihm Gehalt, Emolumente und Sporteln ein Einkommen von fast 2.000 fl. Sein Lehrhaus in Würzburg, dessen Schüler seit ca. 1815 meist auch die Universität besuchen, tritt die Nachfolge der 1826 geschlossenen Jeschiwa von Fürth an. Unter seiner Aufsicht entsteht erstmals ein orthodoxer Katechismus für die Schulen. Auf der Kreissynode von 1836 schließt er sich der eindeutigen Verurteilung der Kabbala durch die übrigen Mitglieder nicht an (Sulamith VIII,1, S. 372-381). März 1838 erklären Rabbinatskandidaten, daß „der funktionieren sollende Rabbiner ein schwacher Greis von 90 Jahren und gegenwärtig, wie allgemein bekannt, geist- und bewußtlos ist“. Seine Familie erklärt stellvertretend für ihn den Rücktritt (IA 1839, S. 245f)
er erhält 300 fl. Pension. Bings erste Frau Treinele Kassel war 1798 kurz nach der Ankunft in Heidingsfeld gestorben
seine zweite Frau Scheinele (Channa) lebte bis 1854.
Dokumente
StAWürzburg, W.C. 101, G 15664 Akten des Judenamts Würzburg betr. die Geschäfte eines seitherigen Judenamtmanns und die Gewalt des Judenvorgängers und Rabbiners, 1803
Ebd., Ger. Wzbg. Stadt III/232 Akt des Staatsrats betr. die Bitte des Oberrabbiners Bing zu Heidingsfeld um Bewilligung des Überzugs in die Stadt Würzburg, 1813
CJA Berlin, 1, 75 B Wu 1 Nr. 3 Verzeichnis der Gerichtsprozeßakten beim Oberrabbineramt 1817
CAHJP Jerusalem, D/ Wu1/12 Besoldung und Wohnung, 1825-1840. Schüler. Abraham Adler, Nathan Adler, Lazarus Adler, Seligmann Bär Bamberger, Alexander Behr, Lazarus Wolf Bergmann, Isaak Bernays, Löb Bodenheimer, Samuel-David Enoch, Jakob Ettlinger, Gabriel Hirsch Friedmann, Salomon Fürst, Seligmann Grünwald, Levi Herzfeld, Jakob Löwenstein, Maier Mainzer, Samuel Mayer, Philipp Romann, Wolf Schlessinger, Nathan Schnaittach, Hayum Elkan Selz, Hirsch Traub, Moses Wassermann, Elkan Weimann, David Weiskopf, Elias Willstätter, Abraham Alexander Wolf, u. a. m. Über seine Jeschiwa siehe Isr. Annalen 1839, Nr. 12, S. 26; Einleitung zu Zichron ’Avraham, S. 7-9; M. L. Bamberger, Ein Blick auf die Geschichte der Juden in Würzburg, Würzburg 1905, S. 12f; H. und S. Bamberger, Rabbiner der Stadt und des Bezirkes Würzburg, S. 65; Richarz, Eintritt, S. 117f; Bleich, Ettlinger, S. 13-19.Anstellungsvertrag vom 23. Jan. 1799 bei Bamberger, Würzburg, S. 82
StA Würzburg, RA 7102, vom 3. Sep. 1828, Bericht des jüd. Gemeindevorstands über ihn, mit Lob für seine Schule
Das Subskribentenverzeichnis der Fürther Talmudausgabe 1832 tituliert ihn als „Gaon“.
Manuskripte
StAWürzburg, Juden 22, 24-26, 30, 32, 34, zehn Faszikel mit den unter seinem Vorsitz aufgenommenen hebr. Gerichtsprotokollen, Kislew 5560 (1799) bis 13. März 1809
Ebd., Juden 20 (5 Bde.), 23-24, Sammlung der zumeist deutschsprachigen Prozeßakten aus den Jahren 1809- 1816
CAHJP Jerusalem, D/Wu1/1 enthält nachgelassene Papiere Bings, darunter Aktenreste aus den letzten Verhandlungen des Würzburger rb. Zivilgerichtshofs (1812-1816) und spätere Gutachten, darunter eines über die zweifelhafte Orthodoxie von Rb. Is. Löwi in Fürth (13. März 1836)
Ebd., D/Wu1/2 Rabbinatsregister, enthält S. 1-202 Urteile von Jan. 1814 bis 21. Jan. 1817; S. 204-212 „Einlauf- & Copie-Buch angefangen den 6ten Februar 1824“. Liste eingegangener Schreiben ohne Daten; S. 214-316 Kopialbuch ab 11. Okt. 1836, Schreiben numeriert von 748 bis 828; S. 319-325 Abschriften von Regierungsdekreten a. d. Jahren 1827-29; Bd. II, S. 1- 267 „Copiae verschiedener Aktenstücke“, vom 8. März 1827 bis 11. April 1836, die Nummerierung setzt S. 122 mit Nummer 164 ein und geht bis 313; S. 268-280 idem 28. Mai bis 23. Sept. 1836 numeriert 737 bis 742. Hervorzuheben ist die Petition an den König vom 6. Feb. 1835, wo B. unter Darlegung des rb. Prinzips kollegialer Entscheidungsfindung seinen Widerstand gegen die von den drei oberfränkischen Reformrabbinern verabschiedete Synagogenordnung rechtfertigt; Bd. II, S. 246-251
JNUL Jerusalem, 8o 2381 Mitschriften eines Schülers, der nach Studien in Metz und Prag in Heidingsfeld studierte, 1791, 214 Bl
Tel Aviv, Municipal Library, cod. 92, 93 und 153, enthalten sechs Hefte mit anonymen hebr. Talmudauslegungen und Homilien aus den Jahren 1819-1828. Das erste Heft beginnt mit einer „Derascha meines Sohnes Isaak Bär Bing“; unter den Blättern des letzten befindet sich ein an Abraham Bing adressierter Brief, dessen Rückseite als Schreibmaterial benutzt wurde.
Publikationen
Tefillah, Flugblatt mit Gebet zur Cholerazeit [Expl. JNUL L 579], auch in der Genisa von Veitshöchheim; Siehe der Stein, S. 236
Lehrbuch der mosaischen Religion, bearbeitet von Dr. Alexander Behr unter Aufsicht und Leitung des Oberrabbiners Abraham Bing zu Würzburg, geprüft und anerkannt vom Rabbinate zu Fürth und mehreren angesehenen Rabbinern, München 1826 (mit Vorrede Bings); München 1834, weitere Auflagen bis 1870
Kommentarfragment (zu Berachoth) im Trakt. Šabbath der Talmudausgabe Fürth 1832
„Tešuvah ve‘inyan meh. is. ah lešabbath“, Šomer S. iyyon ha-Nä’äman, S. 153; „Bedin pesule ‘eduth“, ebd., S. 199
Zichron ’Avraham Auslegungen über OH, hrsg. Isaac Bamberger, Preßburg 1892, 83 S. (mit biogr. Einleitung) [AIU Paris, H 1310; E 1715; ZKH 3094]
Šelomoh liŠelomoh Auslegungen über YD
Auslegungen zu Berachoth
Korrespondenz seiner Schüler mit W. Hamburger in dessen Ša‘ar ha-Zeqenim, Bd. II, Bl. 102r, 106r, 166v
Korrespondenz mit Moses Sofer in dessen Responsen, HM Nr. 34f; Qoves. Nr. 13 (von 1796; dort nennt ihn Sofer „mein Lehrer und Freund“).
Epigraphik
Sein Grabstein (Rekonstruktion von 1869) und der seiner zweiten Frau auf dem jüd. Friedhof in Höchberg bei Würzburg; Bar-Giora Bamberger, Höchberg, S. 15, 200-201, 247
Memorbuch- Eintrag bei Bamberger, Würzburg, S. 66; vgl. Weinberg, Memorbücher, S. 58, 89.
Literatur
Nachruf in Mnemosyne, Beilage zur Neuen Würzburger Zeitung vom 28. März 1841
Orient 1841, S. 104: „der größte baiersche Rabbine“, 220
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 728, 762
Bamberger, Geschichte der Rabbiner der Stadt und des Bezirkes Würzburg, S. 62-67
Eliav, Jüdische Erziehung, S. 298, 305f, 322
Schwab, Chachme Aschkenaz, Nr. 18
Arnsberg, Hessen, Bd. I, S. 256
PK Bavaria, S. 462f, 478f
Schorsch, „Rabbinate“, S. 219
Breuer, Jüdische Orthodoxie, S. 386
Stefan Loewengart, „Aus der Geschichte der Familie Bing“, LBIB 59 (1981), S. 29-54
Halperin, ,’At. las ,’Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 159, Nr. 1653
Flade, Die Würzburger Juden, S. 69, 83f; 21996, S. 81-87
Prestel, Bayern, S. 120, 142, 150, 175, 192, 280
Gehring-Münzel, Vom Schutzjuden zum Staatsbürger, S. 347-358