BHR Biographisches Portal der Rabbiner

UNGER, Joachim Jakob, Dr.

  • Geb. 16. Nov. 1826 in Humenné (Homenau), Slowakei,
  • Gest. 16. Okt. 1912 in Jihlava (Iglau), Mähren
  • Sohn des Baruch U. und der Etta Zucker, 1840- 50 Jeschiwastudium in Uzhgorod (Ungvár) in der Karpato-Ukraine, Nové Mesto nad Váhom (Waag-Neustadtl) und zwei Jahre in Dunajská Streda (Dunaszerdahely) in der Slowakei, schließlich sechs Jahre bei Rb. Sal. Quetsch in Lipník (Leipnik) in Mähren, wo er das Rabbinatdiplom erwirbt und auch weltliche Studien betreibt
  • Abitur in Trenčín (Trentschin), Slowakei, danach Aufenthalte in Wien und Frankfurt/M., 17. Mai 1854 imm. Berlin, Förderung durch Michael Sachs und Prof. Moritz Lazarus
  • 6. Aug. 1858 prom. Halle
  • aus Berlin 1860 Bewerber in Brünn. 24. Sept. 1860 erster Rb. in Jihlava und Religionsprofessor an den Lehranstalten der Stadt. Heirat mit Johanna Fuchs, die den örtlichen jüd. Frauenverein begründete und bis 1904 dessen Vorsitzende war. 9. Sept. 1863 Einweihung der Synagoge gemeinsam mit Ad. Jellinek aus Wien. Mitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG 1865, S. 681, Nr. 650)
  • von Kaiser Franz Josef I. wurde er mit dem goldenen Verdienstorden ausgezeichnet.

Dissertation

  • Notationes de Asharis, Diss. Halle 1858; „behandelt eine Gattung der mittelalterlichen Poesie der Juden, Asharot (’azharoth), d. i. Mahnungen genannt, welche, in schwieriger Form abgefaßt, die ethischen Vorschriften des alten Testaments zum Gegenstande hat“ (Rödiger, 30. Juli 1858; UA Halle, Phil. Fak. II, Nr. 89).

Dokumente

  • UA Halle, Phil. Fak. II, Nr. 89, S. 1-6, Promotionsakten; S. 3 lateinische Vita
  • ÖStA/AVA Wien, Neuer Kultus, Israelitischer Kultus, D 5, vom 28. Juli 1875 und 8. Mai 1879 Briefe zur Überreichung zweier von ihm gedruckter Predigten
  • Weitere amtliche Korrespondenz aus Jihlava im dortigen Státní okresní archiv, Bestand Okresní uřad, Okresní národní výbor, Ji do r. 1949, Presidiálni registratura 1850-1949, Nr. 539 (kart. 6), 800 (kart. 7), 1000 (kart. 8), 1824 (kart.12), 2386 (kart. 15), 2808, 2848 (kart. 19), 4147 (kart. 29); nach Svìrák, „Prameny k dìjinám Židù na Jihlavsku“, S. 218, 229f
  • ŽM Prag, Nr. 53.426, Todesanzeige für Unger, „welcher durch mehr als 50 Jahre die Zierde unserer Kultusgemeinde und die Zierde seines Standes gebildet“.

Publikationen

  • (Wininger VI 162) Hebr. Arbeiten seit 1846 (in Kåchve Yis. h. aq), deutsche seit 1849 (Orient)
  • „Hä‘aroth wethiqqunim leha-’Azharoth šäl R. S. Ga’on weR. ’Eliyyahu ha-Zaqen. Bemerkungen und Emendationen zu den Asharoth“, in J. Rosenberg, Qoves. ma‘aœe yede ge’onim, Berlin 1856
  • „Pethih. ath R. S. G. la-’Azharoth šällo menuqqädäth umeforäšäth“, in Josef Kohn, ’Os. ar H. åchmah, Jahrg. IV, S. 1-10
  • Die Grundsäulen einer wahrhaft freisinnigen Verfassung. Festpredigt zur Jahresfeier der österreichischen Staatsverfassung, Predigt, Jihlava 1860
  • Israel’s Sendung. Eine Gedächtnisspredigt auf Dr. Gabriel Riesser, Obergerichtsrath in Hamburg, Jihlava 1863
  • Das jüdische Gotteshaus. Rede zur Einweihung des neuen isr. Gotteshauses in Iglau, Wien 1863
  • „Hebräische Philologie und biblische Exegese“, Mannheimer-Album, Wien 1864, S. 29- 39
  • „Beiträge zur hebräischen Sprachforschung und biblischen Exegese“, MGWJ 14 (1865), S. 16-25, 66-69, 94-101; 15 (1866), S. 455-466
  • „Etymologisches“, Abendland 1866, S. 132
  • „Bemerkungen über die phönizischen Opfertafeln von Marseille und Karthago“, ZDMG 24 (1870), S. 182-187
  • „Gutachten über die Statuten und Beschlüsse des israel. Landescongresses in Ungarn“, in Gutachten ausländischer Rabbinen, S. 26-29
  • Das Fürstenideal. Festrede zur synagogalen Vorfeier der Vermälung Ihrer kaiserlichen Hoheit, der Frau Erzherzogin Gisela, Jihlava 1873
  • Die Merkmale der gottberufenen Herrschermacht. Festpredigt zur Jubelfeier der 25jährigen Regierung Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I., Jihlava 1873
  • „Die Judenfrage in Preußen“, Neuzeit 1874, Nr. 30
  • Ein erhabener Tugendspiegel. Gedächtnissrede zur Trauerfeier für Seine Majestät den hochseligen Kaiser Ferdinand I., Jihlava 1875
  • „Ein verjährter Irrthum“, Neuzeit 1875, Nr. 7ff
  • Zwei strahlende Vorbilder. Festpredigt zur Jubelfeier der silbernen Hochzeit Ihrer Majestäten des Kaiserpaares Franz Josef I. und Elisabeth, Jihlava 1879
  • Mizmor le- Thodah, zum 70. Geburtstag von Prof. Franz Delitzsch, Iglau 1883, 1 Bl
  • Gedenkrede über Moses Montefiore (mit R. Plaut), hebr. Übs. von Moses I. Brettholz u. d. T. Qol Ya‘aqov Divre H. ayyim, Drohobych 1885, 28 S
  • ’Adam weH. awwah, hebr. Gedicht, Wien 1885, Neuaufl. 1911
  • Weitere Predigten, exegetische und poetische Beiträge zu Ha-Maggid, Ha-Näšär, Ha-Mevaœœer, Ben-Chananja, Abendland, Rezensionen zu Jeschurun (hrsg. Kobak), MGWJ, Ha-Maggid, mehrere Leitartikel, Feuilletons und Korrespondenzen in politischen Blättern. Werkausgaben. Higgayon ba-Chinor [Ps. 92,4]. Poemata hebraica tam dramatica quam lyrica et didactica, gesammelte hebräische Dichtungen, Fft./M. 1854, 108 S.; erweitert Wien 1885, 184 S.; dritte erweiterte Aufl. 1911, 182 S., mit einem Bildnis des Autors
  • Patriotische Kasualreden
  • Fest- und Sabbathpredigten, Prag und Breslau 1903
  • Gesammelte Aufsätze, 1908.

Literatur

  • Neuzeit, 1862, S. 113
  • Programm zur feierlichen Einweihung des isr. Tempels zu Iglau, Iglau 1963; dazu Neuzeit 1863, S. 447f., 460
  • Bewerbung um die Nachfolge von Prediger Mannheimer in Wien; Abendland 1866, S. 6
  • Lippe 1879/81, S. 505-507
  • Zeitlin, Bibliotheca, S. 401
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 821, 896
  • JE XII 343
  • Nachruf in Ost und West 1913, Sp. 79-80 (mit Bildnis)
  • Deutscher Volkskalender für die Iglauer Sprachinsel 1915, S. 94 mit Nachruf; ebd. 1919, S. 158 über seine Ehefrau
  • JL IV2 1110f
  • Gold (Hrsg.), Judengemeinden Mährens, 1929, S. 246 (mit Bildnis). „In persönlichem Verkehr war Dr. Unger von herzgewinnender Liebenswürdigkeit. Er war einer der edelsten Menschen, von einer seltenen Bescheidenheit und Herzensgüte“
  • Ujvári, Magyar zsidó lexikon, S. 925
  • Wininger VI 162, danach geb. am 25. Nov
  • Zu U.s Schülern zählte Gustav Mahler, der 1870-75 das Iglauer Gymn. besuchte; siehe Zdenìk Jaroš, Mladý Gustav Mahler a Jihlava, Jihlava 1994; „Jihlavští Mahlerové“, in Židé a Morava, 1995, S. 31-37
  • Zdenìk Jaroš, „Nìkolik poznámek k novodobé historii Jihlavských Židù“, in: Dotyky. Židé v dìjinách Jihlavska. Sborník k výstavì, Jihlava 1998, S. 30-42, siehe S. 32f
  • HÖAAJH, Bd. III, Nr. 10777
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 623.