Geb. 24. April 1836 in Uherský Brod (Ungarisch- Brod), Mähren,
Gest. 27. Jan. 1917 in Breslau
Sohn des Rabbinatsassessors Samson Z. und der Peppi, als Kind von der Mutter verwaist, 1849 nach Leipnik zur Jeschiwa des Rb. Sal. Quetsch, 1850-55 zum Gymnasium nach Mikulov (Nikolsburg), zugleich Schüler bei Landesrb. S. R. Hirsch, dann erneut bei dem ihn ablösenden Sal. Quetsch, nach dessen Tod 1856 zum Jüdisch- theologischen Seminar nach Breslau, 1860 Abitur, 5. Juni 1860 imm. Breslau und Triennium. 7. Apr. 1863 prom. Jena
27. Jan. 1864 Rabbinatsprüfung am Seminar „mit Auszeichnung“, 1864 Rb. und Religionslehrer in Gniezno (Gnesen), 1869 Rb. in Mirosławiec (Märkisch-Friedland), 1876 mehrmonatiger Forschungsaufenthalt wg. Tosseftastudien in Wien
1876 Rb. in Pasewalk, Vorpommern, 1881 Oberrb. in Trier, 1890 Rb. in Pleszew (Pleschen), Prov. Posen, gibt aber die Stelle nach kurzer Zeit auf, um sich ganz der Forschung zu widmen, 1. Apr. 1898 wird er zum Klausrabbiner am Mora-Leipziger-Stift in Breslau ernannt.
Dissertation
Die jüdische Familie in moralischer und rechtlicher Beziehung nach mosaisch-talmudischen Quellen, Diss. Jena 1863, ursprünglich Preisarbeit des JTS unter dem Titel Die Familie in moralischer und rechtlicher Beziehung nach mosaisch-talmudischer Lehre, 1862.
Dokumente
AU Wrocław, F 437, S. 32, Matrikeleintrag
UA Jena, M 379, Bl. 212-222, 228, Promotionsakten, mit Diss. (115 S.) und lat. Vita; Geburtsdatum hier 8. Mai 1836
ŽM Prag, Nr. 128.402, S. 401-403, mit Vita vom 24. Mz. 1889: „Meine religiöse Richtung ist die conservative. Ich habe mir meinen verehrten Lehrer, Herrn Dr. Z. Frankel, zum Muster genommen, der bei wissenschaftlicher Behandlung des Talmuds streng conservativ lebte. Die mir angebotenen großen Stellen habe ich ausgeschlagen, weil der Cultus reformiert war“. S. 406 Empfehlung von H. Graetz vom 8. Aug. 1889: „Er ist ein bedeutender lamdan [Talmudgelehrter], hat die tosefta’ aus einer Handschrift mit kritischem Apparat herausgegeben, ist fromm im alten Sinn und friedfertig“. Am 24. März 1889 schrieb Graetz, daß Z. „von aufrichtiger, ich möchte sagen, altpatriarchalischer Frömmigkeit beseelt ist, dabei friedfertig, ’ohev ’eth ha-yeqom we’ohev ’eth ha-beriyyoth [er liebt das All und seine Geschöpfe], nur außerdem eine bedeutende wissenschaftliche Begabung und Leistungsfähigkeit besitzt“.
Manuskripte
Korrespondenz in JNUL Jerusalem, 4° 1222/66-70, 72, 73 (Nachlaß S. Buber).
Publikationen
Artikel in der MGWJ: „Der talmudische Begriff Berera“, MGWJ XVII, S. 369-377
„R. Joses chronologischer Kalender in Sabbat 15a“, MGWJ XX, S. 460-462
„Über Beurtheilung von Zweck und Absicht bei Übertretung religiöser Verbote nach dem Talmud“, MGWJ XX, S. 542-547; XXI, S. 37-43, 76-87, 155-160
„Sprachliche, lexikalische und exegetische Bemerkungen“, Lbl I, S. 14, 26, 62, 76, 90
„Zur Halachakritik“, MGWJ XXI bis XXIII
„Schicksale des Talmud in der Zeit vom 13. bis 16. Jahrhundert“, Lbl II, Nr. 1, 2, 4
„Lexicalisches und Archäologisches“, MGWJ XXII, S. 420-430, 470-477
„Maimonides’ Einleitung zu Mischne Thora“, MGWJ XXII, S. 279-282
„Erklärung einer missverstandenen charakteristischen Boraitha, Bechorot 28a“, MGWJ XXII, S. 373-378
„Eine Worterklärung“, MGWJ S. 49-52
Edition der Tosefta. Predigten, etwa Zwei Predigten, gehalten am Friedensfeste, 11. November 1866, und am Sabbat Teruma, Gnesen 1867
Die Erfurter Handschrift der Tossefta, beschrieben und geprüft, Berlin 1876, 117 S
„Tosefta, Tosefta, Tosefta?“, Lbl V, S. 53
„Estori Parchis Toseftacitate“, Lbl V, S. 62
„Ordnung der Traktate in der Wiener Handschrift der Tosefta“, Lbl VI, S. 14, 18, 23, 26
„Erhaltene Trümmer eines dritten Toseftacodex“, Lbl VII, S. 78, 82
„Der Wiener Tosefta- Codex“, Jüdisches Literaturblatt 1877 [Separatdruck JNUL S39-B-1445]
„Hä‘aroth lehigah la-Tosefta’“, Ha-Maggid 1878, Nr. 46
„Über zivilrechtliche Dokumente“, Lbl VIII, S. 28
„BWLGS BWLNS H. WLYT H. WLYTY“, Ha-Maggid 1879, Nr. 43
Predigt zum Geburtsfeste Sr. Maj. des Kaisers und Königs Wilhelm, Pasewalk 1879, 8 S
Tosefta nach den Erfurter und Wiener Handschriften mit Parallelstellen und Varianten hrsg., Pasewalk 1881, lxliv + 690 S.; 2. Aufl. 1937; photomech. Nachdrucke unter dem Titel: Tosephta, based on the Erfurt and Vienna codices, with parralels and variants, Jerusalem 1963, 1970. Darüber das Urteil von Günter Stemberger in Hermann L. Strack, Einleitung in Talmud und Midrasch. Siebente, völlig neu bearbeitete Auflage, München 1982, S. 159f: „Zu ihrer Zeit war die Ausgabe eine große Leistung, auch wenn sie nicht voll zufriedenstellt. Noch durch keine andere Gesamtausgabe ersetzt“
„Erklärung einer Tosefta-Stelle“, Lbl IX, Nr. 10
Selbstanzeige der Tosefta-Edition in Göttinger gelehrte Anzeigen 1881, Nr. 23/24, S. 717-741
„Tosefta-Varianten“, Lbl X, S. 22, 99, 150
„Tosefta-Varianten“, MGWJ XXIX bis XXX; Sonderabdruck Trier 1881, 40 S
Supplement, enthaltend Übersicht, Register und Glossar zur Tosefta, Trier 1882
„Tosefta und ihre Bedeutung für die Wissenschaft“, Lbl XI, S. 86, 98, 102
Predigt zur Erinnerungsfeier an das 25jährige Bestehen der neuen Synagoge zu Trier, Trier 1884 [Expl. JNUL OG 2104]
Referat über Religionslehre, erstattet in der vom D. J. G. B. einberufenen Delegirten-Versammlung von Schulmännern am 30. Dezember 1884, Trier [1888], 7 S. [Expl. JNUL 63-B-4214]
Predigt zur Trauerfeier Sr. Majestät des Kaisers und Königs Friedrich III., Trier 1888
Spruchbuch, enthaltend biblische Sprüche aus dem Gebetbuche, geordnet nach den Erzählungen der biblischen Geschichte nebst einem Anhange zum Zwecke des elementaren Religionsunterrichtes in isr. Schulen, 2 Bde. Fft./M. 1889- 90
Der Unterricht in der Religionslehre nach meinem Spruchbuch, Vortrag, Trier 1889
Vokabularium und Grammatik zu der hebräischen Versen des Spruchbuches, 1890
„Nachtrag zu meiner Tosefta-Ausgabe“, MGWJ XLIII, S. 189-390; verbesserter Separatabdruck Berlin 1899
(Hrsg.) Samson Zuckermandel, Simson, ein biblisches Drama in vier Akten, hrsg. und mit einer dt. Einleitung versehen, 1908
Mein Lebenslauf, Breslau 1915, 47 S
Tosefta, Mischna und Boraitha in ihrem Verhältnis zu einander, oder palästinensische und babylonische Halakha. Ein Beitrag zur Kritik und Geschichte der Halacha, 2 Bde. Fft./M. 1908-10
„Die Befreiung der Frauen von bestimmten religiösen Pflichten, nach Tosefta und Mischna. Ein Beitrag zur Entwicklung der Halacha“, in: Festschrift zu Israel Lewy’s siebzigstem Geburtstag, hrsg. Ismar Elbogen und Markus Brann, Breslau 1911
Predigten im Isr. Predigt-Magazin (hrsg. Rahmer), Artikel in der Jewish Encyclopedia. Werkausgaben. Gesammelte Aufsätze, 3 Bde. Fft./M. 1911-13
Predigten, Bd. I: Festpredigten, Fft./M. 1911
Festpredigten, 2 Bde. Fft./M. 1915.
Bildmaterialien
Bildnis in Ost und West 1904, Sp. 767.
Literatur
Jahresbericht JTS 9 (1864), Anhang, S. 1
AZJ 1864, S. 687; 1865, S. 55 Berufung nach Gniezno
Lippe 1879/81, S. 554
Brann, Jüd.-theol. Seminar, S. 204
Frankl-Grün, Ungarisch- Brod, S. 56f
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 822
Kürschner, Literatur-Kalender, 1898
JE XII 698
Hamburger Isr. Familienblatt 1906, Nr. 18
Heppner und Herzberg, S. 408, 701
AZJ 1917
JL IV2 1638
Wininger VI 374
EJ eng. XVI 1229f
Zenz, Trier, Bd. II, S. 205, „mußte die Spaltung der Trierer Juden lange hinnehmen“
Fiedler, Jewish Sights of Bohemia and Moravia, S. 189
PK Poznañ-Pomerania, S. 48
HÖAAJH, Bd. III, Nr. 11721
Biographischbibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XIX (2001), Sp. 1599f