BHR Biographisches Portal der Rabbiner

KOHN, Pinchas, Dr., Pseudonym Sanon Kopi

  • Geb. 27. Febr. 1867 in Kleinerdlingen, Bayr.-Schwaben,
  • Gest. 11. Juli 1941 in Jerusalem.
  • Sohn des Rb. Marx Michael K., Enkel des Rb. David Weiskopf
  • Privatunterricht in den Elementar- und Gymnasialfächern sowie bei Vater und Großvater in den talmudischen Disziplinen
  • 1880-1886 Realgymnasium in Halberstadt, talmudischer Unterricht bei Rb. Sigmund Selig Aviëzri Auerbach sowie den Klausrbb. Isak Lange, Gerson Josaphat, Josef Nobel und Salomon Cohn
  • 1886 Abitur und nach Berlin ans RS, 1887 Univ. Berlin (klass. Philologie, Philosophie)
  • 1887/88 Univ. Wien (Sanskrit, Vergl. Schriftforschung, Pädagogik), rabbin. Studien bei Rb. Josef Baer-Cohn. 1888 plötzlicher Tod des Vaters. Rückkehr nach Berlin, erneute Studien an Univ. und RS, gründete und leitete außerdem eine Religionsschule in der Gemeinde Spandau. 1890 Stiftsrb. und Lehrer in Mannheim [lt. eigener Angabe, vgl. StadtA Ansbach, 1890-1893 Rb. in Burgkunstadt]
  • 22. Febr. 1893 Promotion in Bern „magna cum laude“ auf dem Gebiet der altindischen Philosophie. 1893 Bewerber in Altona. 13. März 1895 bis 1915 Bezirksrb. in Ansbach. Er war „als Kanzelredner weit über die Grenzen des Rabbinats bekannt“ (Israelit 13.01.1902, S. 89)
  • Mitglied der Freien Konferenz der bayerischen Rabbiner, 1897 Gründungsmitglied der Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands sowie Gründungsmitglied und Kassierer der Pensions- und Reliktenkasse bayerischer Rabbiner
  • Mitbegründer der Agudas Jisroel. Vorsitzender im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Ansbach (1897/1913), Mitglied im Israelitischen Lehrerverein für das Königreich Bayern (um 1901), Mitglied im Verwaltungsrat „Lemaan Zion“ (Palästinensischer Hilfsverein
  • 1897) und im Hebräischen Literaturverein Mekize Nirdamim. 1916 Verleihung des „Ordens des Ludwigkreuzes“. Stand bei der Debatte um die Reform des bayerischen Staatskirchenrechts mit Raphael und Isaac Breuer auf Seiten der Gegner und teilte die Auffassung, dass die Orthodoxen durch rechtliche Änderungen nur verlieren könnten, obwohl das Ziel der Befürworter ein eigener orthodoxer Gottesdienst war. Gehörte einer im Herbst 1915 von der Freien Vereinigung und der deutschen Sektion der Aguda unter der Führung J. Rosenheims nach Polen entsandten Delegation an
  • 1916-1918 Abgeordneter der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Warschau
  • entwarf mit Ludwig Haas die jüdische Gemeinde-Ordnung in Polen, die zwar nicht vollständig übernommen wurde, aber bis 1939 in Kraft blieb
  • auf seinen Vorschlag zog die deutsche Militärregierung in Polen 1916 jüdisch-orthodoxe Rabbiner und jüdische Pädagogen zur Lösung religiöser Probleme und Schulfragen in den jüdischen Gemeinden Polens heran. Mitgründer des Warschauer Waisenhauses unter Leitung des Kriegswaisen-Fonds der Agudas Jisroel. Gründer einer orthodoxen Parteiorganisation mit Zeitung und Schulen in Polen, wegen der er von deutschen und polnischen Zionisten angegriffen wurde. 1919-1937 in der Leitung des Zentralbüros der Agudas Jisroel in Wien, 1923 zum Präsidenten der Agudas Jisroel berufen. 1937- 1938 erneut Bezirksrb. in Ansbach. Vorstandsmitglied im Reichsbund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden in Deutschland und im Verband orthodoxer Rabbiner in Deutschland
  • Kuratoriumsmitglied im Berliner RS. Febr. 1938 Emigration nach Palästina, hier tätig für die Agudas Jisroel in Jerusalem. Verheiratet mit Rosalie, geb. Moses
  • die Tochter Franziska heiratete 1920 Josef Seebacher, Sohn eines Gunzenhausener Tonwarenfabrikanten und Erfinders einer Glasiermaschine und Inhaber einer Glas-, Porzellan-, Steingut- und Tonwarenhandlung
  • die Familie emigrierte 1934/1935 nach Palästina.

Dissertation

  • Içvaraproktam amanaska-yogavivaranam. Ein Beitrag zur Kenntnis der Yoga-Philosophie, Diss. Bern 1893 (unveröff. Manuskript; die Publikation scheiterte an der Kostspieligkeit der Drucklegung des Sanskrit-Textes).

Dokumente

  • CJA Berlin, 1, 75 C Pe 1 Nr. 1, fol. 1
  • Ebd. 75 E Nr. 297, fol. 1
  • Ebd. Nr. 286, fol. 1
  • UA Bern, Protokollbuch V (Philos. Fakultät), S. 116-118
  • StA Hamburg, Bestand 741-4 (Fotoarchiv), Sa 1044: Jüd. Gemeinden 210 Bd. 3, fol. 2, 5, 16-25
  • Ebd. Jüd. Gemeinden 211, fol. 27f
  • StadtA Ansbach, ABb 800 (Acten d. Magistrats d. königl. Bayer. mittelfränk. Hauptstadt Ansbach, Betreff. Erledigung d. Distrikt-Rabbinats Ansbach 1894).

Publikationen

  • Worte der Trauer, gesprochen am Grabe meines Vaters zs. “l und am Grabe meiner Großmutter z“l, Fürth 1889
  • Der Alte und der Neue Friedhof, 1893
  • Installations-Rede, Ansbach 1895
  • Joël Gern: Der Werdegang eines jüdischen Mannes, 1912 (Roman, unter dem Pseudonym Kopi veröffentlicht)
  • „Die Frage der Doppelkonfession unter den Juden“, Jüdische Monatshefte 1 (1914), S. 17-22
  • „Das Agudah-Problem“, Jüdische Monatshefte 1 (1914), S. 84-88
  • „Ein paar Worte über literarische Kritik“, Jüdische Monatshefte 1 (1914), S. 89-91
  • „Das Verhältnis der Orthodoxie zur Kabbala“, Jüdische Monatshefte 1 (1914), S. 125-132, 180-186, 217-221, 242-254
  • „Eine Anfrage“, Jüdische Monatshefte 1 (1914), S. 207-210
  • Rabbinischer Humor aus Alter und Neuer Zeit, Berlin 1915; 2. verm. Aufl. Frankfurt/ M. 1930; Nd. Basel 1961
  • „Ostjuden“, Jüdische Monatshefte 3 (1916), S. 74-76
  • „Eine staatliche Gesamtverfassung der polnischen Judenheit“, Israelit 16.11.1916 (Jg. 56), S. 1f
  • „Von der Frankfurter Jeschiwah“, Jüdische Monatshefte 4 (1917), S. 165-170, und 7 (1920), S. 3-18
  • „Die Züricher Konferenz der Gesetzestreuen“, Jüdische Monatshefte 6 (1919), S. 52-62
  • „Die Bedeutung der Juden für die Leipziger Messen“, JJLG 13 (1920), S. 281-288
  • „Die Aufgaben der Gruppenverbände“, Israelit 23.03.1922 (Jg. 63, Nr. 12), Beilage S. 2
  • „Die Goluspolitik der Juden“, Israelit 27.04.1922 (Jg. 63, Nr. 17), S. 1f., u. 04.05.1922 (Jg. 63, Nr. 18), S. 1f
  • „Die Kenessio Gedaulo“, Israelit 11.01.1923 (Jg. 64, Nr. 2), Beilage (Blätter/Agudas Jisroel), S. 1
  • „Umkehr“, Vom Sinn des Judentums. Ein Sammelbuch zu Ehren Nathan Birnbaums, 1925
  • „Gewissensfreiheit und Organisation“, Israelit 12.02.1925 (Jg. 66, Nr. 7), S. 1f
  • „Europa oder Orient? Zur politischen Lage in Palästina“, Israelit 03.05.1928 (Jg. 69, Nr. 18), Beilage (Blätter/Agudas Jisroel), S. 1
  • „Betrachtungen zu den Problemen der zweiten Kenessio Gedaulo“, Israelit 13.12.1928 (Jg. 69, Nr. 50), Beilage (Blätter/Agudas Jisroel), S. 2f., u. 27.12.1928 (Jg. 69, Nr. 52), Beilage S. 1
  • „Das Schulwerk der Agudas Jisroel in Eretz Jisroel: 1.“, Israelit 07.02.1929 (Jg. 70, Nr. 6), Beilage (Blätter/ Agudas Jisroel), S. 3
  • „Was wir wollen“, Nachalath Zewi 1 (1930/1931), S. 4
  • „Agudas Jisroel“, Nachalath Zewi 1 (1930/1931), S. 14-18, 40-44
  • „Thora im derech erez [sic]“, Nachalath Zewi 1 (1930/1931), S. 118-122, 187-189, 222-227
  • „Die Stellung der Aguda zu Palästina“, Israelit 23.01.1930 (Jg. 71, Nr. 4), Beilage (Blätter/Agudas Jisroel), S. 1f
  • „Politik in Gemeinde und Klall“, Festschrift für Jacob Rosenheim anlässlich der Vollendung seines 60. Lebensjahres dargebracht von seinen Freunden, Frankfurt/M. 1931, S. 161-171
  • „An der Wiege der Welt“, Nachalath Zewi 2 (1931/1932), S. 16-20
  • „Tehi nišmato s. erura bi-s. eror ha-h. ayim“, Nachalath Zewi 2 (1931/1932), S. 101-104
  • „Ein Weltkongreß in der Judenfrage“, Nachalath Zewi 2 (1931/1932), S. 260-264
  • „In der Enge der Probleme“, Nachalath Zewi 2 (1931/1932), S. 332-336
  • „Aguda und Gemeinde“, Israelit 30.07.1931 (Jg. 72, Nr. 31), Beilage S. 2
  • „Bei uns und um uns. Referat auf der Nordwestdeutschen Gruppentagung der A. J. in Hamburg“, Israelit 24.09.1931 (Jg. 72, Nr. 39/40), Beilage (Blätter/Agudas Jisroel), S. 1f
  • Kosbi Salonaë, 1932 (Roman, unter dem Pseudonym Sanon veröffentlicht)
  • „Ursache und Wirkung (Ein Rückblick)“, Nachalath Zewi 3 (1932/1933), S. 6-9
  • „Die Geburtsstunde des Nationalismus“, Nachalath Zewi 3 (1932/1933), S. 72-75
  • „Die Doppelorganisation“, Nachalath Zewi 3 (1932/1933), S. 129-132
  • „Das große Erlebnis“, Nachalath Zewi 3 (1932/1933), S. 187-189
  • „Ein Wort der Ewigkeit an den Augenblick“, Nachalath Zewi 3 (1932/1933), S. 241-245
  • „Das heilige Lachen“, Nachalath Zewi 3 (1932/1933), S. 306-310
  • „Die Suckoh-Gemeinde“, Nachalath Zewi 3 (1932/1933), S. 366-369
  • „Stab und Schwert“, Nachalath Zewi 4 (1933/1934), S. 5-7
  • „Ha-ba’im yašreš Ya‘aqov“, Nachalath Zewi 4 (1933/1934), S. 79-82
  • „Zwischen Purim und Pessach“, Nachalath Zewi 4 (1933/1934), S. 116-120
  • „Reinheit und Unreinheit“, Nachalath Zewi 4 (1933/ 1934), S. 190-192
  • „Transjordanien“, Nachalath Zewi 4 (1933/1934), S. 236-238
  • „Kusari III.“, Nachalath Zewi 4 (1933/1934), S. 290-298
  • „Orthodoxie lehnt Kultusautonomie ab“, IFH 24.05.1933
  • „Die Zukunft der deutschen Juden“, CVZ 01.06.1933 (Jg. 12, Nr. 22), S. 204
  • „Spuren des Mutterrechts in der Bibel“, Nachalath Zewi 5 (1934/1935), S. 7-12
  • „Der fünfte Kelch“, Nachalath Zewi 5 (1934/1935), S. 157f
  • „Eine Parallele“, Nachalath Zewi 5 (1934/1935), S. 240-242
  • „Gemeinschaft“, Nachalath Zewi 5 (1934/1935), S. 298-301
  • „Woher und wohin“, Nachalath Zewi 6 (1935/1936), S. 8-10
  • „Eine würdige Jubiläumserinnerung“, Nachalath Zewi 6 (1935/1936), S. 152-158; auch in Schriften herausgegeben vom Vorstand der Freien Vereinigung anläßlich des fünfzigjährigen Bestehens der Vereinigung, Folge 2, Frankfurt/M. 1936
  • „Eine Schewuaus-Botschaft“, Nachalath Zewi 6 (1935/ 1936), S. 193-195
  • „Eine Freudenbotschaft der drei Wochen“, Nachalath Zewi 6 (1935/ 1936), S. 274-277
  • „Das Licht der Ewigkeit“, Israelit 26.09.1935 (Jg. 76, Nr. 39), S. 6f
  • „Pflichten und Rechte der Golamenschen“, Nachalath Zewi 7 (1936/1937), S. 21f
  • „Susa“, Nachalath Zewi 7 (1936/1937), S. 119-122
  • „Die Einheit der Erscheinungsformen“, Nachalath Zewi 7 (1936/1937), S. 184-186
  • „Die Forderung des Tages“, Nachalath Zewi 7 (1936/ 1937), S. 262-265. Ab 1910 zus. mit Ernest Weill Hrsg. von Das jüdische Blatt
  • 1913/14-1920, zus. mit Salomon Breuer Hrsg. der Jüdischen Monatshefte.

Bildmaterialien

  • EJ engl. X, S. 1147
  • PK Bavaria, S. 271. Grill, 2008, S. 205.

Literatur

  • Israelit 25.03.1895 (Jg. 36, Nr. 24), S. 478
  • Israelit 01.07.1897 (Jg. 38, Nr. 52), S. 1003
  • Israelit 29.07.1897 (Jg. 38, Nr. 60), S. 1165
  • Israelit 18.11.1901 (Jg. 42, Nr. 91), S. 1999
  • Israelit 13.01.1902 (Jg. 43, Nr. 4), S. 89
  • Israelit 05.01.1905 (Jg. 46, Nr. 2), S. 21
  • JJGL 16 (1913), S. 5
  • Israelit 13.01.1916 (Jg. 57, Nr. 2), S. 6
  • JL III, S. 755
  • Israelit 04.04.1928 (Jg. 69, Nr. 14), Beilage (Blätter/Agudas Jisroel), S. 2f., Interview
  • Israelit 04.03.1937 (Jg. 78, Nr. 9), S. 1, 3-6
  • Jacob Rosenheim, “Tribute to Pinchas Kohn”, Jewish Weekly (London), Nr. ?, 1942
  • Jacob Rosenheim, Zikhronot, 1955, S. 87, 216-220
  • A. Carlebach, LBI YB 6 (1961), S. 60-121
  • Alexander Carlebach, Adass Yeshurun of Cologne. The Life and Death of a Kehilla, Belfast 1964, S. 55ff
  • Schwab, Chachme Ashkenaz, 1964, S. 86
  • EJ engl. X, S. 1146f
  • PK Bavaria, S. 271, 273
  • BHE 1, S.382
  • Breuer, Orthodoxie, 1986, S. 50, 176, 274, 278, 319-321, 323
  • Offenberg, Adass Jisroel, 1986, S. 59
  • Mosche N. Rosenfeld, „Rabbiner Pinchas Kohn. Der letzte Ansbacher Rabbiner”, Nachrichten für den jüdischen Bürger Fürths 09/1987, S. 25f
  • Walk, Kurzbiographien, S. 201
  • Morgenstern, Frankfurt, 1995, S. 65, 67-72, 214f
  • Hildesheimer, RS, S. 66
  • Kulka, Reichsvertretung, 1998, S. 497
  • Handbuch österr., 2:5421
  • Eliav/Hildesheimer, S. 163f. :Grill, 2008
  • Tobias Grill, “The politicisation of traditional Polish Jewry: Orthodox German rabbis and the founding of Agudas Ho-Ortodoksim and Dos yidishe vort in Gouvernement-General Warsaw, 1916-18”, East European Jewish Affairs 39 (2009), S. 227–247.