BHR Biographisches Portal der Rabbiner

UNGERLEIDER, Rudolf, Dr.

  • Geb. 16. Sept. 1833 in Nitra (Neutra), Slowakei,
  • Gest. 25. Apr. 1911 in Berlin
  • Sohn des Moses U. und der Amalia, besucht in seiner Heimatstadt einzelne Klassen des Gymnasiums mit parallelem Talmudunterricht, mit 16 J. zur örtlichen Jeschiwa, mit 18 J. nach Prag, dort seit dem 15. Mai 1851 Besuch der talmudischen Lehrvorträge von Oberrb. S. L. Rapoport. 15. Dez. 1853 imm. Prag und vier Semester Studium, insbesondere bei W. Wessely und S. I. Kämpf
  • von letzterem am 24. Juli 1857 ordiniert. 28. Juni 1859 prom. Jena. 1860 Bewerbung in Brünn, um 1863 Rb. in Köszeg (Güns), Ungarn, Juli 1865 Rb. in Rawicz, Prov. Posen. 1869 Dajan in Berlin unter Abraham Geiger. Seine Frau war Therese Kadisch (1840- 1929).

Dissertation

  • Das Sein im Allgemeinen und das Dasein Gottes / Das oberste Sittenprinzip. Zwei philosophische Abhandlungen, Diss. Jena 1859.

Dokumente

  • UA Halle, Phil. Fak. II, Nr. 90, vom 15. Mai 1859, abgelehntes Gesuch aus Prag um eine Promotion in absentia
  • UA Jena, M 363, Bl. 234-260, 272; enthält die beiden Abhandlungen (18 + 27 Bl.), eine lateinische Vita, Abschriften der Universitätszeugnisse und der Zeugnisse von Rapoport und Kämpf
  • CJA Berlin, 75 A Ra 5 Nr. 10, fol. 203-204f. Vertrag in Rawicz vom 8. Mai 1865 ab 15. Sept. 1865, bei lebenslanger Anstellung. Wird schon Juli 1865 am Ort erwähnt.

Epigraphik

  • Das Grab der Eheleute (Friedhof Weißensee, Ehrenreihe, 33. Grab von rechts) weist eine Menora und weiteren reichen Grabschmuck auf. Die deutsche Inschrift verkündet: „Sein Leben - Segen, / seine Ruhestätte - Ehre“ (Mitteilung von Ulrich Quandt).

Literatur

  • Predigt in Köszeg am Kaisergeburtstag; Neuzeit 1863, S. 413
  • Wahl in Rawicz, AZJ 1866, S. 245
  • M. Pinner, Offenes Sendschreiben an das hohe Herrenhaus und Haus der Abgeordneten, Berlin 1870, S. 70: „daß derselbe in Ungarn geboren, niemals eine Schule oder ein Gymnasium besucht, aber in Prag die Erlaubniß erlangt hat, Vorlesungen zu hören“. Bezeichnet ihn als Reformer; er wurde nach Berlin berufen, „obgleich sein Dialekt für uns ganz unangenehm ist“
  • JP 1879, S. 248, „daß ja Dr. Ungerleider, der als conservativ gelte, nichts destoweniger bei dem Reformgottesdienst in der Oranienburgerstr. fungire“
  • Lippe 1879/81, S. 505: „Ungarleider, R., Dr., Prediger und Rabbinats-Assessor in Berlin. C. Grosse Präsidentenstrasse 3, I. Treppe“
  • A. H. Heymann, Lebenserinnerungen, Berlin 1909, S. 388, bezeichnet ihn als konservativ. „Ein ganz unschuldiges Männchen, das nichts zu sagen hatte, wenn Aub und Geiger redeten; aber er war seitens der Frau mit Wertheim verwandt, und es läßt sich also nichts dagegen einwenden, daß er zum Rabbiner der Berliner Gemeinde gewählt wurde. Wenn man jemanden, der an einem Feiertage die Synagoge besuchte, fragte: ,Wer hat denn dort gepredigt?’ so erhielt man in der Regel zur Antwort: ,Heute Ungerleider, gestern Aub leider oder Geiger leider.’“- Heppner und Herzberg, S. 894
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 548, 597.