BHR Biographisches Portal der Rabbiner

SALVENDI, Adolf, Dr., hebr. Jakob Arje-Löb

  • Geb. 10. Jan. 1837 in Nové Mesto nad Váhom (Waag-Neustadtl), Slowakei,
  • Gest. 23. Dez. 1914 in Karlsruhe
  • Sohn des Chaim S. und der Rahel Latzko, Schüler von David Steinitz in Nové Mesto und Schüler des dortigen Progymnasiums, hält mit 13 J. bereits öffentlich kasuistische Homilien, 1853 für 2 1/2 Jahre zur Preßburger Jeschiwa des Wolf Sofer, sodann nach Lipník (Leipnik), Mähren, zu der des Salomo Quetsch, welchem er nach Mikulov (Nikolsburg) folgt. Nach dem Tode des Meisters studiert er 1856 in Nové Mesto weiter, 8. Nov. 1858 imm. Breslau, acht Semester an der Universität, 2. Nov. 1862 prom. Jena, ordiniert von Menachem Deutsch in Backa Palanka (Német-Palánka), Woiwodina, und Josef Kobak in Lemberg. 1864 Rb. in Koœcierzyna (Berent), Westpr., 1867 Bezirksrb. für Frankenthal-Speyer mit Sitz in Bad Dürkheim, Pfalz. Geht als militanter Orthodoxer gegen unfähige Lehrer und Schächter, gegen „Neologen und Nihilisten“ vor, verweigert Zusammenarbeit mit den liberalen Pfälzer Rabbinern Grünebaum und Seligmann. Einer der ersten deutschen Zionisten
  • aktiv für die Alliance Israélite und später Ehrenmitglied der Zentrale des Chowewe-Zion- Verbandes „Maskeret Mosche“
  • ein von ihm gegründetes Waisenhaus existiert im Moschav Salvendi in Israel. Seine erste Ehefrau war Augusta Meyer (1842-1870), seine zweite CharlotteSchönche (1846-1910). Als er 1910 in den Ruhestand tritt, fordert die Ausschreibung seiner Dürkheimer Stelle, der Nachfolger müsse „in seinen religiösen Anschauungen einer zeitgemäß liberalen Richtung huldigen“ (Inventar, S. 615).

Dissertation

  • Joseph Kimchi, nach seinen Werken skizziert, Diss. Jena 1862.

Dokumente

  • AU Wrocław, F 437, S. 30, Matrikeleintrag „Adolphus Salwendi, Hungar.“- UA Jena, M 377, Bl. 229-241, Promotionsakten, mit Diss. (34 S.) und Vita
  • CJA Berlin, 75 A Ra 5 Nr. 10, fol. 180, Bewerbung in Rawicz vom 16. Nov. 1863
  • CAHJP Jerusalem, P 40, Nr. 174, Biograph. Materialsammlung von Arthur Posner.

Publikationen

  • Predigten, I. Sammlung, Fft./M. 1866
  • Aller Anfang mit Gott, Fft./M. 1867
  • Der Mann und seine Zeit. Predigt, gehalten in der Synagoge zu Dürkheim am 9. Juni 1866, Fft./M. 1867
  • ‘Aleh Zayith. Ein Oelblatt am Baume meines Lebens. Ein wohlverdientes, ehrendes Denkmal für meine in der Blüte des Lebens mir entrissene Frau Augusta geb. Meyer, Karlsruhe 1871
  • ’Ilone ma’achal we’ilone seraq. Fruchttragende und fruchtlose Bäume. Eine Zeitbetrachtung, Wien 1876.

Epigraphik

  • Sein Grabstein und der seiner zweiten Frau auf dem Friedhof der Karlsruher IRG, Nr. 151- 152; siehe Monika Preuß, Friedhof der Israelitischen Religionsgesellschaft in Karlsruhe (Orthodoxer Friedhof an der Haid- und Neustraße), unveröffentlichte Grunddokumentation des Landesdenkmalamtes, 1994; Expl. ZAGJD Heidelberg.

Bildmaterialien

  • JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis).

Literatur

  • Lippe 1879/81, S. 420f
  • Gottlieb, ’Ohale Šem, S. 485-488; danach habe er, „von Natur aus ein stiller und friedliebender Mann“, den Rabbinerberuf wegen der damit verbundenen ideologischen Kämpfe gescheut, sich aber schließlich dem Willen seines verstorbenen Vaters und Großvaters gebeugt
  • JL IV2 66, mit Lebensdaten 1817-1889
  • EJ eng. XIV 716
  • Wininger V 344
  • A. B. Posner, in: A. Elmaleh (Hrsg.), H. ämdath Yišra’el, 1946, S. 136-146
  • Herz, Pfalz, S. 28
  • Inventar Rheinland-Pfalz, S. 487-488, 534-536
  • Arnold, Pfälzische Juden, S. 104
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 180
  • HÖAAJH, Bd. III, Nr. 8975.