Sechstes Kind des Hannoveraner Landesrb. Marcus A. und der Rebecca Benjamin Fränkel, Großneffe des Londoner Rb. Tewele Schiff
von seinem Vater im Talmud und von Privatlehrern in den Schulfächern unterrichtet, SS 1826 imm. Würzburg (Studien in Göttingen und Heidelberg werden ihm wohl zu Unrecht zugeschrieben)
27. März 1828 Ordination von dem Würzburger Oberrb. Abr. Bing. Nach kurzzeitigen Studien an der Univ. Erlangen 5. Juni 1828 prom. das. Vertreter der neuorthodoxen Würzburger Schule
26. Nov. 1828 Ernennung zum herzoglichen Landesrb. in Oldenburg nach Prüfung durch den Generalsuperintendenten Dr. Hollmann
In Frankfurt/M. am 4. Mai 1829 Heirat mit Henriette Worms (1800-1853), Waise des Hirsch Moses W. und der Sara geb. W. Vorbildlich wurden seine Synagogenordnung vom 16. Juni 1829 („In der Synagoge herrsche eine feyerliche Stille und ehrfurchtsvolle Ruhe“) und seine Schulordnung vom 3. Apr. 1830. August 1830 Rb. in Hannover, hier verabschiedet er am 11. Juni 1831 bzw. am 2. Sept. 1832 eine Schul- und Synagogenordnung im selben Sinn. Bei der Wahl in Berlin 1842 ist er Zweiter nach Z. Frankel. Unterzeichnet 1844 gegen die Rb.-Versammlung, 9. Juli 1845 Chief Rabbi des Britischen Reiches mit Sitz in London, talmudische Lehrvorträge am Bet-Midrasch (TZW 1845, S. 68), Initiator und erster Präsident des am 11. Nov. 1855 eröffneten Jews’ College
auf seine Initiative geht auch die Vereinigung aller Londoner Synagogen zur „United Synagogue“ (19. Apr. 1868) zurück.
Dissertation
Über die Idee der Gottheit, Diss. Erlangen 1828.
Dokumente
Faksimile seines Rabbinatsdiploms bei Kinstlicher, Hä-“H. atham Sofer“ uvene doro, S. 23
UA Erlangen, C4/3b, Nr. 115, Promotionsakten mit Vita
HStA Wiesbaden, 365/224, fol. 71, Trauungsregister Frankfurt/M., nennt ihn „Doctor der Philosophie und der jüdischen Theologie“, geb. 20. Dez. 1802 in Hannover
CAHJP Jerusalem, „Berlin“, KGe 2, Nr. 146, vom 29. August 1842, unterliegt bei Wahl in Berlin mit 17 : 34 Stimmen gegen Zacharias Frankel; wobei besonders hervorgehoben wird, daß A. „eine vollständige Gymnasial- und Universitätsbildung habe. Er wird als ein vorzüglicher Talmudist gelobt, auch wird angeführt, daß er zum Nutzen des jüdischen Gemeinde seinen Rabbinats-Bezirk alljährlich besucht. Durch schriftstellerische Arbeiten hat er sich noch nicht besonders ausgezeichnet. Als Mann, der mit Sanftmuth und Milde handelt, ist er bekannt. Deutsche Predigten hält er, wie bekannt geworden ist, und derselbe wird als Redner gerühmt“
JTS New York, Mic. 2833, S. 523-805; Mic. 2851, S. 1-518 [= IMHM 35.086, 35.102], Verzeichnis seiner Bibliothek; die Bücher befinden sich heute zum größten Teil im Hechal Šelomoh in Jerusalem.
Manuskripte
Unvollendetes Werk ’Ahavath Yehonathan, zum Targ. Jonathan
Nachlaß „Nathan Marcus Adler Papers“ in New York, Jewish Theological Seminary Archives, 5-1 und 5-2, enthält private und offizielle Korrespondenz: Mic 3602 [= IMHM 29.407] Familienkorrespondenz 1849-1856, 47 Bl.; mic. 3603 [= IMHM 29.408] dgl. 1880-1906, 49 Bl.; Mic. 3604 [= IMHM 29.409] Briefe an ihn und seinen Sohn, 1882-1909, 27 Bl.; Mic. 3605 [= IMHM 29.410] dgl. 1828-1885, 11 Bl.; Mic. 3606 [= IMHM 29.411], dgl. 1881-1886, 56 Bl.; JTS Mic. 3607 [= IMHM 29412] dgl. 1886-1889, 33 Bl.; Mic 3926 [= IMHM 29.731] dgl. 1889-1891, 19 Bl.; Mic. 3653 [= IMHM 29.458] Briefe an ihn und seinen Sohn 1879-1896, 140 Bl.; Briefkopierbuch (Letters’ Book), Predigten, (Rab. 1638 [= IMHM 37.458], Homilien und Talmudauslegungen, Briefentwürfe 1834- 1862, 142 Bl.), Responsen und Talmudauslegungen (JTS Mic. 5288 [= IMHM 30.085] Sefär Divre Riboth, verschiedene talmudische Problemata, 1820, 45 Bl.); JTS Adler 4158 [= IMHM 37.457] Homilien und Talmudauslegungen, 109 Bl. (Verfasserschaft unklar). New York Lehmann 209 [= IMHM 24554] Mitschriftenheft Naft. Adler aus Prag, Bl. 1-34 Lehrvorträge Rapoports 1861; Bl. 35-62 Lehrvorträge Nathan Adlers, 1862 London, etc.; JTS Adler 4162 Manuskript von Nethinath ha-Ger
„Bestimmungen wegen des jüdischen Schulwesens im Bezirke des Land- Rabbiners zu Hannover, 11. Juli 1831“, in HStA Hannover, Hann. 80, Hannover I, A. Nr. 448
Briefe in Paris, Alliance Israélite 424,7 [= IMHM 3.325]
Genealogie von 1924, 198 S., Los Angeles 960 bx.3.2 [= IMHM 32.810].
Publikationen
(siehe Ruth Pauline Goldschmidt-Lehmann, „Nathan Marcus Adler: A Bibliography“, in: Sheldon R. Brunswick, Hrsg., Studies in Judaica, Karaitica, and Islamica presented to Leon Nemoy, 1982, 207-261) „Rede beim Antritt seines Amtes als Land-Rabbiner und bei der Einweihung der isr. Synagoge“, Oldenburgische Blätter 13 (1829), S. 193-208, 213-218
„Predigt zum Gedächtnis des Hochseligen Herzogs von Oldenburg“, Oldenburgische Blätter 13 (1829), S. 221-227
Abschiedspredigt, Oldenburg 1831
Des Israeliten Liebe zum Vaterlande. Eine Predigt zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Königs Wilhelm IV., Hannover 1837, 28 S
Abschieds- Predigt in der Synagoge zu Hannover, 1845
Sermon Delivered at the Great Synagogue on the Occasion of his Installation into Office as Chief Rabbi of Great Britain, London 1845
Installation Sermon und Šire Tehillah (hebr./engl.), 1845
Laws and Regulations for all the Ashkenazi Synagogues in the British Empire, 1847
Sermon on the Occasion of the Recent General Fast Day, 1847
The Jewish Faith. A Sermon Delivered in the Great Synagogue, Duke’s Place (29 Jan. 1848), 1848, 1849
How Can the Blessings of the House of God Be Attained? A Sermon Delivered on the Occasion of the Consecration of the Synagogue at Canterbury, 1848
Mizmor šir h. anukkat ha-bayith beveth ha-kenäsäth beRa’msget. (Gesang zur Einweihung der Synagoge in Ramsgate), 1851 [Expl. JNUL S53-B-1013]
The Present War. Sermon, 1854
Solomon’s Judgement, a Picture of Israel. Sermon, 1854
H. iddušim zu Talmud und Turim, Berlin 1856
Antwort an die Education Commission, gedruckt als „Blaues Buch“, 1859
Funeral Discourse, Delivered in Ramsgate on 4th Tishri 5625, 1864
The Morning and the Evenig Sacrifice How to be Represented in these Days, with Special Reference to the Claims of Deaf-Mutes in the Jewish Community. A Sermon, 1865
Berachah huba’ath lere’šith ha-šanah, London 1866 [Expl. JNUL R79-A- 7200]
The Second Days of the Festivals. Sermon, London 1868
Nethinath ha-Ger, zu Targ. Onkelos in Torath ’Älohim, „Romm’scher Pentateuch“, 5 Bde. Wilna 1874, u. zahlreiche Neuauflagen (reprod. Jerusalem 1968; Nachdruck der Vorrede, 17 S., in ’Os. ar Mefarše ha-Torah, Jerusalem 1973), Wilna 1886, Wilna 1910, 1912, in Miqra’oth Gedoloth, 3 Bde. Jerusalem 1976
Haggadah šäl Päsah. mit Kommentar, London 1877, 48 S.; nachgedruckt in Hagadah for Passover, hrsg. B. Spiers, Ldn. [1959]
The Present War, Predigt 1884. ’Imre Šäfär. Œimh. ah la-S. addiq, Festrede zum 100. Geburtstag von Moses Montefiore, aus dem Englischen von Moses Brettholz, Drohobych (Drohobitz, Ostgalizien) 1885, 30 S
Sanitation as Taught by the Mosaic Law. A Paper Read out Before the Church of England Sanitary Association, London 1893
Dt. KusariÜbersetzung
Mitarbeit an der eng. Übs. des Machsor
Talmudische Methodologie
Sein ethisches Testament vom 31. Dez. 1883 bei Jack Riemer und Nathaniel Stampfer (Hrsg.), Ethical Wills. A Modern Jewish Treasury, New York 1983, S. 43-47
Eine Approbation, datiert Hannover 1839; bei Löwenstein, Index, S. 9.
Bildmaterialien
Drei Gemälde mit seinem Bildnis bzw. dem seiner Frau; R. D. Barnett, Catalogue of the Permanent and Loan Collections of the Jewish Museum London, Ldn. 1974, Nr. 844, 845 und 846, Abbildungsteil S. CXCII
Zinklithographie nach dem Gemälde (1906); JNUL Jerusalem, Schwadron Collection
Lithogr. Bildnis, bei Marx, Niedersachsen, S. 154
Weiteres Bildnis bei S. M. Melamed, „Zur Geschichte des Chief-Rabbinats in England“, Ost und West 1914, Sp. 115.
Literatur
Zunz, Gottesdienstliche Vorträge (1832), 2. Aufl. S. 471 Anm., bezeichnet ihn (fälschlich) als den ersten Rb. mit Doktorat der Philosophie, was oft wiederholt wird
AZJ 1837, S. 189, Audienz beim König
Orient 1840, S. 224, Audienz beim König, den er für die Gleichstellung der Juden einzunehmen vermag
AZJ 1842, S. 64, Petition gegen den Judeneid
AZJ 1844, S. 15, Initiative zur Gründung eines jüd. Lehrerseminars in Hannover
Voice of Jacob 1844, S. 210, Bewerbung in London und biogr. Daten (Ordinationsdatum so auch in ADB; anders EJ dt. I 881 und DBE)
AZJ 1844, S. 755f; 1845, S. 303; Orient 1844, S. 403f, 411, Berufung nach London
Archives israélites 1844, S. 20-24, teilt Anstellung und Instruktionen mit
Orient 1845, S. 249, Ankunft in London mit Familie
AZJ 1845, S. 521, 697, Installation in London, er konnte nicht frei englisch sprechen und musste die Dankesworte vom Blatt ablesen
AZJ 1849, S. 401, Planungen für Lehrerseminar
AZJ 1850, S. 134, Besuch in Portsmouth
AZJ 1850, S. 416, die vier „Rabbiner des Nordens“ (London, Kopenhagen, Stockholm, Göteborg)
AZJ 1852, S. 42, Zirkular zur Gründung eines Instituts zur Bildung jüdischer Kultusbeamter in Verbindung mit der Universität London und dem Bet-Midrasch; S. 52, 67f., 77f, genauere Pläne und Finanzierung
AZJ 1852, S. 286, A. will Goldberg und Sal. Schiller-Szinessy nicht als Rb. anerkennen
AZJ 1855, S. 282-285, Besuch in Hannover
AZJ 1857, S. 632, Gebetsordnung für den brit. Nationalfeiertag
Jost, Geschichte des Judenthums, Bd. III, S. 374: In England „wurde durch Adler vieles nach deutschem Muster eingeführt, obwohl er streng dem Rabbinismus huldigt“
AZJ 1859, S. 680, Gerüchte über schlechten Gesundheitszustand
Neuzeit 1864, S. 37, „der königlich britische See- und Landrabbiner“
„Der Oberrabbiner Dr. Adler und sein Aufenthalt in Berlin“, JP 1874, S. 133f
JQR II 381-384
Gedrucktes Blatt Order of Service in Memory of the Late [...] Nathan Marcus Adler, London [1890]
Josef b. Aron Kohen-Zedek, ’Äläf ’alafim ’iggäräth ’eväl ’azkarah, 1890 [Expl. JNUL 23-V-6576]
JE I 198f., mit Porträt. Danach erst 1830 Rb. in Oldenburg
ADB XLV 704f
JL I 103f
EJ dt. I 881f
Wininger I 71f
Zuckermann, „Verwaltungsgeschichte“, S. 16f, mit seinem Entwurf vom 7. Sept. 1843 zur Schaffung eines Oberlandrabbinates für das ganze Königreich Hannover
Cecil Roth, „Britain’s Three Chief Rabbis“, in Leo Jung (Hrsg.), Jewish Leaders, New York 1953
’Äns. iqlopädyah ‘ivrith, I 520f
H. D. Schmidt, „Chief Rabbi N. M. A. (1803-1890), Jewish Educator from Germany“, LBIYB 7 (1962), S. 289-311
Schwab, Chachme Aschkenaz, Nr. 2
Trepp, Landesgemeinde, S. 18-20
Asaria, Niedersachsen, S. 40, 471-473
Arnsberg, Hessen I 230, 326
EJ eng. II 285f
PK Bavaria, S. 479
Steven Singer, Chief Rabbi N. M. A., Major Problems in his Career, Magisterarbeit Yeshiva University 1974
Schorsch, „Rabbinate“, S. 207f., 245
Lowenstein, „The 1840s“, S. 280
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. XI (1983), S. 134, Nr. 2281
Carlebach, „The Impact of German Jews on Anglo-Jewry“, S. 409
Schulze, „Hannover“, 1987, S. 33-45, mit Bildnis S. 39; 1998, S. 60-80, mit Bildnis S. 107; das Porträt auch in Schulze, Juden in Hannover, Ausstellungskatalog, S. 10
Meyer, Response to Modernity, S. 176, 178f
Enno Meyer, „Oldenburger Landesrabbinat“, S. 48, mit Bildnis
Eugene C. Black, „The Anglicisation of Orthodoxy: The Adlers, Father and Son“, in: Frances Malino (Hrsg.), From East and West, Cambridge, Mass. 1990, S. 295-325
Battenberg, Das europäische Zeitalter der Juden, Bd. II, S. 163, verwechselt ihn mit seinem Sohn
DBE I 41
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 36, 45, 104, 108, 130
Israel Finestein, „Adler and Salomons: Two Ages“, in: Finestein, Scenes and Personalities in Anglo- Jewry, 1800-2000, London 2002, S. 279-283
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 288, 303, 311, 403, 419, 476, 517, 525, 612.