BHR Biographisches Portal der Rabbiner

WERTHEIMER, Akiba-Israel, bürgerlich Jakob VIKTOR

  • Geb. 1778 in Breslau,
  • Gest. 20. Mai 1835 in Altona
  • Sohn des Avigdor-Viktor Kywe (Akiba) aus Leszno (Lissa), Großpolen
  • Schüler Akiba Egers in Mirosławiec (Märkisch-Friedland), 1805 Klausrb. in Altona, zugleich Dajan und Hauslehrer bei Samson Goldschmidt, 1806 Rb. in Moisling b. Lübeck, siedelt nach der Emanzipation in die Stadt über. Bewerber um das Konsistorial-Oberrt. in Emden (1812). Als unter der Restauration die Juden wieder aus Lübeck vertrieben werden, muß ihn die verarmte Gemeinde entlassen
  • im Feb. 1816 kehrt er in seine Klausstelle nach Altona zurück, an der er allabendlich lehrt. Nach dem Tod Mendel Frankfurters übernimmt er 1822 den Vorsitz im schleswig- holst. Oberrt., verzichtet aber erst 1834 auf seine Klausstelle, als die jungen Gelehrten J. Cohn und I. Holländer aus Preßburg zurückkehren. W. war zumindest viermal verheiratet, von seinen Ehefrauen stammte Nanette Levy (1800-1823) aus Hamburg, Fogel Goldschmidt (gest. 1831) war Tochter eines Altonaer Gemeindevorstehers
  • seine letzte Frau Sophie überlebte ihn.

Dokumente

  • CAHJP Jerusalem, Inv. 1550/6, „Nahmen der von Moisling hierhier gezogenen jüdischen Hausväter“, Lübeck 9. Aug. 1816
  • LA Schleswig, Abt. 65, Nr. 1803 enthält u. a. Entscheid über die Vorladung auswärtiger Juden bei Gericht während der Choleraepidemie, 1831; Abt. 66, Nr. 4737 Antrag auf Erlassung des Schutzgeldes für 1827. Ebd. Abt. 80, Nr. 1144, Gesuch wegen Anlegung eines Judentors [Eruv] in Ahrensburg, 1830.

Manuskripte

  • Sendbrief an die Lübecker Juden vom 22. April 1816, in dem er sie auffordert, auf das einmal erlangte Ansiedlungsrecht trotz der vom Rat ausgeübten Repressalien nicht zu verzichten. „Seid tapfer und weichet nicht, weder Arm noch Reich“ (Carlebach, S. 36)
  • Carlebach S. 36f nennt an nachgelassenen hebr. Werken Kommentare zu Jesaja und den Psalmen, zum Talmudtraktat Git. t. in, zu YD und zu den Festzeitgesetzen (hilchoth yomt. ov), letztere unter dem Titel Nah. al ‘Onäg, mit dem Responsenband Šulyath ha-Nah. al. Ein Teil des Nachlasses befindet sich in der Sammlung StA Hamburg, Jüd. Gemeinden Nr. 1020, 2 Bde.

Publikationen

  • Moda‘ah Rabbah für bene qehillathenu [...] Zikkaron liVene Yiœra’el gegen das Tempel- Gebetbuch, 1819, 1 Bl. [Expl. JNUL L 1886], incipit: „Zäh yamim yas. a’ bidefus qunt. res meyuh. ad lithefillath ‘arvith wešah. arith lešabbath, uma‘thiqe thefillah ha-zo’th ‘averu gevul ’ašär gavelu ha-ri’šonim, gare‘u wehosifu keh. efäs. levavam ...“ (abgedruckt auch zu Anfang von ’Eläh divre ha-berith und bei Duckesz, ’Iwah leMošav, S. 104f.)
  • Gutachten für Hamburger, Œimlath Binyamin, II Nr. 12, für Ak. Eger, in ‘Olath Šemu’el 43d, etc
  • Sieben Approbationen aus Lübeck (1815) und Altona (1822-30); Löwenstein, Index, S. 36.

Epigraphik

  • Grabstein auf dem Friedhof Königstraße in Hamburg-Altona; siehe Grunwald, Hamburgs deutsche Juden, S. 304.

Bildmaterialien

  • Porträtlithographie mit der Unterschrift „E. V. Wertheimer, Rabbiner und Präses des Isr. Gerichts zu Altona“, siehe Grunwald, Hamburgs deutsche Juden, S. 149; auch JNUL Jerusalem, Schwadron Collection. Porträtgemälde von Pius Warburg, aus dem Besitz der Altonaer Jüdischen Gemeinde, reprod. bei Carlebach, S. 32; und bei Willy Aron, Hamburg moladethi: ‘ir wa’em be- Yiœra’el, New York 1967, S. 96/97. Das Gemälde befindet sich heute im Institut für die Geschichte der Juden in Deutschland, Hamburg, dort auch eine kleine Dokumentation von Martin Nicholson, Akiba Wertheimer (1778-1835) und Familie, 1980.

Literatur

  • Subskribent der Fürther Talmudausgabe (1832); darin als „Gaon“ betitelt
  • WZJT 1835, S. 274; „er war Pole und lebte noch ganz in der alten finsteren Zeit, glaubte eine geistliche Gewalt zu besitzen, die er in Bannflüchen und ande[re]n Früchten der Intoleranz äußerte, namentlich gegen den Tempel zu Hamburg, die sich freilich einer sehr geringen Beachtung erfreuten“
  • Graetz, Geschichte3, Bd. XI, S. 396, nennt ihn fälschlich „Akiba Eger II“
  • Duckesz, ’Iwah leMošav, S. xxix, 103-107
  • Heppner, Breslau, S. 45, Todesdatum sei 21. Ijar 1838
  • Joseph Carlebach, „Zwei große Altonaer Rabbinen“, Jahrbuch für die jüdischen Gemeinden Schleswig-Holsteins 8 (1936/ 37), S. 34-37: „Das bleibt das große geschichtliche Verdienst Rabbi Akiba Wertheimers, daß er in dieser Zeit der Krisis eine Spaltung verhütet und unsere gesamte Provinz in ihrer religiösen Einheit gerettet hat“ (S. 35). Er selbst freilich war „noch der echte altjüdische Typus eines östlichen Gaon“ (S. 36)
  • Winter, Moisling/Lübeck, S. 167f
  • Wininger VI 264; gibt als Todesjahr ebenfalls 1838 an, desgleichen Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 153, Nr. 1605
  • Hallah. mi, H. achme Yiœra’el, S. 262
  • Wolfsberg-Aviad, Drei-Gemeinde, S. 67f
  • Freimark, „Oberrabbinat“, S. 183
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 117, 515.