Geb. 5. Mai 1866 in Berditschew (Berdytschiw), Rußland,
Gest. 12. März 1950 in Tel Aviv.
1886 Reifeprüfung am Staatsgymnasium in Riga, 1882-1886 RS Berlin, seit 1886 Univ. Berlin (semitische Sprachen, Philosophie und Volkswirtschaft), 1888-1889 Univ. Sorbonne, Paris, 1889-1892 HWJ, 1893 Rabbinatszeugnis an der HWJ und Promotion. Januar 1893 Rabbinatsassessor in Frankfurt a. d. Oder., Sept. 1893 bis 1897 Prediger am Reformtempel („Verein zur Verbesserung des israelitischen Kultus“) in Prag
Gründer des Rabbinerseminars in Prag. Mitglied der Chibbat Zion-Bewegung, 1889 Gründer der Ahavat Zion-Gesellschaft in Deutschland zur Förderung der hebräischen Sprache und Ansiedlung in Palästina, 1897 Teilnehmer am ersten Zionistischen Weltkongress in Basel, Referent über jüdische Siedlungen in Palästina
der langjährige Kontakt zu Theodor Herzl brach später ab, da Kaminka Herzls rein politische Einstellung ablehnte. 1897-1900 OR in Esseg (Osijek), Ungarn
1900-1938 Sekretär der Alliance israélite universelle in Wien. 1901-1924 Lektor für Talmud, Philosophie und Geschichte an der Bet-Midrasch-Stiftung des Freiherrn Jonas von Königswarter, Zirkusgasse 3, und an Oberschulen in Wien. 1903 in Kishinev (Chiºinãu), Rußland, Organisator einer Aktion für Pogromopfer
führte diese Unterstützung in Rußland und Rumänien bis zum Ende des ersten Weltkrieges fort. 1908 Organisator der Erziehungsarbeit der Alliance israélite in Galizien, 1912 erste Palästinareise
1917 Kriegskreuz II. Klasse für Zivilverdienste. 1924 Gründer des Maimonides-Institutes für jüdische Erwachsenenbildung in Wien und bis 1938 dessen Direktor
ab 1926 Dozent an der Univ. Wien, Vorträge in der katholischen Leo- Gesellschaft. Bis 1938 Mitglied des Wiener Lesevereins Chowewei Zion und des Rabbinerverbandes. Frühjahr 1938 einige Wochen in Haft, Sommer 1938 Emigration nach Palästina. 1938-1950 Mitglied des Verbandes hebräischer Autoren.
Publikationen
Asefat širim, Paris 1888
Poésies Hébraïques, 1888
Studien zur Geschichte Galiläas, Berlin 1889
Slovo o evreiskoi Blagotvoritel’nosti (Rede), Warschau 1890
Die Geonim und die Schriften in kurzen biographischen Skizzen und ausgewählten Musterstücken, mit besonderer Berücksichtigung der geonäischen Responsen-Litteratur (vom 7. bis zum 11. Jahrhundert), Trier 1892, erweiterter Abdruck aus Die jüdische Litteratur seit Abschluss des Kanons, herausgegeben von J. Winter und Aug. Wünsche, Bd. 2, S. 1-63
„Scherira’s Responsum über die Opposition gegen die Geonim“, JLB 21 (1892)
„Litterarische Notizen. Zur geonäischen Chronologie“, ebd
„Talmudische Bibelexegese im Targum Jonathan“, ebd
Der Verein Misch’eneth l’en onim (Gesellschaft der Brüder z. g. U.) in Frankfurt a. Oder, ein Gedenkblatt zur Feier seines 100jährigen Stiftungsfestes (am 16. März 1893), Frankfurt/O. 1893
„Zur Erklärung von Ijob c. 38, 12 bis 14“, JLB 22 (1893)
„Die rabbinische Litteratur der spanisch-arabischen Schulen (vom 10.-15. Jahrh.). Die Halacha in Italien, Frankreich und Deutschland (vom 9.-14. Jahrh.)“, Die jüdische Litteratur, hrsg. v. Winter/Wünsche, Bd. 2, Trier 1894, S. 343-490
„Die Varianten des šir ha-kavod in Handschriften und alten Drucken“, JLB 23 (1894)
„Diwan des Reuben Bonafed“, Mimizrah. u-mi-ma‘arav 2 (1894/95)
„Rede des Dr. Kaminka (Prag)“, Die Welt 10.09.1897 (Jg. 1, Nr. 15), S. 10-12
„Alcharisi’s Orientreise, Nathan Bajulus und Jonathan ha- Cohen“, MGWJ 44 (1900), S. 217-220
« Quel est le Psaume de la dédicace du Temple? », RÉJ, S. 269ff, 1901
Wird das Gute belohnt? Erläuterung zur Lehre des Antigonos aus Socho. Aus einem Cyclus von Vorträgen über die ‚Sprüche der Väter’, Wien 1902
Gott mit Israel im Leide und in der Freiheit. Predigt gehalten am Sabbath (2. Januar) im Leopoldstädter Tempel zu Wien, Wien 1903
S. ohoraim (hebräische Gedichte), Wien 1909 (rez. in Israelit 10.03.1910 [Jg. 51])
Meine Reise nach Jerusalem. Skizzen aus Ägypten und Palästina, Frankfurt/M. 1913
„Der Kirchenhymnus ‚Dies Irae’“, Freie jüdische Lehrerstimme 4 (1915), Nr. 5-6; engl. in Lectiones in Vetere Testamento et in Rebus Judaicis 4, London 1940
Die Komposition der Scheëltoth des R. Achai und die Rhetorik in den babylonischen Hochschulen, Wien 1917 (Sonderabdruck aus FS Adolf Schwarz)
„Die Zahl der Juden in früheren Jahrhunderten“, Der Jude 2 (1917/1918), S. 503f
“The Origin of the Ashmedai Legend in the Babylonian Talmud”, JQR 13 (1922/23), S. 221-224
„Der Dreizehnte Zionistenkongress“, Neue Freie Presse (Wien) 15.08.1923, 18.08.1923 und 28.08.1923
„Hat es vor dem Bar Kochba-Krieg jüdische Gelehrte in Galiläa gegeben?“, Jeschurun (NF) 11 (1924)
Le développement des idées du prophète Isaie et l'unité de son livre, Sonderdruck aus RÉJ 80 (1925), Paris 1925 (rez. in Die Wahrheit [Wien] 14.01.1927 [Jg. 43] und MGWJ 71 [1927])
Moses Maimonides als geistiger Führer in unserem Zeitalter, Wien 1926
„Franz Wutz als Psalmenerklärer“, MGWJ 70 (1926), S. 500-502
Raze ‘olam. Philosophische Dichtungen, 1927 (rez. in JR 12.08.1927 [Jg. 32, Nr. 64] u. von H. Olaser in JR 14.10.1927 [Jg. 32, Nr. 81/82)
„Neueste Literatur zu den Hagiographen“, MGWJ 71 (1927), S. 289-306, und MGWJ 74 (1930), S. 291-305 und 321-340
„Baneths ‚Textkritische Bemerkungen’“, MGWJ 71 (1927), S. 133- 138
„Studien zur Septuaginta an der Hand der zwölf kleinen Prophetenbücher“, MGWJ 72 (1928), S. 49-60 u. 242-273; auch als Sepr.-Druck (Schriften der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums 33), Frankfurt/M. 1928
„Die fünfundsechzig Jahre in der Weissagung über Ephraim Jes 7, 7-9“, MGWJ 73 (1929), S. 471f
H. ameš megilot, Tel Aviv 1930; Nd. Jerusalem 1969
Kommentar zu Schir ha Schirim, 1930 (rez. in Die Stimme 30.10.1930 [Jg. 3, Nr. 149])
„Jakob Perez de Valentia“, MGWJ 74 (1930), S. 126f
Septuaginta und Targum zu Proverbia, Cincinnati 1931/32
„Beiträge zur Erklärung der Esra- Apokalypse und zur Rekonstruktion ihres hebräischen Urtextes“, MGWJ 76 (1932) und MGWJ 77 (1933); auch als Sepr.-Druck (Schriften d. Gesellschaft z. Förderung d. Wissenschaft d. Judentums 38) Breslau 1934 (rez. in MGWJ 77 [1933] und IFH 24.05.1934)
Die biblische Lehre von der Gleichheit aller Menschen. Eröffnungsvortrag bei Beginn des Studienjahres des Maimonides-Instituts in Wien, am 26. Oktober 1935, Wien 1935
„Die mystischen Ideen des R. Simon ben Johai“, HUCA 10 (1935), S. 149-168
H. azmot asir Še’alti’el, 1936
Hillel's Life and Work, Philadelphia 1939
Šever bet ah. av, Tel Aviv 1941
Peruš hegyoni ’Iyov, 1949. Veröffentlichte desweiteren Studien zur Geschichte der Halacha (in Hazofe, 1925), ferner einen hebräischen Kommentar zum Hohen Lied (in Abr. Kahanas Bibelausgabe 1931), sowie eine Einleitung in die griechische Poesie (in Saul Pinchas Rabbinowitz, Keneset Yiœra’el, Bd. 2, Warschau 1888). Übersetzte Werke von Mark Aurel (Meditationen, 1923), Aristoteles (De Anima, 1949), Seneca (Epistulae Morales [1940-42], Dialoge [1943-45], Naturales Quaestiones [1946]), sowie Tragödien von Aeschylus, Sophokles und Euripides (erschienen unter d. T. Tragedyot Nivhƒxarot) ins Hebräische. Einige seiner Artikel wurden in den Werken Meh. qarim ba-miqra u-va-talmud u-va-sifrut ha-rabanit (2 Bde, 1938 u. 1951; Mikrofiche-Ausgabe: Leiden 1975) und Kitve biqoret hist. orit (1944) erneut abgedruckt. Bibliographie in der Festschrift (1937), S. I-XV.
Bildmaterialien
Ost und West 7 (1907), S. 711
Festschrift ..., 1937
EJ engl. X, S. 730.
Literatur
Ost und West 7 (1907), Sp. 711
JL III, S. 572.-Wininger III, S. 389ff
EJ dt. IX, S. 857f
Festschrift [für] Armand Kaminka zum siebzigsten Geburtstag (dt./hebr), Wien 1937, mit Bild; Mikrofiche-Ausgabe: Leiden 1975
A. Freund, Zeitschrift für die Geschichte der Juden 3 (1966), S. 222f