BHR Biographisches Portal der Rabbiner

JAULUS, Heinrich, Dr.

  • Geb. 4. Aug. 1849 in Vecs an der Waag (Nové Mesto nad Váhom), Ungarn,
  • Gest. 19. Jan. 1927 in Aachen.
  • Sohn des Philipp J. und seiner Frau Regina, geb. Eckstein
  • Elementarschule und Gymnasium in Pest, 1867 Maturitätsexamen, Univ. ebd., 1868-1875 Univ. und JTS Breslau, Aug. 1870 Promotion in Tübingen, vermutl. vor 1878 auch an der HWJ. 1876 Heirat mit Mathilde Cohn aus Krotoschin, Polen (1854- 1919, fünf Kinder)
  • seit März des Jahres liberaler Rb. in Aachen. Zunächst Mitglied im ADR, Austritt am 26. April 1889. Religionslehrer am Kaiser-Karls-Gymnasium Aachen, Königlicher Schulinspektor für die jüd. Schulen im Regierungsbezirk Aachen
  • Mitglied im Zentralausschuß „Deutsch-Israelitisches Lehrerheim“. Mitglied/Ehrenmitglied des Israel. Männervereins Chevrath Gemillut-Chassadim Aachen, Vorstandsmitglied der Vereinigung für das liberale Judentum, Ortsgruppe Aachen, Vorsitzender/Ehrenvorsitzender des Israelitischen Asylvereins Aachen. Mitglied im städtischen „Centralausschuss für sociale Wohlfahrtseinrichtungen“, Vorstandsmitglied im „Gefängnisverein“ Aachen. Leitete einen humanitären Verein („zur Förderung der Emanzipation und des Fortschritts aller Juden und tätigen Hilfe für die wegen ihrer Religion Verfolgten“), veranlaßte den Bau eines israelitischen Altenheims, das im Jahr 1912 errichtet wurde und zwanzig alten Menschen jeder Konfession offenstand. Mitunterzeichner der „Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum“ 1912
  • 1913 mit dem Königl. Kronen-Orden III. Klasse ausgezeichnet, 1914-1918 als Seelsorger für die jüd. verwundeten Soldaten in Aachen tätig. Ehrenvorsitzender des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, Mitglied des Aachener Schachvereins von 1856. 1925 in den Ruhestand.

Dissertation

  • Die Weise der Umschreibung der Anthropomorphismen usw. im Targum Onkelos, Diss. Tübingen 1870; die Abhandlung wurde bereits zuvor am JTS preisgekrönt.

Dokumente

  • UA Tübingen 131/20a, 64 und 131/20b, 11
  • CJA Berlin, 1, 75 C Ra 1 Nr. 31, fol. 199
  • Ebd. 75 E Nr. 293, fol. 1.

Publikationen

  • „Rabbi Simeon ben Zemach Duran. Ein Zeit- und Lebensbild“, MGWJ 23 (1874), S. 241-259, 308-317, 355-366, 398-412, 447-463, 499-514, und 24 (1875), S. 160-178
  • „Der philosophische Dilettantismus im Judentum und seine Wirkungen“, JLB 4 (1875), S. 17f., 21-23
  • „Die Responsen des R. Isaak ben Scheschet chronologisch geordnet“, MGWJ 24 (1875), S. 320-325
  • „Zur Gemeindeverfassung der Karäer in Konstantinopel“, MGWJ 25 (1876)
  • Israels Rückkehr. Predigt gehalten am Versöhnungstage 5643, 23. September 1882, 1882- Bericht über das Armenwesen der Synagogengemeinde zu Aachen, Aachen 1887
  • „Die Inspektion des jüdischen Religionsunterrichtes im Regierungsbezirk Aachen. Nach amtlichen Berichten“, AZJ 23.02.1906 (Jg. 70, Nr. 8), S. 89f
  • Glauben und Wissen. Zwei Reden am Versöhnungstage, Aachen 1905
  • Geschichte der Aachener Juden, 1924. Zahlreiche Predigten (u a. erschienen im Verlag der la Ruellschen Accidenzdruckerei), kleinere Aufsätze und Rezensionen im JLB und in Liebermanns Volkskalender.-

Epigraphik

  • Gräber von H. Jaulus und seiner Ehefrau auf dem jüd. Friedhof Aachen, Lütticher Straße.

Bildmaterialien

  • Ost und West 4 (1904), S. 773
  • S. L. Steinheim-Institut, Gidal-Bildarchiv, Nr. 3140.

Literatur

  • GB 12.04.1901 (Jg. 65, Nr. 15), S. 3
  • JJGL 16 (1913), S. 4
  • GB 23.10.1914 (Jg. 78, Nr. 43), S. 3, Zusfg. einer Ansprache anläßlich der Bestattung eines jüdischen Soldaten auf dem Aachener Waldfriedhof
  • JLZ 02.10.1925 (Jg. 5, Nr. 40), S. 3
  • Israelit 27.01.1927 (Jg. 68, Nr. 4), S. 8
  • JLZ 28.01.1927 (Jg. 7, Nr. 4), S. 5, Nachruf
  • Jüd. Jahrbuch für Hessen- Nassau, Ausgabe Frankfurt a. M./Wiesbaden 1932, S. 5f
  • Heuer, Bibliographia 1, S. 188
  • Lowenthal, Preußen, 1982, S. 107
  • Manfred Bierganz und Annelie Kreutz, Juden in Aachen, hrsg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Aachen e.V., Aachen 1988, S. 22
  • Walk, Kurzbiographien, S. 173.