BHR Biographisches Portal der Rabbiner

TÄNZER, Aron Arnold, Dr.

  • Geb. 30. Jan. 1871 in Preßburg (Bratislava), Ungarn,
  • Gest. 26. Febr. 1937 in Göppingen.
  • Sohn eines Gelehrten, die Mutter arbeitete als Weißnäherin
  • Volks- und Mittelschule sowie 1885-1890 RS in Preßburg, 1892-1894 akademisches Triennium (Germanistik, Philosophie, semitische Philologie) an der Univ. Berlin, zugleich Stud. am RS, Promotion 1895 in Bern
  • 20. Aug. 1895 Rabbinerdiplom in Obornik (Oborniki), Posen
  • Aufenthalt im Komitat Fogaras, Siebenbürgen
  • 2. Juni 1896 Heirat mit Eleonore Rosa Handler (1875-1912) in Totis (Tata), Ungarn
  • Anstellung als Subrabbiner bei seinem Schwiegervater Rb. Mark Handler
  • am 15. Okt. 1896 erwarb er das Heimatrecht der Stadtgemeinde Buczacz (Butschatsch), Galizien, verbunden damit die österreichische Staatsbürgerschaft
  • zugleich erfolgreiche Bewerbung auf die Rabbinerstelle in Hohenems b. Bregenz
  • seit Ende 1896 Landesrb. für Tirol und Vorarlberg in Hohenems, 1904/05-1907 Bezirksrb. für Südtirol in Meran. Seit 1. Sept. 1907 Rb. in Göppingen, Württemberg
  • 1. Juli 1907 Erwerb der württembergischen Staatsangehörigkeit. Seit 1910 Initiator und ehrenamtlicher Betreuer der öffentlichen Leihbibliothek in Göppingen
  • Mitunterzeichner der „Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum“ 1912. Aug. 1913 zweite Ehe mit Berta Strauss (1876/Heilbronn-1943/Theresienstadt)
  • unterichtete 1914 während des ersten Kriegsjahrs ehrenamtlich Deutsch, Geschichte und Bürgerkunde an der Mädchenrealschule in Göppingen
  • als Feldrabbiner 1915-1918 in der Bug-Armee in Rußland (Brest-Litowsk und Piñsk)
  • Träger des EK 2. Klasse (4. Juni 1916), des Friedrichsorden I. Klasse mit Schwertern vom König von Württemberg (1917) und des Franz Joseph-Orden des Kaisers von Österreich (1917). Mitglied der städtischen Armendeputation Göppingen und der Stuttgart-Loge
  • rege Vortragstätigkeit im Göppinger Volksbildungsverein (gegr. 1919) und Verein für Kunst und Wissenschaft (gegr. 1921
  • 1925 Zusammenschluß beider Vereine). Vier Söhne, darunter der Stuttgarter Rechtsanwalt Paul Tänzer, zwei Töchter.

Dissertation

  • Die Religionsphilosophie Josef Albo's nach seinem Werke ‚Ikkarim’, systematisch dargestellt und erläutert, Diss. Bern 1895 (Preßburg 1896; rez. in JLB 26 [1902]).

Dokumente

  • CJA Berlin, 1, 75 D Ta 1 Nr. 1, fol. 36, der Oberbürgermeister von Göppingen, Dr. Keck, über ihn: „Ein ganz besonderes Verdienst hat sich Dr. Tänzer durch die Gründung der hiesigen öffentlichen Bibliothek erworben, die er mustergültig eingerichtet hat, und seit ihrem Bestehen ehrenamtlich in vorbildlicher Weise leitet“
  • Ebd. fol. 75
  • Ebd. Nr. 3, fol. 20
  • Ebd. Nr. 6, fol. 18, von der Bugarmee berichtete er (3.10.1915): „Ich bin nunmehr gezwungen, mich des Reitpferdes zu bedienen, da die Strassen in der Nähe der Front eine andere Verkehrsmöglichkeit nicht gestatten. Der in Stuttgart erhaltene Reitunterricht war daher nicht überflüssig, sondern sehr notwendig“
  • Ebd. 75 C Ra 1 Nr. 21, fol. 27
  • LDA BW
  • CAHJP Jerusalem, P 24.

Publikationen

  • Borgen macht Sorgen, 1894
  • Der Erzieher, 1900
  • „Zur Geschichte der Juden in Tirol und Voralberg“, Populär-wissenschaftliche Monatsblätter 20 (1900)
  • „Kaiser Karl V. über den ‚Ritualmord’“, AZJ 03.08.1900 (Jg. 64, Nr. 31)
  • Der israelitische Friedhof in Hohenems, 1901
  • Festpredigt bei der Einweihung des israelitischen Tempels in Meran, 1901
  • „Brief aus Meran“, AZJ 12.04.1901 (Jg. 65, Nr. 15)
  • Judentum und Entwicklungslehre, 1903
  • „Aus einem Vortrage ‚Selbsthilfe ein – Naturgesetz’“, Populär-wissenschaftliche Monatsblätter 24 (1904)
  • „Brief aus Oesterreich“, AZJ 26.02.1904 (Jg. 68, Nr. 9)
  • Geschichte der Juden in Tirol und Vorarlberg. Teil 1 u. 2: Gesichte der Juden in Hohenems, 1905; Nd. Bregenz 1982
  • „Juden und Judentum. Die Geschichte einer Eheirrung“, Populärwissenschaftliche Monatsblätter 25 (1905)
  • Geschichte der Königswarter Stiftung in Meran, 1907
  • „Ein deutscher Vorläufer der ‚Alliance Israélite Universelle’ in früheren Jahrhunderten“, Ost und West 11 (1911), S. 25-34
  • Die Mischehe in Religion, Geschichte u. Statistik der Juden, Berlin 1913 (rez. in Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden 9 [1913], S. 181; IFH 18.06.1914)
  • Brest-Litowsk. Ein Wahrzeichen russischer Kultur im Weltkriege, Berlin 1917 (rez. von Felix A. Theilhaber, IFH 03.01.1918)
  • „Die Juden in Polen“, FS Kroner, 1917
  • Die Geschichte der Juden in Brest-Litowsk, 1918 (rez. in IdR 24 [1918])
  • „Monisten und Judentum“, IFH 23.05.1918
  • „Moritz Lazarus über die Synoden“, JLZ 12.09.1924 (Jg. 4, Nr. 31), S. 3
  • „Der Begründer der Völkerpsychologie. Moritz Lazarus zum 100. Geburtstage am 15. September“, Münchener Nachrichten 15.09.1924
  • „Die Juden in Südamerika“, IFH 18.09.1924
  • Geschichte der Juden in Jebenhausen und Göppingen, 1927 (rez. u.a in IFH 13.10.1927; CVZ 10.02.1928 [Jg. 7, Nr. 6]; Dr. Kroner, Stuttgarter Neues Tagblatt 16.08.1928); neu hrsg. von der Stadt Göppingen 1988
  • Gedenkschrift zur Erinnerung an die Brüder Jesaia Strassburger s. A., Rabbiner in Ulm 1906-1915, [und] Dr. Ferdinand Strassburger s. A, Rabbiner in Ulm 1916-1927, Ulm 1928 (rez. von Rb. Löwenstamm [Spandau], JLZ 09.11.1928 [Jg. 8, Nr. 45], S. 4)
  • „Moritz Lazarus über die Bedeutung der Geschichte der Juden, nach seinen Jugendbriefen“, ZGJD 2 (1930/1931), S. 14-27
  • Die Geschichte der Juden in Württemberg, 1937 (rez. in IFH 03.06.1937; JR 06.07.1937 [Jg. 42, Nr. 53]). 1910-1914 Hrsg. der Straßburger Israelitischen Wochenschrift. Mitarb. am Jüdischen Lexikon (1927ff.)
  • Regelmässig Beiträge für das Israelitische Familienblatt und die AZJ. Verfaßte drei Bühnenstücke; ein viertes, Die Tragödie der Juden, blieb unvollendet.

Epigraphik

  • Grab-/Gedenkstein in Göppingen für Rosa, Aron und Berta Tänzer; Abb. in Tänzer, Jebenhausen und Göppingen, Nd. 1988, Farbtafel 18; Farbtafel 17 bildet die Gedenktafel von 1984 für Aron Tänzer als ersten Leiter der Göppinger Stadtbibliothek ab.

Bildmaterialien

  • Richarz, Jüdisches Leben, Bd. 2, S. 449
  • Tänzer, Jebenhausen und Göppingen, Nd. 1988, hrsg. von Karl-Heinz Rueß, Abb. 60-67
  • Karl-Heinz Rueß, Rabbiner Dr. Aron Tänzer – Stationen seines Lebens (zahlreiche Fotos).

Literatur

  • Aaron Tänzer, Die Geschichte der Juden in Hohenems, Meran 1905; Nd. Bregenz 1982, S. 632f
  • Tänzer, Jebenhausen und Göppingen, 1927/1988, S. 479f
  • UOBB, S. 374
  • JLZ 28.01.1931 (Jg. 11, Nr. 4), S. 5, zum 60. Geburtstag
  • Wininger VI, S. 82
  • JLZ 15.09.1932 (Jg. 12, Nr. 12), S. 5, 25jähriges Amtsjubiläum
  • Tänzer, Württemberg, 1937/1983, S. 75 u. a
  • CVZ 04.03.1937 (Jg. 16, Nr. 9), S. 16, Nachruf
  • Sauer, Württemberg und Hohenzollern, 1966, S. 85f., 210
  • EJ engl. XV, S. 699
  • Richarz, Jüdisches Leben, Bd. 2, S. 445- 456
  • PK Baden-Württemberg, S. 27, 72-74
  • Karl Heinz Burmeister (Hrsg.), Rabbiner Dr. Aron Tänzer. Gelehrter und Menschenfreund 1871-1937, Bregenz 1987
  • Hahn, Erinnerungen, 1988, S. 192
  • Karl-Heinz Rueß, „Dr. Aron Tänzer. Leben und Wirken des Rabbiners“, Tänzer, Jebenhausen und Göppingen, Nd. 1988, S. 620-649
  • Walk, Kurzbiographien, S. 363
  • Karl-Heinz Rueß, Rabbiner Dr. Aron Tänzer – Stationen seines Lebens, Göppingen 2002 (auch unter http://www.edjewnet.de/taenzer/index.htm [last visited 12.03.2009]).