BLEICHRODE, Isidor, Dr., auch Isaak B., hebr. Abraham Zewi B.
Geb. 22. Okt. 1867 in Stettin (Szczecin), Pommern,
Gest. 4. Febr. 1954 in Jerusalem.
Sohn eines Kaufmanns, Urenkel von Akiba Eger. Gymnasialbildung in Stettin und Krotoschin (Krotoszyn), 1887 Abitur, anschl. Univ. und RS Berlin. 1894-1917 Prediger und Religionsschuldirigent des Luisenstädtischen Brüdervereins Ahawas Reïm in Berlin, Synagoge Prinzenstraße/ Dresdner Straße. 13. Aug. 1904 Promotion in Gießen. Um 1913 bis 1926/27 stellvertretender Leiter der VII. Religionsschule Annenstraße 1b, seit 1919 auch Leiter der Religionsschule der Brüdergemeinde in Neukölln (XI. Religionsschule). März 1920 bis 1932 Rb. der orthodoxen Gemeindesynagoge Berlin-Kreuzberg, Kottbusser Ufer. Seit 1913 im Waisenrat des Zentral-Waisen- und Mädchenheims zu Bad Ems
Vorsitzender der „Vereinigung jüdischer Religionslehrer Berlins“
um 1926 Kursleiter zur Ausbildung konservativer Religionslehrer und -lehrerinnen. Widmete sich bes. der religiösen Jugenderziehung, u. a. durch Jugendgottesdienste in einem Seitentrakt der Synagoge am Kottbusser Ufer. Dozent an der Freien jüdischen Volkshochschule in Berlin
Mitglied im ADR und in der Vereinigung traditionellgesetzestreuer Rabbiner Deutschlands
7. März 1929 Mitbegründer des „Jüdischen Friedensbundes“
Mitglied der Berliner Kaschruth-Kommission
1906 Unterzeichner der Erklärung „Gegen die Organisationsbestrebungen des Gemeindebundes“. 1932 Ruhestand
Emigration nach Jerusalem. Gershom Scholem über ihn: „[...] war ein stiller und sehr frommer Mann von ungewöhnlich gelassenem und freundlichem Wesen.“ Er blieb unverheiratet.
Dissertation
Maimonides' Commentar zum Tractat Sanhedrin, Abschnitt IV-V. Arab. Urtext mit verbess. hebr. Übs., deutscher Übs. und Anmerkungen, Diss. Gießen 1904 (Berlin).
Dokumente
CJA Berlin, 1, 75 C Ra 1 Nr. 15, fol. 20; Nr. 18, fol. 186.
Publikationen
Sidur sefat emet, (Hrsg.) 1906
„Gerechtigkeit”, Israelit 07.02.1907 (Jg. 48, Nr. 6)
„Der Siddur im Spiegel der jüdischen Geschichte“, Jeschurun [NF] 3 (1916)
„Von Dreien, die gegessen haben von D. Frischmann (Übersetzung)“, Jeschurun [NF] 4 (1917)
„Aus der alten Zeit von N. Samuely (Übersetzung)“, Jeschurun [NF] 4 (1917) und 5 (1918)
„Das Schophar in den sibirischen Wäldern von Mordechaj Katz (Übersetzung)“, Jeschurun [NF] 7 (1920)
„Worte eines altmodischen Maggid. Betrachtung zu parašat be-šalah. “, JWB 29.01.1926
„Die Nachkommen Isaaks. Zu parašat wa-yera“, JWB 11.11.1927
„Die Berliner Rabbiner-Gutachten [zur Frage des Zusammensitzens in der Synagoge Prinzregentenstrasse, von L. Baeck, I. Bleichrode u. a.]“, JLZ 22.02.1929 (Jg. 9, Nr. 8), S. 4. 1899 Hrsg. einer Pentateuchübersetzung in fünf Bänden, zus. mit J. Wohlgemuth; 7. Aufl. 1939, H. amiša h. umše tora ‘im targum aškenazi.
Bildmaterialien
IFH 14.10.1926 (Nr. 41), Steininger, Fiche 054/14
IFH 13.10.1927 (Nr. 41), S. 2
Wegweiser, 1987, S. 142.
Literatur
Israelit 05.01.1905 (Jg. 46, Nr. 2), S. 21
Handbuch 1913, S. 17, 24, 29
Israelit 15.04.1920 (Jg. 61, Nr. 15), S. 6
Jüd. Jahrbuch 1926, S. 325, 328
IFH 13.10.1927 (Nr. 41), S. 2
IFH 23.09.1937, zum 70. Geburtstag von Dr. Bleichrode
Sinasohn, Privatsynagogen, S. 68
Gershom Scholem, Von Berlin nach Jerusalem. Jugenderinnerungen, Frankfurt/ M. 1977, S. 63f.; erweiterte Fassung ebd. 1994, S. 49
Heuer, Bibliographia 1, S. 35
Wegweiser, 1987, S. 142, 164
Walk, Kurzbiographien, S. 36
Wolff, 1988, S. 108
Krüger, 1993, S. 217, 220, 222
Hildesheimer, RS, S. 28
Elisa Klapheck (Hrsg.), Fräulein Rabbiner Jonas. Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden, 1999, S. 26
Barbara Schäfer, Berliner Zionistenkreise. Eine vereinsgeschichtliche Studie, Berlin 2003 [minima judaica 3], S. 60