BHR Biographisches Portal der Rabbiner

WÄLDER, Abraham, später Alfred W.

  • Geb. 20. Juli 1809 in Rexingen, Württ.,
  • Gest. 5. April 1876 in Laupheim
  • Sohn des Salomon Imanuel W. und der Eva Gideon [Eisner?], Talmudstudium am Lehrhaus in Hechingen, 1826-32 Jeschiwa und Lyzeum in Karlsruhe, SS 1833 imm. Tübingen, stud. dort 2 Sem., 1833/34 Univ. München für 3 Sem., Nov. 1835 Erste württ. Dienstprüfung, 4. Jan. 1836 Rabbinatsverweser in Jebenhausen, 9. Okt. 1839 Rabbinatsverweser in Berlichingen, 2. Mai 1840 Rb. in Berlichingen mit 500 fl. Gehalt, 16. Juni desselben Jahres Heirat mit der Rabbinerstochter Caroline Flehinger aus Bretten in Baden. Nov. 1840 bis März 1841 auch Rabbinatsverweser in Braunsbach. Setzt zu Pessach 1848 die Verlegung der Wahlen zur Bundesversammlung durch, kandidiert auch selbst. 1. Jan. 1852 Bezirksrb. in Laupheim.

Dokumente

  • StA Ludwigsburg, E 212/136, Prüfungsakten
  • HStA Stuttgart, Best. E 201c, Büschel 40 Freudental vom 29. Aug. 1839 und Berlichingen vom 26. März 1840, Gutachten der Oberkirchenbehörde zu seiner Person mit biograph. Angaben. Man habe am 5. Apr. 1837 eine Ordnungsstrafe gegen ihn verhängt, „weil er gegen einen ungehorsamen Sabbathschüler bei der Ertheilung des Religions-Unterrichtes in der Synagoge Schimpfworte ausgestoßen und demselben eine Ohrfeige gegeben hat“
  • HStA Stuttgart J 386/352 Blatt 190, Jüd. Familienbuch Laupheim.

Manuskripte

  • Nachlaß im CAHJP Jerusalem, „Laupheim“, D/La1/222-230. Enthält Entwürfe zu Rundschreiben bzgl. Friedhofsordnung, Gebetsreform, Braunschweiger Rabbinerversammlung etc., Memoranden zur Ersetzung der Konsistorial- durch eine Synodalverfassung, dazu Entwürfe: „Aufhebung der isr. Oberkirchenbehörde“, „Denkschrift über die Situation der mosaischen Kirche, resp. der israelitischen Geistlichen in Württemberg. September 1841“, „Statuten der Landes- Rabbiner-Versammlung im Königreich Württemberg“ (1847), „Denkschrift des Bezirks-Rabbinen Abraham Waelder in Berlichingen, die Organisation der kirchlichen Verhältnisse der Landes- Synagoge betreffend. Am 25. Mai 1848“; historische Arbeiten, darunter „Tabellarische Uebersicht der Geschichte des Israelitenthums seit der Schöpfung“ (Fragment), „Einiges gegen einen Aufsatz des Dr. Holdheim“, „Das deutsche Interregnum im 19. Jahrhundert“, Notizen über Amtsgeschäfte; Korrespondenz mit Amtskollegen und Vorsänger S. Einstein in Ulm, Mitgliedschaften im „Landwirtschaftlichen Verein“, „Israel. Lehrverein“ in Ulm, Gesangsverein „Frohsinn“. Biographischer Abriß vom 29. Sept. 1875 mit Aufstellung über die Entwicklung seiner Bezüge (nun 1.800 Mk. plus 400 Mk. Dienstalterszulage, d. i. 1050 fl + 233,20 fl.).

Publikationen

  • „Ein Scheidebrief, von Amerika nach Deutschland gesendet. Mitgeteilt von Rabbiner Waelder in Laupheim“, Der Israelitische Volkslehrer 5 (1855), S. 111-116
  • Nachruf an den verstorbenen Pfarrer Betzler in Laupheim am 25. Juli 1866 von Rabb. Waelder daselbst, 1866.

Epigraphik

  • Hüttenmeister, Laupheim, S. 288f, mit Photographien des Steins. Der kunstvoll gereimte hebräische Epitaph rühmt nacheinander „klaren Verstand“, lebenslange Liebe zu seiner Frau, eifrige Teilnahme am täglichen Gebet, lange Amtstätigkeit und erbauliche Predigt, Armenhilfe, Friedliebe, Bemühen um die Abtrünnigen. Das angegebene Geburtsdatum ist der 1. Juli.

Literatur

  • IA 1840, S. 104, 194f
  • AZJ 1848, S. 389
  • Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 263
  • Simon Einstein, Gedächtniss-Feier auf das Ableben des am 5. April 1876 in Laupheim verstorbenen Bezirksrabbiner Abraham Wälder, Ulm 1876
  • Elkan Weimann, Blätter zum ehrenden Andenken an den sel. Abr. Wälder, Stadt- und Bezirksrabbiner für Laupheim-Ulm, Ulm 1876, 18 S
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 805
  • Leo Adler, „Geschichte des Beth-hamidrasch in Hechingen“
  • Tänzer, Württemberg, S. 76
  • Zapf, Tübingen, S. 245
  • Schorsch, „Rabbinate“, S. 247
  • Berlinger, Berlichingen, S. 110
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 213, 406, 421, 498, 649, 650.