BHR Biographisches Portal der Rabbiner

SELIGSBERG, Marx Hayum, Dr., später auch Max Heinrich SELIGSBERGER

  • Geb. 1799 in Baiersdorf b. Erlangen,
  • Gest. 19. Nov. 1877 in Fellheim, Unterallgäu
  • Volksschule in Baiersdorf, vier Jahre lang Schüler von Hamburger an der Fürther Jeschiwa, lateinische und französische Studien in Erlangen, dann Aufnahme an der Univ. das., 1825 prom. das., zurück nach Baiersdorf, 16.-19. Okt. 1827 Staatsprüfung in Ansbach mit Note 3- (als letzter von sechs Prüflingen
  • von griech.-lat. Prüfung dispensiert). Aus Baiersdorf Bewerber in Bayreuth (1828) und Fürth (1830), 5. Juli 1830 Rb. in Fellheim mit 300 fl. Gehalt und 100 fl. Akzidentien. Neuorthodox
  • setzt 1838- 40 mit Zwangsmitteln die neue Synagogenordnung durch
  • unterzeichnet 1844 gegen die Rb.-Versammlung. Nach dem Tod seiner ersten Frau Sophie Seligmann (1803-1845), der Waise seines Vorgängers, heiratete er am 12. Juni 1848 Therese Heilbronn aus Bad Buchau in Württemberg. Um 1870 betreut er auch die Gemm. Illereichen-Altenstadt, Osterberg, Memmingen und Kempten/ Allgäu.

Dokumente

  • StadtA Fürth, Fach 28, Nr. 4, Bl. 25, vom 31. Okt. 1827, Prüfungsbericht aus Ansbach
  • StA Bamberg, K3 C3 Nr. 110, fol. 79-83, 98, Bewerbung in Bayreuth, 1828; verliert mit 22 : 25 Stimmen gegen Joseph Aub
  • StA Ludwigsburg, E 212/135, von ihm ausgestellte Ordination für M. H. Kallmann, 18. Apr. 1833
  • StA Augsburg, 11864, Akte über die Rabbinerstelle in Fellheim, enthält unter dem 17. Sept. 1834 einen Protest gegen Gehaltskürzung und eine Aufstellung seiner gebührenpflichtigen Amtshandlungen u. d. T. „Accidentien des Rabbinats Fellheim vom 16. May 1830 bis 16. May 1834“, ferner unter dem 1. Sept. 1835 eine „Unterthänigst gehorsamste Vorstellung des Rabbiners Seligsberg contra Cultusführer Jacob Einstein und Samuel Schwab. Eine kurze Widerlegung gegen so viele unglaubliche lügenhafte Verleumdungen und Bosheiten bey Einer Koenig. Regierung gegen denselben betreffend“
  • StA Augsburg, Isr. Standesregister Schwaben, Nr. 7. Das von ihm selbst geführte Sterberegister verzeichnet am 28. Okt. 1845 (Bl. 58) „Sophie Seligsberg Rabbinerin, febr. nervosus, 42 J.“; daneben schrieb er klein in hebr. Schrift ’Ahah! Mi yinnah. em ’oti / H. ošäch wa‘arafäl beveti - / Hi’ - halchah la-menuh. ah, / Wa’ani - yagon wa’anah. ah. Von fünf weiteren, später geschwärzten Zeilen sind nur noch die Ausrufezeichen zu lesen
  • ŽM Prag, Nr. 67.967, Bewerbung in der mährischen Gemeinde Velké Meziříčí (Groß-Meseritsch); er ist unter den 19 Bewerbern der einzige von außerhalb der Donaumonarchie. Mit dt. und hebr. Schreiben vom 12. Sept. 1852. Er schickt zur Einsicht seine Werke.

Publikationen

  • Meqor H. ayyim, 125 moralische Betrachtungen, Rödelheim 1841, 308 S
  • Šaddeh H. ayyim, 212 moralische Betrachtungen, Rödelheim 1845
  • ‘Ir Miqlat. [Num. 35,11]. Der Zufluchtsort, eine moralisch-religiöse Schrift zur häuslichen Erbauung, 154 moralische Betrachtungen, hebr./dt. Rödelheim 1846, 344 S
  • Moreh Däräch, weitere moralische Betrachtungen, Rödelheim 1847
  • ’Or Torah, Bd. I Homilien zum Pentateuch, Fft./M. 1859; Bd. II Erklärungen zu den fünf Mgilloth, Leipzig 1860, 112 S.; Bd. III Erklärungen zu den Haftaroth, Fft./M. 1863, 274 S
  • Šire Tehilloth, Dichtungen, Fft./M. 1861, 36 S.; Neuauflage 1864
  • Kos Tanh. umim [Jer. 16,7], Worte zu Traueranlässen, Fft./M. 1863, 272 S.

Literatur

  • WZJT 3, 1837, S. 126, über seine Teilnahme an der Kreissynode von 1836
  • IA 1840, S. 73: Er gründet einen Leseverein zu einer Zeit, in der die tonangebenden Frommen der Region die deutsche Lektüre noch verbieten
  • Wilhelm Rapp, Geschichte des Dorfes Fellheim an der Jller, Fellheim 1960, S. 137-140, 236
  • Richarz, Der Eintritt der Juden in die akademischen Berufe, S. 121
  • PK Bavaria, S. 625
  • Lowenstein, „The 1840s“, S. 282
  • Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. XI (1983), S. 90, Nr. 1675
  • Über die Auswanderung dreier seiner Söhne nach Amerika Peter Maidl, „Aspekte der Überseewanderung bayerisch-schwäbischer Juden im 19. Jahrhundert“, in Treml (Hrsg.), Schwaben, Bd. II, S. 110
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 410, 419, 429, 575.