Sohn des Galanteriewarenhändlers Moses B. und seiner Frau Rebecka Moses, besucht das Gymnasium in Karlsruhe und betreibt talmudische Studien bei Ascher Löw und Jakob Ettlinger. WS 1826 imm. Würzburg, zugleich Schüler der Jeschiwa von Oberrb. Abr. Bing. 1828 prom. Würzburg, 14. Okt. 1830 Prüfung durch den bad. Oberrat und Rabbinatsdiplom von Oberlandesrb. Ascher Löw (1831 zweites Diplom von Ettlinger aus Mannheim und 1845 drittes von Nathan Adler aus Hannover), 1831 Rb. in Hildesheim, wo er auch der jüd. Volksschule vorsteht und „an den Sabbathen abwechselnd deutsche und jüdische Vorträge“ hält. In Hamburg 1. Mai 1832 Heirat mit Fani Tobias. Kandidat der Orthodoxen in Karlsruhe (1843). 1844 Teilnehmer der 1. Rb.-Versammlung, dann Standortwechsel zur traditionalistischen Richtung hin. 9. Mai 1845 Konsistorial-Oberrb. in Krefeld mit 3000 Francs (787 Tl.) Gehalt. Anhänger der konservativen „Theologen-Versammlung“ (1846) Z. Frankels. 17. Juni 1853 Einweihung der neuen Krefelder Synagoge. Mitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG 1858, S. 202, Nr. 493). Seine spätere Zeit wurde geprägt durch die Auflösung des Krefelder Konsistoriums zum 1. Jan. 1863 und „eine langjährige Nervenerkrankung“ (Zittartz-Weber, S. 325).
Dokumente
GLA Karlsruhe, 206/2210, „Register der Judengemeinde in Carlsruhe“, hat als Geburtsdatum den 1. Dez. 1808
HStA Hannover, Hann. 83b, Nr. 106, Trauungsbuch
¯IH Warschau, Berlin 4, Bl. 7-8, enthält Bewerbung in Berlin vom 9. Okt. 1836, mit Beigabe seiner gedruckten Predigten
LHA Koblenz 403/936, Bl. 101-158 (Wahl in Krefeld), Bl. 161-172 (Abschriften der Zeugnisse). Das Konsistorium rühmt am 28. Aug. 1844 vor allem „seinen liebenswürdigen Charakter und den Geist der Mäßigung“
GStA Berlin, Best. I, HA, Rep. 76, Tit. 3, Sekt. 35, Abt. XVI, Nr. 2, Bd. 4, Bl. 117, Gutachten des Krefelder Bürgermeister an den Kultusminister, 1857; B. halte sich „fern von allem politischen Treiben“
HStA Düsseldorf, Regierung Düsseldorf 3842, über Gehaltsumlegung, Aufhebung der Konsistorien gegen den Antrag B.s, Todesmeldung vom 5. Okt. 1868.
Publikationen
Drei Predigten: Der Glaube. Bruderhülfe. Die Schule, 1835
Drei Predigten: Die Tugend. Wandelt nach dem Ewigen. Die Ehepflichten, 1836
Das Neujahr: Predigt am ersten Tage des Neujahrsfestes 5600 in dem israelit. Tempel zu Hildesheim, Hannover 1839
Über Schule (Bet Midrasch) und Synagoge (Bet Hakneset) als Wirkungsbereiche des Rabbiners, IA 1840, S. 187
„Das Wohnen in den Zelten. Probe eines Beitrages zur hebr. Archäologie“, LdO 1841, S. 110- 112, 124-128, u. a. Beiträge zur Zschr. Der Orient (1841-50)
Das Testament unter Benennung einer Erbschaft, Krefeld 1847 (AZJ 1847, S. 383)
Das Testament unter der Benennung einer Schenkung nach rabbinischen Quellen, 1847-49; Rezension TZW 1847, S. 177f
„Be’ur be‘inyan qidduš ha-h. odäš“, Šomer S. iyyon ha-Nä’äman, S. 218, 220f, 224, 228f, 232, 236, 242
Predigt zur Einweihungs-Feier der Neuen Synagoge zu Crefeld, 1853
Die Rechte des Ehemannes auf die Güter seiner Frau
„Das Paraphrastische der arab. Übersetzung des R. Saadia Gaon“, MGWJ 4 (1855), S. 32-33
Wazo’th ha-Berachah. Der Segen Mosis. Wissenschaftliche Vergleichung der in der Waltonschen Polyglotte enthaltenen Uebertragungen mit Berücksichtigung der griechischen und arabischen Varianten, Krefeld 1857
Ha’azinu. Das Lied Mosis. Eine wissenschaftliche Vergleichung der in der Waltonschen Polyglotte enthaltenen Uebertragung mit Berücksichtigung der griechischen und arabischen Varianten, Krefeld 1858.
Epigraphik
Grabstein auf dem alten jüd. Friedhof in Krefeld; Inschrift bei Brocke u. a., Steine wie Seelen, S. 153-156.
Bildmaterialien
Bildnis: JNUL Jerusalem, Schwadron Collection.
Literatur
IA 1841, S. 205, Konfirmationsfeier
AZJ 1842, S. 64, Petition gegen Judeneid
Orient 1842, S. 106, aus Hildesheim: „und wahrlich, freudig ergreift es mich, durchlaufe ich das segensreiche Wirken dieses würdigen Mannes; rufe ich mir die Verdienste ins Gedächtniß zurück, die er um Schule und Tempel sich erwarb [...] Streng an unserm alten heiligen Glauben haltend, ohne jedoch hyperorthodox zu sein, wußte er auf eine geschickte Weise dem guten Alten, ohne es auch nur im geringsten zu verletzen, das Neue und Zeitgemäße anzupassen“
AZJ 1843, S. 281, Kandidat für das Landesrt. in Kassel
Orient 1843, S. 161 über die Karlsruher Intrigen
AZJ 1844, S. 495; Orient 1844, S. 274f über die Berufung nach Krefeld
Orient 1845, S. 274, Empfang des Königspaares
AZJ 1845, S. 165, preuß. Naturalisierung am 21. Feb
AZJ 1845, S. 349, 413f, 424, 550, Amtsantritt in Krefeld
Orient 1845, S. 388, Lob seines Wirkens
AZJ 1847, S. 119; 1850, S. 223, unterrichtet Rabbinatskandidaten
AZJ 1848, S. 252, feiert Revolutionäre
AZJ 1849, S. 467-471; 1850, S. 149f; 1852, S. 235, 297; 1853, S. 207; 1854, S. 144; 1858, S. 565; 1860, S. 302; 1862, S. 338; 1863, S. 73, Ordnung des Schulwesens, Lehrereinstellung und -konferenzen
AZJ 1852, S. 5, sabbatliche religionsphilosophische Vorträge über den Kuzari
AZJ 1853, S. 6, religiös-populärwiss. Sabbatgesellschaft „Chebra Schebet Jehuda“
AZJ 1852, S. 210, über Vorstellung beim König während Festakts in Moers
AZJ 1854, S. 247f, 287, 343f; 1859, S. 440, Sammlung für die Juden in Palästina
AZJ 1854, S. 530, 592, ehem. Konsistorium und Rb
AZJ 1856, S. 199f, Zirkularschreiben wg. Bibelübersetzung von Philippson
AZJ 1856, S. 660f, Bericht über seine Tätigkeit
AZJ 1858, S. 226ff, wg. Aufruf zu einer Rabbinerversammlung
AZJ 1858, S. 325f, beklagt Mangel an mod. Bibelkommentaren
„Verzeichniß der [...] Synagogen-Gemeinden“, 1858, S. 81f
AZJ 1861, S. 100, sammelt für holländische Juden in Wassersnot
Israel Schwarz, Rede am offenen Grabe des Oberrabbiners Löb Bodenheimer, Krefeld 1868; B. sei den „goldenen, nein, dornenvollen Pfad der Mitte“ gegangen (S. 7)
Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 247-248
Lippe 1879/81, S. 48
Kayserling, Gedenkblätter, S. 12
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 748, 768, 806
JE III 281, mit falschem Todesdatum 25. Aug. 1867
EJ dt. IV 905, falsches Todesdatum
Wininger I 415, falsches Todesdatum
Stockhausen in Krefelder Juden, Bonn 1981, S. 60-63
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 133
Zittartz- Weber, Rheinprovinz, S. 321-326, schwankt zwischen den Todesdaten 1868 (S. 320) und 1867 (S. 325)
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 186, 348, 406, 664.