BHR Biographisches Portal der Rabbiner

WIENER, Adolph Meyer, Dr., hebr. Aron W.

  • Geb. 2. Feb. 1812 in Murowana Goœlina (Murowana-Goslin) in der späteren Prov. Posen,
  • Gest. 25. Aug. 1895 in Opole (Oppeln), Oberschlesien
  • Talmudstudium an Jeschiwot in Leszno (Lissa), dann in Posen als Schüler Akiba Egers
  • Ordinationen aus Danzig (Isr. Lipschütz) und aus seinem Heimatort. Erst im reiferen Alter zum Gymnasium in Szczecinek (Neustettin)
  • 3. Nov. 1835 bis 2. März 1839 Studium an der Berliner Universität, zugleich Schüler von Rb. Rosenstein am Bet-Midrasch. Um 1841 Vorsteher einer Privatschule in Posen
  • hält dort auch Predigten, was ihm von der Regierung als Neuerung verboten wird. 1845 Rb. in Zielona Góra (Grünberg), Schlesien
  • 1848 Rb. in Koœcian (Kosten) in der Prov. Posen (erhielt dort 300 Tl. Gehalt), als einziger Reformrabbiner der Provinz, 1853 Rb. in Opole. Als radikaler Gottesdienstreformer Teilnehmer der liberalen Kasseler Rb.-Versammlung (1868), Mitglied im „Deutschen Reichsverband jüdischer Religionslehrer“ (gegr. Breslau 1894), Religionslehrer am staatl. Burggymnasium. Verheiratet mit Auguste Hermann (st. 1895)
  • Großvater von Rb. Dr. Max Wiener (1882-1950).

Dokumente

  • LA Berlin, A Rep. 020-01, Nr. 2120, vom 20. Mai 1837, nennt Adolph Wiener, 18, aus Neustettin unter den sieben Hörern von Rb. Rosenstein; er ist der einzige, der neben seinen Talmudstudien die Universität besucht. Der Folgebericht vom 18. Mai 1838 meldet seinen Abgang vom Bet-Midrasch
  • StA Marburg Best. 307 d Nr. 79, vom 4. April 1842 zurückgewiesenes Promotionsgesuch bei der Marburger Phil. Fak. (frdl. Mitteilung von Herrn Dr. Gottfried Mehnert)
  • LHA Schwerin, Meckl.-Schw. Landesrabbinat Nr. 57, Bewerbungsschreiben vom 11. Okt. 1852
  • CJA Berlin, 75 A Ko 7 Nr. 12, Anstellung des Rabbiners Dr. Wiener, 1848-1861
  • Ebd., 75 A Ko 7 Nr. 13, Abgang Dr. Wieners nach Oppeln, 1853; darin fol. 1 vom 3. Mai 1853 Mitteilung des Vorstands an die Mitglieder wegen W.s Berufung nach Opole
  • AP Opole, Rep. 95 (Staatl. Burggymnasium Oppeln), Nr. 36 Personalakte Dr. Wiener, 1888-1895.

Publikationen

  • Gottesdienstlicher Vortrag am Geburts- und Huldigungstage Sr. Maj. des Königs Friedr. Wilhelms IV., gehalten in der Repräsentanten-Versammlung der isr. Gemeinde zu Posen am 15. Oct. 1840, Posen 1840
  • Predigten (AZJ 1848, S. 180)
  • „Aufmunterung zur Teilnahme an der projectirten Rabbinerversammlung“, AZJ 1868, S. 596
  • Die Opfer- und Akeda-Gebete. Ein Beitrag zur Orientierung in der Cultusfrage, Breslau 1869
  • Worte gesprochen an der Bahre der sel. Frau Rosalie verwitwete M. Cohn, Opole 1871
  • Zum 18. Oktober 1888. Saul und Jonathan. Zwei Gedächtnißreden, gehalten auf Ihre Majestäten, die beiden hochsel. Kaiser und Könige, weil. Wilhelm I. und Friedrich III., 1888
  • Die jüdischen Speisegesetze nach ihren verschiedenen Gesichtspunkten zum ersten Male wissenschaftlich-methodisch geordnet u. kritisch beleuchtet, 1895.

Bildmaterialien

  • Photographie in Plietzsch, „Leo Baeck“, S. 31.

Literatur

  • LdO 1841, S. 592; Inserat für sein privates Internat
  • AZJ 1850, S. 303f, mit der Behauptung, aus Gehorsam gegenüber dem seit der Reaktionszeit mit Orthodoxen besetzten Gemeindevorstand habe er seine anfänglich fortschrittliche Tendenz ganz ins Gegenteil verkehrt und hetze nun von der Kanzel gegen die Reformer
  • „Verzeichniß der [...] Synagogen-Gemeinden“, 1858, S. 37
  • AZJ 1859, S. 8, 281ff (Initiator und Gründungsmitglied des schles.-jüd. Lehrervereins)
  • „Der Don Quixote der seligen Casseler Rabbiner-Versammlung und seine neueste Heldenthat“, Israelit 1869, S. 373f
  • Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 306-307
  • Lippe 1879/81, S. 532
  • AZJ 1892, S. 51-53
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 803, mit Geburtsjahr 1814
  • Luah. ’Ah. i’asaf 4 (1896): „In der ersten Zeit nach seiner Ankunft in Oppeln verhielt er sich wie alle Gesetzestreuen, aber plötzlich änderte er seinen Standpunkt und wurde zum radikalen Reformer“
  • JE XII 515, mit Geburtsjahr 1811
  • Wreschner, „Eger“, II, S. 22
  • Heppner und Herzberg, S. 554, 638
  • Wininger VI 276, mit Geburtsjahr 1845
  • Seligmann, Erinnerungen, S. 86f, empfand den greisen W. 1887 „als letzte Säule des Reformjudentums [...] Ich unterhielt mich köstlich mit diesem jugendfrischen, kämpferischen Reformer, der über all die Programmpunkte der Rabbinerversammlung und das Breslauer Seminar seine kaustischen Bemerkungen machte, die von Witz und Ironie strotzten“
  • Maser und Weiser, Oberschlesien, S. 136f
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 150
  • Borkowski, „Opolscy ¯ydzi“, S. 14-16, hier auf Tafel 7 Wiedergabe der Todesanzeigen der Familie, des Gemeindevorstands und des jüdischen Frauenvereins, dessen Vorsitzender er war.