Geb. 3. Aug. 1902 in Berlin, verschollen Okt. 1944 im KZ Auschwitz.
Tochter des Kaufmanns Wolf (Adolf) J. aus Bütow in Pommern (gest. 1913) und der um 33 Jahre jüngeren Sara, geb. Hess, aus Böchingen in Bayern
Kindheit im Berliner Scheunenviertel, Besuch der Jüdischen Mädchenschule der orth. Synagoge Kaiserstraße, später der Religionsschule der Synagoge Rykestraße, Privatunterricht bei Rb. Max Weyl. Nach dreijährigem Besuch des Oberlyzeums Weissensee 1923 Abitur, 1924 Abschluß der Seminarklasse des Oberlyzeums im Fach Pädagogik mit einer Lehrbefähigung für Lyzeen. 1924-1930 HWJ und Besuch von Philosophievorlesungen an der Berliner Univ. (1927/28)
zugleich erwerbstätig als Hebräisch- und Religionslehrerin. Juli 1930 schriftliche Rabbinatsprüfungen
nach dem Tod ihres Mentors Eduard Baneth am 7. Aug. 1930 von dessen Nachfolger Chanoch Albeck jedoch nicht mehr zur mündlichen Prüfung zugelassen
am 12. Dez. 1930 erhielt sie lediglich ein Zeugnis über die Akademische Religionslehrerprüfung. Fortan akad. Religionslehrerin der jüd. Gemeinde an höheren Berliner Mädchenschulen. Leo Baeck stellte ihr am 11. Juni 1935 ein Homiletik-Zeugnis aus
27. Dez. 1935 Privatordination durch Rb. Max Dienemann im Auftrag des Liberalen Rabbiner-Verbandes. Seit Jan. 1936 Predigerin und Religionslehrerin an der Synagoge Joachimsthaler Straße (Anstellungsurkunde vom 1.8.1937 auf drei Jahre)
Wahrnehmung von Rabbinatsfunktionen, tätig in den Synagogen Lützowstraße, Levetzowstraße und Joachimstaler Straße
Religionsunterricht, Seelsorge in Krankenhäusern und im Altenheim der Jüd. Gemeinde Berlin. Seit Sommer 1939 innige Freundschaft mit Rb. Joseph Norden in Hamburg. Im Mai 1940 als außerordentliche Hörerin an der HWJ gemeldet
seit Winter 1940/41 im Auftrag der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ Betreuung von jüdischen Gemeinden in Deutschland, deren Rabbiner emigriert oder verhaftet waren
für sich selbst lehnte sie Emigration ab. Seit März 1941 Zwangsarbeit in einer Kartonagefabrik in Berlin-Lichtenberg, 6. Nov. 1942 Deportation nach Theresienstadt, 12. Okt. 1944 nach Auschwitz. Sie war die erste zur Rabbinerin ordinierte Frau. Mitglied im ADR (1942).
„Die Rabbinerin (Leserbrief)“, CVZ 23.06.1938 (Jg. 17, Nr. 25), S. 6
Fräulein Rabbiner Jonas. Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden? Eine Streitschrift von Regina Jonas, ediert, kommentiert und eingeleitet von Elisa Klapheck, Teetz 1999; engl. Ausgabe 2004.
Bildmaterialien
Neue Synagoge Berlin, 1995, S. 111, 146.
Literatur
Frieda Valentin, „Bekanntschaft mit einer Rabbinerin. Wie Regina Jonas ihr Examen machte“, JLZ 22.01.1936 (Jg. 16, Nr. 4), S. 5
Lowenthal (Hrsg.), Bewährung, 1965, S. 187
Tetzlaff, Kurzbiographien, 1982, S. 158
Gedenkbuch 1, S. 644
Walk, Kurzbiographien, S. 175
Katharina von Kellenbach, “God does not oppress any human being. The Life and Thought of Rabbi Regina Jonas”, LBI YB 39 (1994), S. 213-225
Gedenkbuch/ Berlin, S. 590
Neue Synagoge Berlin, 1995, S. 25f., 111, 146-152
Fräulein Rabbiner Jonas. Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden? Eine Streitschrift von Regina Jonas, ediert, kommentiert und eingeleitet von Elisa Klapheck, 1999
Theresienstädter Gedenkbuch, S. 100
Elisa Klapheck, Regina Jonas: die weltweit erste Rabbinerin, 2003