seit dem Alter von 3 J. erzogen bei Rb. Hirsch Katzenellenbogen an dessen sukzessiven Amtssitzen in Bad Mergentheim, Leimen und Mannheim, weiß mit 13 Jahren schon 300 Blatt Talmud und hundert Kapitel HM, wechselt zur Fürther Jeschiwa bei Josef Steinhardt, sein Studienfreund ist Mordechai Benet. Ordiniert in Fürth, mit 18 J. verheiratet mit Süße Sontheimer, Tochter des Wolf aus Sontheim und Enkelin des Mannheimer Stiftsrabbiners Hillel Münz, studiert in Fürth weiter, wird um 1782 Rb. in Leimen und Dajan der Kurpfalz, tritt aus Protest gegen Sabbatschänder von seinem Amt zurück. Mai 1795 Landesrb. der Gft. Hanau (bestätigt durch Dekret aus Kassel vom 24. Okt. 1798), mit 200 [bzw. 500 seit 1823] fl. Gehalt, gründet 1796 eine Jeschiwa. Lehnt 1818 einen Ruf als Landesrb. nach Kassel ab. 1819 trägt er zu den ’Eläh divre ha-berith bei, entwickelt aber 1822 ein Projekt zur Schulreform in Hessen-Kassel. Am 14. Okt. 1824 zum kurfürstlichen Provinzialrabbiner ernannt. Ein guter hebräischer Stilist und Freund von Wolf Heidenheim
1828 wird er indes seitens des Gemeindevorstands angewiesen, die „talmudischen Disputationen“, „Klügeleien und Spitzfindigkeiten“ aus seinen Predigten zu streichen. Sein Sohn Nathan-Nate S. (gest. 1862) gründete 1842 den Hanauer Talmudverein, dessen Sohn Mose Tubioh Sondheimer (1847-1891) gründete in Frankfurt das Geschäftshaus Beer, Sondheimer & Co.
Dokumente
Hebr. Anstellungsvertrag bei Löwenstein, „Hanau“, S. 66-68
StA Marburg, Abt. 81 E, 8 VI, Nr. 3 Bd. III Gehaltsumlage, 1817-1820
Ebd., Nr. 24 Wiederbesetzung der Rabbiner-Stelle zu Hanau, 1792-1818
Ebd., Nr. 26 Reparaturen am Rabbinerhaus, 1795-1805
Ebd., Nr. 27 Beschwerde gegen Jacob Sannel zu Windecken wegen auswärtiger Copulationen, 1798-1799
Ebd., Nr. 32 Beschwerden der Judenbaumeister über S.s instructionswidriges Verreisen, 1803- 1819
Ebd., Nr. 33 Anonyme Anzeige, daß S. den Rabbiner und die Judengemeinde in Frankfurt aufgefordert habe, in ihrer Synagoge nach seinem Beispiele Gebete wegen der in Frankreich in Rücksicht der Juden bevorstehenden Reformen zu veranstalten, 1806
Ebd., Nr. 35 Wirkungskreis, 1818
Ebd., Abt. 82c, Nr. 969, Die Anstellung des hiesigen Juden-Rabbiners Moses Tobias Sondheimer, Bd. I 1792-1799; ebd., Nr. 970, Bd. II 1823-1830
Eine nicht erhaltene Hanauer Akte I/1, A/a, 46 war betitelt „Die Verehelichung des hiesigen Landrabbiners Moses Tobias Sondheimer mit der Wittib des Schutzjuden Kallmann Lißmann zu Gelnhausen betr., 1822ff“.
Manuskripte
Der Nachlaß, „der viele Bände umfasst“ (Löwenstein, „Hanau“, S. 34), verblieb bei seinem gleichnamigen Enkel, gest. 1891 in Frankfurt/M. Die Frankfurter Herausgeber von ’Or pene Mošäh besaßen (ebd. S. 98) noch einen II. Teil Problemata und einen III. Teil Homilien, ferner ein unabhängiges Werk Laqat. ’Amar über die Halachot und einen Komm. des Midrasch Sifre zu Deuteronomium. Schüler. Koppel Löwenstein, Mordechai Wetzlar, Salomon Dreifuss (Löwenstein, „Hanau“, S. 29).
Publikationen
Gutachten in David Caro, Neqam Berith, S. 74-76
’Or pene Mošäh, I. Teil: Responsen und Talmudproblemata, mit einer Biographie des Autors und einem Bericht von der Belagerung Hanaus durch Napoleon, Frankfurt/M. 1928, 14 + 97 Bl. Responsum „Besugya’ dešo’alin wedorešin šelošim yom qodäm ha-h. ag“, Moriyyah 20 (1995), Heft 5-7, S. 46-48
Halachische Korrespondenz mit dem Fürther Oberrb. M. S. Kohn in dessen Bigde Kehunnah, Bl. 43r
Korrespondenz über eine Stelle in Ševu‘oth 17 bei dessen Nachfolger Hamburger, Ša‘ar ha-Zeqenim, 1830, Bd. II, Bl. 60v
Korrespondenz mit Moses Sofer in dessen Responsen, Bd. VI, Nr. 15
Korrespondenz mit dem Frankfurter Oberrb. Hirsch Horwitz
Ein von ihm ausgestelltes Rabbinatsdiplom „Kethav semichah la-rabbanuth leRabbi H. ayyim Šewars. Z.S. . L.“, Moriyyah XX, Nr. 8-9 (1995), S. 49f
Eine Approbation, datiert Hanau 1800; Löwenstein, Index, S. 191.
Bildmaterialien
Das Gemälde „Der Segen des Rabbi“ des 1800 in Hanau geborenen Moritz Oppenheim soll Sontheim darstellen (reprod. http://www.jct.ac.il/judaica/ashkenaz/ophm1.html).
Literatur
Nachruf seines Schülers Jakob-Koppel Löwenstein, auszugsweise abgedruckt in der Einl. zu ’Or pene Mošäh
Walden, Šem ha-Gedolim hä-h. adaš, S. 100
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 761
Leop. Löwenstein, Kurpfalz, S. 262; ders., „Rabbinat in Hanau“, JJLG 14 (1921), S. 25- 37
Wininger V 579
Lazarus, „Kassel“, S. 589, 591
Arnsberg, Hessen, Bd. I, S. 326
EJ eng XV 368; VII 1257
Ludwig Rosenthal, Der Hanauer Rabbiner Mosche Tobias („Raw Mosche Tuvje“) Sondheimer und seine Nachfahren in der ehem. Frankfurter Metallfirma von Weltruf Beer, Sondheimer & Co., Hanau 1975
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 148, Nr. 1523
Kinstlicher, Hä-“H. atham Sofer“ uvene doro, S. 301f. mit hebr. Schriftprobe
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 131f, 165
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 41, 113f, 126, 128, 168, 182, 190, 208, 215, 230f.