Sohn des Breslauer Rb. Salomon T., Schüler des Chaim Auerbach in £êczyca (Luntschütz)
6. Mai 1829 verlobt mit Mirjam Bornstein von dort. Gehörte zum Kreis der orthodoxen Breslauer „Tempel-Schul“ in der ul. œw. Antoniego (Antoniengasse). Von zweihundert Gesinnungsgenossen schon am 24. Mai 1843 eigenmächtig zum Rabbiner der Breslauer Gemeinde gekürt, wird er Sept. 1847 amtlich als Rabbiner der Altgläubigen anerkannt. Den Konflikt mit Geiger versucht die Regierung am 26. Okt. 1844 dahingehend zu lösen, daß sie die Gesamtgemeinde einen zweiten Rabbiner wählen und T. zu dieser Wahl zuließ
dieser aber bewirbt sich nicht und bleibt Rb. der Orthodoxen. Unterzeichner des Aufrufs zu einer konservativen „Theologen-Versammlung“ (1846). Mit einer Kabinettsordre vom 30. Jan. 1854 wird ihm „der Titel als Landrabbiner in Schlesien verliehen“
zugleich wird er Seelsorger bei der Strafanstalt. Bei der Teilung der Gemeinde in zwei getrennte Kultuskommissionen wird er am 1. Juli 1856 orthod. Gemeinderabbiner mit 1.000 Tl. Gehalt. Im Kompert-Prozeß 1864 steht er auf Seiten der ungar. Trennungsorthodoxie. 20. Sept. 1869 dekoriert mit dem Roten Adlerorden vierter Klasse. Mit seinem liberalen. Kollegen Manuel Joël weiht er am die 29. Sept. 1872 die neue Breslauer Hauptsynagoge „Auf dem Anger“ ein. Vater des Romanisten Heinrich T. (1850-1936).
Dokumente
GStA Berlin, Rep. 89, Nr. 2023, vom 17. Sept. 1869 (frdl. Mittlg. von Manfred Jehle), Gutachten von Innenminister Eulenburg zur Ordensverleihung. T. habe „sich stets des besonderen Vertrauens der Behörden zu erfreuen gehabt und sich von jeher sowohl auf religiösen, als auch auf politischem Gebiete durch seine streng konservative Richtung und Gesinnung vortheilhaft ausgezeichnet“, sowie stets „das Bestreben an den Tag gelegt, seine Glaubensgenossen zu tugendhaften Menschen und treuen Staatsbürgern heranzubilden“. Geboren hiernach 1814.
Manuskripte
Nachlaß im ¯IH Warschau, Wrocław Nr. 909-911 Tiktinsche Nachlaßakten und die von ihm begründeten Stiftungen, 1837-1912; Nr. 912 Verträge, Vollmachten u. a. Unterlagen, 1843-1869 [= CAHJP Jerusalem, Mic. HM2/6227]; Nr. 913 idem, 1836-1862; Nr. 914 Korrespondenz, 1830-1866 [= CAHJP Jerusalem, Mic. HM2/6112]; Nr. 915 idem mit dem Ministerium, 1835- 1843 [= CAHJP Jerusalem, Mic. HM2/6113]; Nr. 916 idem, 1837-1870 [= CAHJP Jerusalem, HM2/6114]; Nr. 917 idem, 1855-1862 [= CAHJP Jerusalem, Mic. HM2/6227a]
Ebd., Prow. Pozn. 75 Korrespondenzen aus dem Tiktin-Nachlaß, 1830-1884.
Publikationen
Beitrag zur Bearbeitung der von Seiten der Behörde vor Kurzem an sämmtliche israel. Gemeinden des preussischen Staates gerichteten, den jüd. Kultus betreffende Fragen, Breslau 1843
Vier Approbationen, datiert Breslau 1845-1865; Löwenstein, Index, S. 198.
Epigraphik
Grab II 75 für ihn und seine Frau Chawa bat Schmuel auf dem Friedhof ul. Œlê¿na (Lohestr.) in Breslau; £agiewski, Wrocław, S. 31; Pantheon, S. 126, mit Photographie S. 131.
Bildmaterialien
JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis); bei Ziątkowski, Breslau, S. 71.
Literatur
Orient 1845, S. 82-83, 1846, 88
AZJ 1845, S. 100-102 Polemik gegen T. und seine Intrigen, man habe ihm bei der Anstellung keinerlei Zeugnisse abverlangt
Fürst, Bibliotheca, Bd. III, S. 431
„Verzeichniß der [...] Synagogen-Gemeinden“, 1858, S. 29
Lippe 1879/81, S. 500
AZJ 1886, S. 554
Brann in Fschr. Grätz, S. 278
Lewin, Lissa, S. 234
JE XII 146
Kastan, „Breslauer Erinnerungen“, S. 60f: „War der Vater ein rücksichtsloser, heißblütiger Fanatiker, so erwies sich der Sohn als ein geschmeidiger, sich den Umständen anpassender Diplomat, der indessen nie sein Ziel aus den Augen verlor. Während der berüchtigten Aera Manteuffel-Westphalen der fünfziger Jahre blühte auch Gedaljah Tiktins Weizen“, S. 61: „Tiktin erfreute sich selbst unter den orthodox gerichteten Gemeindemitgliedern keiner sonderlichen Wertschätzung. Seine Persönlichkeit hatte nichts Gewinnendes, in seinem Blicke offenbarte sich etwas Lauerndes und tatsächlich war er ein zur Intrige hinneigender Mensch. Dazu kam noch, daß die Meinungen über seine talmudischen Kenntnisse sehr weit auseinander gingen“, S. 62 „Mit der deutschen Sprache stand er auf einem mehr als gespannten Fuße“; er habe nach einigen mißlungenen Versuchen das Predigen wieder aufgegeben
JL IV2 950, danach geb. 1810, gest. in Czêstochowa
Heppner, Breslau, S. 34, 44, mit Porträt
Wininger VI 113
EJ eng. XV 1140
M. A. Meyer, „Rabbi G. T. and the Orthodox Segment of the Breslau Community (1845-54)“, Michael 2 (1973), S. 92-107
Meyer, Response to Modernity, S. 98, 111
Lucas und Heitmann, Glogau, S. 249-251
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 63, 78f, 98, 177