Geb. 25. Aug. 1876 in Brzesko, Galizien (lt. Handbuch österr.; nach anderer Quelle: Bobowa, polnisches Galizien; nach Auskunft von Simon Lauer ist das genaue Geburtsdatum unbekannt),
Gest. 11. Aug. 1945 in Biel, Schweiz.
Mit drei Jahren Besuch der jüdischen Elementarschule, als Dreizehnjähriger zum Studium an Jeschiwot nach Ungarn geschickt, blieb schließlich in Bonyhád (unter der Leitung von Eliezer Deutsch), wo er die Hatara erhielt. „Es wurde hart gearbeitet
aber zwei Gegebenheiten wirkten sich segensreich aus: Man lernte an Stehpulten, und man ging bisweilen schwimmen. So kam es, daß Haltungsschäden unbekannt waren“ (Lauer, 2003, S. 15). Anschl. Assistent bei Rb. Michael Cahn in Fulda, Privatunterricht zur Vorbereitung auf den Besuch des Gymnasiums, Eintritt in das Realgymnasium in Basel, dort Abitur und Immatrikulation an der Univ. für Medizin, dann für Philosophie (mit Psychologie und Pädagogik) und Semitistik
den Lebensunterhalt verdiente er mit Privatstunden, als Hauslehrer bei Rb. Arthur Cohn, als Lehrer im Verein Schomre Tora und 1908-1912 als Rb., Lehrer, Vorbeter und Schächter in Liestal bei Basel
Mitbegründer der farbentragenden Verbindung Nehardea, Zionist. 1913 Promotion in Basel bei Karl Joël, anschl. RS Berlin. 1914 von Baron Hirsch in Paris zum OR der Jüdischen Kolonisation in Argentinien ernannt
der Ausbruch des 1. WK verhinderte seinen Amtsantritt. 1916 Rb. in Biel, Schweiz
Jugendarbeit. 1924/25 Lehrer und stellvertretender Rb. neben Isaak Unna an der Mannheimer Lemle-Klaus und Leiter der Klaus-Religionsschule, Mitglied der „Bne Brith“. 1925 Heirat mit der neunzehn Jahre jüngeren Krankenschwester Elsa, Tochter von Rb. Simon Eppenstein (gest. 1970). Ab 1. Sept. 1935 Stadt- und Klaus-Rb. in Mannheim
Angebote aus Hamburg und Saloniki schlug er aus. Nov. 1938 rettete er die Bibliothek der Klaus vor der Zerstörung, indem er, seit 1925 Schweizer Staatsbürger, sie als seinen Privatbesitz ausgab. 1938 zurück in die Schweiz und Jan. 1939 erneut Rb. in Biel
seit 6. Mai 1945 Lehrer am neueröffneten Lehrerseminar des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes. Der Sohn Simon L., zunächst Gymnasiallehrer, wirkte als Mitarbeiter am Institut für Judaistik und jüdisch-christliche Forschung in Luzern.
Dissertation
Der Irrationalismus als philosophischer Grundzug David Humes, Diss. Basel 1913 (Berlin 1914).
Publikationen
„Das Thorastudium und die Frauen“, Jeschurun [NF] 1 (1914)
„Zur Renaissance der hebräischen Sprache“ IWB 1915
„Rabbi Jochanan ben Sakkais letzte Bitte an seine Schüler“, Jeschurun [NF] 2 (1915)
„Talmudisches“, Jeschurun [NF] 4 (1917)
„Zur Geschichte des ‚Zürcher Semak’“, JJLG 12 (1918), S. 1-36
„Der Ursprung des ‚Mogen David’“, Israelit 02.08.1923 (Jg. 64, Nr. 30), S. 10
„R. Meier Halevy aus Wien und der Streit um das Grossrabbinat in Frankreich“, JJLG 16 (1924), S. 1-42. Veröffentlichte einen Beitrag über den Traum in der talmudischen Literatur im ersten Jg. von Freuds Zeitschrift für Psychoanalyse.
Bildmaterialien
IFH 21.05.1925
Lauer, Wandern, 2003, S. 11
Literatur
Israelit 19.02.1925 (Jg. 66, Nr. 8), S. 7
Israelit 18.07.1935 (Jg. 76, Nr. 29), S. 11
IFH 25.07.1935
Jüdisches Gemeindezentrum Mannheim F3. Festschrift zur Einweihung am 13. September 1987 / 19. Elul 5747, hrsg. vom Oberrat der Israeliten Badens, Karlsruhe, von der Jüdischen Gemeinde Mannheim und vom Stadtarchiv Mannheim (Sonderveröffentlichung des Stadtarchivs Mannheim 17), Mannheim 1987, S. 50f