BHR Biographisches Portal der Rabbiner

STEIN, Abraham, Dr.

  • Geb. 13. Jan. 1818 in Wanfried a. d. Werra, Kurhessen,
  • Gest. 30./ 31. Aug. 1884 in Prag
  • Sohn des Nathan S., 1824 nach Eschwege als Privatschüler seines Onkels, nach dessen Tod 1826 Rückkehr nach Wanfried. 1831 Hauslehrer in Osterode, Kgr. Hannover, mit Privatstudien des Talmuds und des Lateinischen, Nov. 1832 Eintritt in die isr. Lehrerbildungsanstalt in Kassel, 1833 Lehrer an der jüd. Schule in Felsberg, Kurhessen, legt diese Stelle bald nieder und wird Adjunkt von Rb. Wetzlar in Gudensberg. Dez. 1834 Lehrer an der jüd. Schule in Rodenberg
  • er verlässt auch diese Stelle und begibt sich im Mai 1835 nach Hannover, wo er von Privatunterricht lebt, autodidaktische Studien betreibt und bei Landesrb. Nathan Adler den Talmud studiert. Feb. 1839 Hauslehrer in Fulda
  • nach privater Vorbereitung Externenabitur am Fuldaer Gymn.
  • 26. April 1842 imm. Bonn und vier Semester Studium
  • 1844 imm. Marburg
  • Dez. 1844 kurhessisches rb. Staatsexamen das., Mai 1845 Oberlehrer am jüd. Lehrerseminar in Kassel. Anhänger der konservativen „Theologen-Versammlung“ (1846) Z. Frankels. Anfang 1848 Rb. und Prediger in Wieleñ (Filehne), Prov. Posen
  • vor Antritt der Stelle am 27. Jan. 1848 prom. Jena. 1850 Rb. der westlichen Danziger Vorstadtgemeinde Stare Szkoty (Altschottland), die 1859 eine neugotische Synagoge mit Reformliturgie und Orgel im Stadtzentrum erbaut. 1864 Rb. an der Meisel-Synagoge in Prag
  • in den Jahren 1865-68 außerdem Talmudlehrer an der Oberklasse der von Rapoport gegründeten Talmud-Tora-Schule.

Dissertation

  • Die Accente des Decalogs, Diss. Jena 1847.

Dokumente

  • UA Jena, M 316, fol. 249-260, 286f, Promotionsakten; siehe dort fol. 257-259 „De vita sua breviter narravit Abrahamus Stein“. Danach geb. 15. Jan. 1818
  • ÖStA/AVAWien, Neuer Kultus, Israelitischer Kultus, D 5, vom 19. Sept. 1865, nennt ihn unter den 27 böhm. Vorbereitungsdozenten für die Preßburger Landesrabbinerschule.

Publikationen

  • „Das jüdische Schulwesen“, AZJ 1849, S. 370f, über das Kasseler Seminar
  • “Die vier Kelche“, Predigt, 1852
  • Moscheh’s letzte Sorge, Predigt, 1853
  • Israels Religion ist seine Mutter, Predigt, 1855
  • Die Bestimmung des Gotteshauses, Predigt zur Einweihungsfeier der Danziger Synagoge, 1859
  • Geschichte der Juden in Danzig seit ihrem ersten Auftreten in dieser Stadt bis auf die neueste Zeit nach handschriftlichen Quellen dargestellt, Danzig 1860; nachgedruckt Danzig 1933
  • „Über Mission“, Abendland 1866, S. 22f, 28f, 35
  • Ueber den Unterricht im Talmud nach wissenschaftlicher Methode, 1866
  • Der Feldzug, acht Predigten, Prag 1866, nachgedruckt Berlin 1867
  • Gedächtniß-Rede für den ersten Rabbiner zu Prag, Hern Salomon Löb Rapoport, Prag 1867
  • Thalmudische Terminologie, zusammengestellt und alphabetisch geordnet, voraus geht Die Aufgabe einer Praeparandie für Studirende der jüdischen Theologie, 1869
  • Der Mensch im Bilde Gottes. Predigt zur Hundertjahrfeier des Toleranzedikts, 1881
  • Dìje Israelitích od nejstarsi doly az na njenejsi časy, Prag 1884.

Epigraphik

  • Lieben, „Erster Wolschaner Friedhof“, S. 35: „Ein biederer Charakter, welcher bei der freiesten Forschung sich an die vorgeschriebenen, minutiösen, religiösen Observanzen streng hält“.

Literatur

  • AZJ 1847, S. 415f, 489, Wahl in Wieleñ
  • AZJ 1849, S. 102f, allmonatliche Predigten in Drezdenko (Driesen), Ostbrandenburg
  • AZJ 1849, S. 708, Ausschreibung der Stelle in Stare Szkoty: Man suche einen strengreligiösen Theologen
  • AZJ 1850, S. 470, 685f; Orient 1850, S. 140, Berufung nach Danzig
  • AZJ 1858, S. 186f, Brief von anläßlich des Aufrufs zur Versammlung der preußischen Rabbinen
  • AZJ 1858, S. 381, unterstützt das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur
  • AZJ 1859, S. 564f, Mitglied des Verwaltungsrates eines Stiftungsfonds zur Gründung und Instandhaltung eines Waisenhauses
  • AZJ 1860, S. 75; 1861, S. 273; 1863, S. 139, Bürge für Schullehrer und eine Gesellschaftsdame
  • AZJ 1860, Nr. 41, Beilage, über beabsichtigte Stereotyp-Bibelausgabe mit der Übersetzung von S.; Leopold Stein hatte im Volkslehrer die Besorgnis geäußert, die Übersetzung könne nicht gut genug sein
  • AZJ 1863, S. 186, Ausschreibung einer Lehrerstelle
  • AZJ 1864, S. 147f, Wechsel nach Prag
  • Albert Stern, Offenes Sendschreiben an Herrn Dr. A. S., Rabbiner in Prag, Pest 1870
  • Lippe 1879/81, S. 469f
  • Markus Hirsch, Trauerrede, gesprochen am Sarge des verblichenen Dr. A. S., Rabbiner und Prediger der Meiselsynagoge in Prag, Prag 1884
  • Samuel Back, Ein Wort der Wahrheit, gesprochen am Sarge des Rabbiners Dr. A. S., Prag 1884
  • Moritz Tauber, Ehre, dem Ehre gebührt! Worte der Trauer gesprochen am Sarge des seligen Herrn Dr. A. S., Prag 1884
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 765, 821, 850, Todesdatum 30. Aug. 1882
  • JE XI 540, gibt das Todesdatum mit 18. Sept. 1884 an, Heppner und Herzberg, S. 383, mit 30. Aug. 1882
  • Wininger V 605
  • Kisch, Alexander Kisch, S. 14; der Nachf. trat am 7. Okt. 1885 ins Amt
  • Echt, Schule, 357f
  • Schorsch, „Rabbinate“, S. 247
  • Wlaschek, Bohemia, S. 200
  • Domañska, ¯ydzi znad Gdañskiej Zatoki, S. 63f
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 168, 217
  • PK Poznañ-Pomerania, S. 35f
  • HÖAAJH, Bd. III, Nr. 10016
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 202, 228, 525, 530, 577, 608.