BHR Biographisches Portal der Rabbiner

TIKTIN, Salman

  • Geb. Febr. 1791 in Swarzêdz (Schwersenz), Großpolen,
  • Gest. 20. März 1843 in Breslau
  • Sohn des Rb. Abraham T., 1808 Heirat mit Rechel Landau, Tochter des Wolff L. aus Czêstochowa (Tschenstochau)
  • 1821 als Nachfolger seines Vaters für drei Jahre zum interimistischen „Stellvertreter“ des vakanten Oberrts. Breslau gewählt, als solcher am 9. Apr. 1823 von der Regierung bestätigt. Der Vertrag wird nur stillschweigend verlängert, später wird T. gängigerweise mit dem Oberrb.-Titel belegt. Gegen die Wahl des Reformtheologen Abraham Geiger als zweiten Rb. opponiert er am 27. Juli 1838 mit der Begründung, daß G. „in seiner Zeitschrift die Religion angreife, und überhaupt wer eine Universität besucht hat, kein rabbinisches Amt bekleiden dürfe“ (Ludw. Geiger, Geiger, S, 56). Nachdem T. Geigers Verständigungsversuche kategorisch zurückweist (IA 1841, S. 143), eskaliert der Konflikt zwischen beiden und ihren Anhängerschaften
  • im April 1842 wird T. vom Gemeindevorstand abgesetzt.

Dokumente

  • ¯IH Warschau, Wrocław Nr. 102 Anstellung Salomon Tiktin, 1821-1823 [= CAHJP Jerusalem, Mic. HM2/6081]; Nr. 99 Streitsache Geiger contra Tiktin, 1841-1842
  • Weitere Dokumente aus dem Geiger-Tiktin-Streit; GStA Berlin, Rep. 76-III, Sekt. 15, Abt. XVI Breslau Nr. 2, Bd. IIV
  • CAHJP Jerusalem, P 46, zwei Briefe von Wilhelm Freund mit Klagen über den „Obscurantismus“ T.s. „Lange hat er die besseren Bestrebungen innerhalb unserer Gemeinde daniederzuhalten vermocht. Endlich aber hat die Fortschritt wünschende Partei die Ueberhand gewonnen“ (23. Feb. 1838). Im Rückblick sei zu bedauern, daß die Breslauer Gemeinde „seit 17 Jahren mit einem so völlig unbrauchbaren, scheinbar orthodoxen, eigentlich aber nur erzträgen und eigennützigen Oberrabbiner belastet gewesen“ (4. April 1838).

Publikationen

  • Rede des Hrn. Oberrabbiners S. A. Tiktin, gehalten bei Gelegenheit der Versammlung der Gesellschaft für Armenbekleidung, genannt Henschelsche Stiftung. Nach dem Hebräischen frei bearbeitet, Breslau 1840
  • Darstellung des Sachverhältnisses in seiner hiesigen Rabbinats-Angelegenheit, Breslau 1842 (erschienen im Juni), enthält im Anhang Gutachten der Rabbiner von Posen und Lissa sowie S. 28-31 die Beschwerdeschrift der oberschlesischen Rabbiner gegen Geigers Wahl; siehe auch AZJ 1842, S. 462-466; Orient 1842, S. 227f
  • Anfrage (1832) an Moses Sofer in dessen Responsen EE I 55-56
  • Zweiundzwanzig Approbationen, datiert Breslau 1822- 1841; Löwenstein, Index, S. 198.

Epigraphik

  • Die Breslauer Grabinschrift (mitgeteilt bei Fuenn) rühmt ihn als Märtyrer der Orthodoxie: h. eref nafšo lamuth ‘al ha-torah weha-‘avodah.

Bildmaterialien

  • JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis); bei Ziątkowski, Breslau, S. 71.

Literatur

  • David Zamosc, „Zuruf an unsern Hochwürdigen Herrn Salomon Tiktin, Oberrabbiner in Breslau, bei Gelegenheit der Beziehung einer neuen Wohnung, 11. Nissan 5601“, hebr. Gedicht, LdO 1841, S. 287
  • Reaktionen auf den Tumult auf dem Friedhof, AZJ 1842, S. 368-372; Orient 1842, S. 1842, S. 197-200, 213-220, 227-231, 235f u. Beilage S. 1-2 über den „Anblick eines Reigenführers, der auf der Lärmtrompete seiner Autorität das: Steiniget, Steiniget! schreit, wozu ein Troß von fanatischen Duodez-Rabbinerlein Chorus macht“
  • „Zu den Breslauer Rabbinatswirren“, LdO 1842, S. 555, über Tiktin und seine rb. Mitstreiter: „Hat sich doch ihre Verachtung gegen die Wissenschaft schon genug dadurch gerächt, daß sie kaum im Stande sind, so oberflächliche und grundlose Angriffe, wie die bisherigen Geigers etc. gehörig zurückzuweisen“
  • Walden, Šem ha-Gedolim hä-h. adaš, S. 44
  • Fuenn, Kenäsäth Yiœra‘el, S. 322
  • JE XII 146
  • L. Geiger, A. Geiger, S. 50-66 über den „Geiger-Tiktin-Streit“
  • Heppner und Herzfeld, S. 979f (mit Bildnis): „Auch er war talmud. sehr gebildet u. sprach, was bei einem Rabb. der damal. Zeit etwas ganz Besonderes war, französisch“
  • JL IV2 950f, mit Bildnis
  • Heppner, Jüdische Persönlichkeiten in und aus Breslau, S. 44 (mit Bildnis auf S. 43)
  • Wininger VI 113
  • EJ eng. XV 1140, mit Bildnis (1141)
  • Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 159, Nr. 1659
  • Meyer, Response to Modernity, S. 77, 97, 110-112
  • Kinstlicher, Hä-„H. atham Sofer“ uvene doro, S. 206f
  • Lucas und Heitmann, Glogau, S. 248f
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 171-173, 175-177, 191
  • Ziątkowski, Breslau, S. 45
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 584, 587, 670.