Sohn des Jakob-Simeon Hakohen A. aus alter Frankfurter Familie, Schüler des Frankfurter Oberrb. Jakob-Josua Falk Pene Yehošua‘ und seiner Assessoren Moses Rapp und Tewele Schiff, in die Kabbala eingeführt von dem folgenden Oberrb. Abraham-Abusch Lissa. Heirat mit Kela Strauß (st. 1774), Tochter des Fürther Oberrb. David S.
1762 Leiter einer privaten Jeschiwa in Frankfurt/M. Die Privatgottesdienste von Adlers Schule unter Teilnahme des neuen Oberrb. Pinchas Horwitz, nach der lurianisch-kabbalistischen Liturgie und in sefard. Aussprache abgehalten, werden schon 1772/73 von der Gemeinde verboten
am 3. Elul 5539 [15. Aug. 1779] ergeht von Gemeindevorstand und Rabbinat (Nathan Maass, Abraham Trier), am 10. Elul auch von Oberrb. Horwitz der Synagogenbann gegen Adler
dessen Widerstand führt zu einem Prozeß, der bis vor die Reichsgerichte getragen wird. Wird 1782 als Rb. nach Boskovice (Boskowitz) in Mähren berufen. Sein Rigorismus verschafft ihm dort Feinde
nach kurzer Zeit denunziert ihn der Pächter der Koscherfleisch-Steuer bei den Behörden, woraufhin ihm im Sommer 1783 die Amtsausübung verboten wird. Hält sich bis Frühjahr 1784 in Wien auf, ist um 1786 in Fürth
erst 1787 kehrt er nach Frankfurt zurück, wo er weiterhin ohne Gemeindefunktion den Talmud lehrt
finanziert sich aus dem Handelsgeschäft seiner zweiten Frau Reichle Kohen (gest. 1805), einer Tochter des Feis K. aus Gießen. Pflegt privatim Naturwiss. und Grammatik. Die alten Strafmaßnahmen provoziert er 1789 aufs neue
erst auf dem Totenbett erlebt er die Aufhebung des Bannes.
Manuskripte
Aus A.s Bibliothek stammt die Hs. StuUB Frankfurt/M., hebr. qu. 32 mit einer Sammlung älterer Mischnaglossen, anscheinend mit weiteren unedierten Anmerkungen von seiner Hand; siehe Róth, Hebräische Handschriften, Bd. 1a, S. 47. Schüler. Abr. Auerbach, Abr. Bing, Löb Carlburg, Joachim Deutschmann, Löb Emmerich, Wolf Heidenheim, Moses Hollischau, Mendel Kargau, Joseph Schnaittach, Moses Sofer, Leser Wallau, Seckel Wormser. Nur Schnaittach und Wormser sollen in die Kabbala eingewiesen worden sein (Bartura, S. 22; aber nach EJ dt. I 888 auch Moses Sofer).
Publikationen
Mišnath R[abi] Nathan, Glossen zur Mischna hrsg. von B. H. Auerbach, Fft./M. 1862 [AIU Paris, H 1310C, D 1020]; in Israel nachgedruckt. Es handelt sich vermutlich nicht um ein Werk A.s, sondern um seine Mitschriften aus den Vorträgen von Tewele Schiff
Halachische Korrespondenz mit Moses Sofer in dessen Responsen YD Nr. 161, 167, Bd. VII, Nr. 9, 13, Qoves. Nr. 16 (77), 17 (78), 18 (79)
Responsen „Tešuvah vedin meh. is. ah lešabbath“ in Šomer S. iyyon ha-Nä’äman S. 151, 155f; „Šema‘tetha’ dehayyu bah mumin“ in Moriyyah XX, Nr. 8-9 (1995), S. 13-16.
Epigraphik
Der Grabstein fällt heute auf „am Ehrenportal des jüdischen Friedhofs Battonnstraße durch seine wunderbar wieder hergestellte Grabinschrift“ (Arnsberg, Neunhundert Jahre, S. 62). Photographie des Steins und Edition der Inschrift bei Brocke, Frankfurt, S. 375-382.
Literatur
Löb Wetzlar, Ma‘œeh T. a’at. ’im, Frankfurt/M 1789, polemische Schrift gegen A., Neudruck Budapest 1922 (Rezension in Ha-Me’assef 6, 1789/90, S. 28-30)
A. Löwenstamm, S. eror ha- H. ayyim, Amsterdam 1820
Abr. Geiger, „Nathan Adler und sein Dajjan Leser“, Hebräische Bibliographie 1862, S. 77-79
Leopold Löw, Gesammelte Schriften, Bd. II, S. 91-94
Walden, Šem ha-Gedolim hä-h. adaš, S. 110
Horovitz, Frankfurter Rabbinen, S. 213-220
Berstein, Pithgamim me-H. achamim, S. 85
Abraham Schwarz, Däräch ha-Näšär, Biographie, Nachdruck in: Nathan Adler, Mišnath R. Nathan, hrsg. B. H. Auerbach, Jerusalem 1983
JE I 197f
Löwenstein, „Fürth“, I, S. 189, über seine erste Frau
Löwenstein, „Fürth“, II, S. 183, mit Protokollbucheintrag über seinen Durchzug in Fürth am 13. Juni 1784
Wachstein, Mafteah. ha-häspedim, I, S. 46
Jahrbuch des traditionstreuen Rabbinerverbandes in der Slovakei, 1923, S. 99f
JL I 103
EJ dt. I 882-888
Gold (Hrsg.), Juden und Judengemeinden Mährens, 1929, S. 127, 135
Wininger VI 399
J. Unna, „Nathan Ha-Cohen Adler“, in Jung (Hrsg.), Guardians, S. 167-185
S. Schachnowitz, The Light From the West, London 1958
Hallah. mi, H. achme Yiœra’el, S. 184f
Schwab, Chachme Aschkenaz, Nr. 1
O. Feuchtwanger, Righteous Lives, 1965, S. 69-71
Jacob Katz, „Qawwim la-biogra’fyah šäl hä-H. atham Sofer“, Studies in Mysticism and Religion presented to Gershom G. Scholem, Jerusalem 1967, hebr. Teil S. 119-122
Arnsberg, Hessen I 326, II 339
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Katz, Out of the Ghetto, S. 154
Arnsberg, Neunhundert Jahre, S. 60-62
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Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 117, Nr. 1168
Arnsberg, Frankfurter Juden III (1983), S. 15-17
Kinstlicher, Hä-“H. atham Sofer“ uvene doro, S. 314-318
Rachel Elior, „Nathan ’Adler weha-‘edah ha-h. asidith beFranqfurt. . Haziqah ben h. avuroth h. asidiyyoth beMizrah. -’Eropa’ uvemärkazah ba-me’ah ha-YH. “, Zion 59 (1994), S. 31-64; engl. Übs. „R. Nathan Adler and the Frankfurt Pietists: Pietist Groups in Eastern and Central Europe during the Eighteenth Century“, in: Jüdische Kultur in Frankfurt am Main von den Anfängen bis zur Gegenwart, hrsg. Karl E. Grözinger, Wiesbaden 1997, S. 135- 177
Rachel Elior, „Rabbi Nathan Adler of Frankfurt and the Controversy Surrounding Him“, in: Mysticism, Magic, and Kabbalah, 1995, S. 223-242
Karl-Erich Grözinger, „Jüdische Wunderrabiner: R. Nathan Adler und sein Kreis“, in: Julius Carlebach (Hrsg.), Das aschkenasische Rabbinat, 1995, S. 151-163
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Feiner, Mahpechath ha- Ne’oruth, S. 316
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 46, 106, 130, 132, 135, 146, 148, 151, 169, 192, 208, 210, 222, 233, 304, 318, 571.