Sohn des späteren Distriktsrabbiners von Aschaffenburg, Simon-Simche B. und der Tochter des Pariser Kunsthändlers Jacob Tedesco, Adelaïde (1834-1901), Bruder von Moses Löb B. (1869-1924) und Enkel von Seligmann-Bär B. Erster Unterricht beim Vater, 1879 Eintritt in das isr. Lehrerseminar in Würzburg, Aug. 1881 Abschlußprüfung. Einjähriger Besuch der Lehrerkonferenzen in Aschaffenburg, 1883-1884 RS und Univ. Berlin, 1884-1885 Univ. Würzburg und Besuch der talmudischen Vorlesungen des Vaters, 1885-1886 Univ. München, 1887 Promotion in Leipzig. 1889 Bewerber in Obornik, 1891 in Allenstein. 1891 Rb. in Schwersenz (Swarzêdz), Posen. 1891 und 1893 Bewerber in Altona mit Referenzen vonWolf Feilchenfeld, Posen, und Nathaniel Ehrenfeld, Prag/Gnesen
Ordination von Hildesheimer, Simon Hurwitz in Leipzig, Marx Michael Kohn in Kleinerdlingen und Markus Horowitz und Salomon Breuer in Frankfurt/ M.
1899 Bewerber in Myslowitz
wurde seinerseits von Pinne, Obornik und Schildberg umworben. 3. Nov. 1892 bis 1902 Rb. in Schrimm (Œrem)
die Wahl in Schrimm mußte am 21. April 1892 wegen eines Formfehlers wiederholt werden. In Schrimm zugleich Leiter der Religionsschule und jüd. Religionslehrer am Gymnasium. Seit 8. Nov. 1902 (Wahl 1900) bis 1932 Bezirksrb. in Bad Kissingen, Religionslehrer an Mittelschulen
im 1. WK Feldrabbiner. Mitbegründer und erster Vorsitzender des Israelitischen Kurhospizes Bad Kissingen. Tätig im Orthodoxen Rabbinerverband und in der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Deutschland e. V., Mitglied im Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Bayerns und der Freien bayerischen Rabbinerkonferenz. Mitglied des Rates im Verband der Bayerischen israelitischen Gemeinden, Kuratoriumsmitglied der ILBA Würzburg, Mitglied der Pensions- und Reliktenkasse bayerischer Rabbiner. Mitglied im Deutschen Reichsverband jüdischer Religionslehrer, Mitglied im Verein israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen (um 1902). Seit 29. Mai 1890 verheiratet mit seiner Cousine Nanette Bamberger, Tochter von Moses Löb B. (1838-1899)
sieben Kinder
seine Tochter Sarah Gaia (geb. 12.07.1891) heiratete 1918 Rb. Dr. Aharon Neuwirth in Mainz
seine Söhne Simon Simcha und Moses Löb wurden ebenfalls Rabbiner
die Tochter Adelaide (geb. 21.12.1905) emigrierte im September 1934 nach Palästina
Seligmann (geb. 20.01.1896) zog 1920 von Kissingen nach Hamburg
die Tochter Jyras (geb. 28.04.1898) verzog 1927 nach Frankfurt/M., Kehla (geb. 04.01.1893) wurde am 24.04.1942 ins KZ Izbica deportiert.
Dissertation
Lekach Tob, ein aggadischer Kommentar zu Megillat Ruth von Rabbi Tobia ben Eliezer: Einleitung, Diss. Leipzig 1887 (Würzburg und Aschaffenburg/Mainz 1887; Nd. [Peruš leqah. t. ov ‘al megilat Rut] Jerusalem 1968).
Dokumente
CJA Berlin, 1, 75 C Pe 1 Nr. 1, fol. 1; 75 A Schr 1 Nr. 13, fol. 36-36v; Al 1 Nr. 64, fol. 90
StA Hamburg, Bestand 741-4 (Fotoarchiv), Sa 1043: Jüd. Gemeinden 210 Bd. 1, fol. 15-16
Ebd. Bd. 2, fol. 52f., 65-72
UA Leipzig Phil. Fak. Prom. 4383
StadtA Bad Kissingen.
Publikationen
Hechschar utwilas Kelim: enthaltend die Religions-Vorschriften bezüglich der Benützung von Geräthen zur Speise-Bereitung, Glühen (Libun), Kaschern (Hag‘ala), Tauweln (T. evilat kelim), Frankfurt/M. 5644 [1883/84]
Hrsg. von Abraham Bing, Zichron Avraham. H. idušim we-hagahot ‘al šulh. an ‘aruch orah. h. ayim, Preßburg 1892
Pirqê avôt. Sprüche der Väter zum Schulgebrauch und Selbstunterricht übersetzt und erklärt in jüdisch-deutscher Schrift, Frankfurt/M. 1897, 2. Aufl. 1914, 3. Aufl. 1935; Sonder-Ausg. des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten, Landesverband Südwestdeutschland, Frankfurt/M. 1934; Nd. Zürich 1950, Basel 1959, 1981, 1995, 2003
Offene Frage über den allgemeinen Rabbiner- Verband Deutschlands. Von einem conservativen Rabbiner, Straßburg 1899
Trauerrede bei der in der Synagoge zu Bad Kissingen am 25. Marcheschwan veranstalteten Trauerfeier um den verewigten Herrn Distriktsrabbiner Moses Löb Bamberger, 1899
„Die neue Pentateuch- Uebersetzung. Einige vorläufige Bemerkungen“, Israelit 25.05.1899 (Jg. 40, Nr. 41)
„Eine kurze Betrachtung der vier Sabbate“, Israelit 05.03.1900 (Jg. 41, Nr. 19)
„Paraschat hàchodesch“, Israelit 29.03.1900 (Jg. 41, Nr. 26), Erste Beilage, S. 527f
„Zum Peßach- Feste“, Israelit 12.04.1900 (Jg. 41, Nr. 30/31), S. 619-621
„Be-s. e’ti mi-mis. rayim, be-s. e’ti mirušalayim. Zu den drei Wochen“, Israelit 19.07.1900 (Jg. 41, Nr. 58), S. 1177f., u. 26.07.1900 (Jg. 41, Nr. 60), S. 1217-1219
„Der 7. Adar, der Todestag unseres großen Lehrers Mosche rabenu ‘alaw ha-šalom, der Beerdigungstag seines großen Jüngers, Rabbi Schimeon Hurwitz zs. “l in Leipzig“, Israelit 21.02.1901 (Jg. 42, Nr. 15), Erste Beilage, S. 339f., u. 25.02.1901 (Jg. 42, Nr. 16), Erste Beilage, S. 371f
Amira le-vet Ya‘akov. Die drei besonderen Pflichten der jüdischen Ehefrauen: Niddah, Challah, Hadlakah von Seligmann Baer Bamberger, Bearbeitung in lateinischen Lettern von Seckel Bamberger, Frankfurt 1910, 21922; 41935; bis 1930 seien von diesem Werk etwa 50.000 Exemplare abgesetzt worden
„Sprechsaal. Eine aktuelle Frage (Leserbrief zus. mit M. L. Bamberger/Schönlanke)“, Israelit 01.09.1921 (Jg. 62, Nr. 35), S. 6
„Die Schächtfrage. Eine Erwiderung“, Münchner Neueste Nachrichten 19.09.1926
„Fragen und ihre Beantwortung“, Israelit 25.11.1926 (Jg. 67, Nr. 48), S. 2f
Hrsg. der Responsen seines Vaters, Net. i‘a šel Œimh. a, Deva 1928, Nd. Jerusalem 1972
„Nochmals: Gottesdienst in Kissingen (Leserbrief)“, JLZ 11.09.1929 (Jg. 9, Nr. 37), S. 8
Amirah Le-Beth Jakob, Frankfurt/M. 1930
„Bemerkungen zu den laufenden Thoraabschnitten“, Israelit 07.11.1935 (Jg. 76, Nr. 45), S. 4f., zur ersten Jahrzeit erschienen
„Bemerkungen zu Talmudstellen“, Israelit 29.10.1936 (Jg. 77, Nr. 43), S. 4, zur zweiten Jahrzeit erschienen
Einige seiner Responsen in Še‘arit Œimh. a (Responsen seines Sohnes Simon Simcha B.), hrsg. von G. Bamberger, der Witwe Simon Simcha Bambergers, Jerusalem 1969.
Bildmaterialien
IFH 15.11.1934 (Nr. 46), S. 3
IFH 03.01.1935 (Nr.1), S. 3
PK Bavaria, S. 420.
Literatur
Israelit 12.09.1892 (Jg. 33, Nr. 73), S. 1405
Israelit 06.08.1900 (Jg. 41, Nr. 63), S. 1296
Wininger I, S. 233
Israelit 24.11.1927 (Jg. 68, Nr. 47), S. 7
IFH 01.12.1927 (Nr. 48), S. 2
Israelit 14.07.1932 (Jg. 73, Nr. 29), S. 11
BIG 01.11.1934 (Nr. 21), S. 442
Israelit 01.11.1934 (Jg. 75, Nr. 44), S. 13, Nachruf; „Die unerbittliche Konsequenz in der Festhaltung und Durchführung seiner religiösen Grundsätze, die nach außen manchmal seinem Wesen einen herben Zug zu verleihen scheinen konnte, paarte sich wohlwollend mit den Aeußerungen eines liebreichen, gütigen, wahrhaft kindlichen Gemüts, eines warm fühlenden Herzens, das helfend eingriff, wo immer es konnte.“- Israelit 22.11.1934 (Jg. 75, Nr. 47), S. 10, 13
IFH 15.11.1934 (Nr. 46), S. 15
Israelit 28.11.1935 (Jg. 76, Nr. 48), S. 12, zur ersten Jahrzeit
Wininger VII, S. 518
Magnus Weinberg, Die Memorbücher der jüdischen Gemeinden in Bayern, Bd. 1, München 1937, S. 115