Geb. 26. Okt. 1871 in Kanth (Kąty Wrocławskie), Bez. Breslau,
Gest. 27. Jan. 1955 in Woking, England.
Sohn eines früh verwitweten Holzhändlers aus Dyhernfurther Familie
1878-1881 Besuch der Volksschule in Kanth, Lateinunterricht beim lokalen Drogisten, Hebräischunterricht bei einem Onkel
1881 zur Großmutter nach Breslau, Realgymnasium „Zum Zwinger“
zu seinen Lehrern gehörten Dr. Lesser Knoller, Dr. Israel Lewy und Rb. Dr. Manuel Joel. 1888 Tod des Vaters, fortan bestritt er seinen Lebensunterhalt durch Privatstunden
1889 Abitur. 1890-1894 Univ. Berlin (orient. Sprachen, Arabisch, Syrisch, Philosophie, alte und neue deutsche Literatur), 1890-1899 HWJ, aktives Mitglied und zeitweise präsidierend im jüdischen Studentenverein „Akademischer Verein für Jüdische Geschichte and Literatur“
Zionist. 1896 Promotion in Berlin, März 1903 Rabbinerexamen an der HWJ. 1904 Heirat mit Recha Blum, die 1930 bei einem Autotunfall starb (zwei Kinder: Dorothea und Julius [James], geb. 1905 und 1907). Bereits vor dem Examen Prediger, ab Dez. 1899 Rb. an der Synagoge Lützowstraße, amtierte auch an der Synagoge Lindenstraße (1900-1938), der liberal-zionistischen Neuen Synagoge Oranienburger Straße (1903-1936) und in Berlin Charlottenburg (bis 1912 und ab Ende der 1920er Jahre). 1901/02-1917 Leiter der Mädchenabteilung der V. Religionsschule, Strausberger Str. 8-9, der Jüd. Gemeinde Berlin, 1911-1913 Dozent für Homiletik und Midrasch an der HWJ als Nachfolger Siegmund Maybaums. Mitglied der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands, Mitglied der Montefiore-Loge (1903-1937), um 1913 Vorstandsmitglied im Verein „Israelitisches Lehrerinnenheim“ in Berlin-Lichterfelde, Mitglied im Arbeitsausschuß „Reichsverband für jüdische Kriegsgefangenenfürsorge“ (1917), Gründungsmitglied des „Jüdischen Friedensbunds“ (gegr. 7.3.1929). 1932 Heirat mit Gertrude Casper. 1935 leitete er die Begräbnisfeier für Max Liebermann, 1936 Palästinareise, Nov. 1938 durch die Politzei telefonisch vor Verhaftung gewarnt und untergetaucht
in Begleitung seiner Frau Flucht nach Süddeutschland, dann Krankenhausaufenthalt unter falschem Namen in Berlin, Jan. 1939 nach England, wo bereits sein Sohn und seine Tochter lebten. Gastrb. an Londoner Synagogen, Rb. der Emigrantengemeinde in Guildford, Surrey
aktiv in der Flüchtlingshilfe und der Association of Jewish Refugees.
Dissertation
Waage der Spekulationen (Übersetzung des arabischen Originals von Al-Ghazzali), Diss. Berlin 1896.
Dokumente
CJA Berlin, 1, 75 C Ra 1 Nr. 8, fol. 487
Ebd. Nr. 15, fol. 20
LBI New York AR 794
Wiener Library. Institute of Contemporary History, London, Nr. 1010 (http://www. wienerlibrary.co.uk/; last visited 17.03.2009).
Manuskripte
50 Jahre Berliner Gemeinde-Leben nach persönlichen Erinnerungen. Ansprache im Verein für jüdische Geschichte und Literatur zu Berlin, gehalten am 18. Oktober 1938; MS im LBI New York u. der Wiener Library, London; auch Tel Aviv University, Syst.-No. 002104154. Abgedruckt in Neue Synagoge Berlin, 1995, S. 139-145
Reden und Predigten in der Wiener Library, s. u.
Publikationen
„Das Friedens-Ideal des Judentums. Ansprache“, Korrespondenz-Blatt des Verbandes der Deutschen Juden 10/1911
„Alt und Jung“, CVZ 29.10.1926 (Jg. 5, Nr. 44)
„Nationales und liberales Judentum“, JR 17.08.1928 (Jg. 33, Nr. 64/65)
Der jüdische Theologe (Heft A. 3 der Merkblätter für Berufsberatung), hrsg. von der Deutschen Zentralstelle für Berufsberaturg der Akademiker e. V., Berlin 1929 (rez. in JLZ 03.07.1929 [Jg. 9, Nr. 27], S. 8)
„Die Berliner Rabbiner-Gutachten zur Frage des Zusammensitzens in der Synagoge Prinzregentenstraße (u. a. mit Gutachten von M. Warschauer)“, JLZ 22.02.1929
Rezension von Max Fischer, Der Alkoholmissbrauch, Berlin 1929, in JLZ 12.03.1930 (Jg. 10, Nr. 11), S. 3
„Was sollen wir lesen?, Gemeindeblatt (Berlin) 10/1931
Über Toleranz. Zeitgemässe Bemerkungen eines freigesinnten Theologen, [um 1939/45]
„Von Gottes Wesen und Eigenschaften“, [Zeitschrift?] 19.06.1941
„Kirchen und Antisemitismus in Deutschland“, Die Zeitung 30.10.1942, S. 8
“On the Meaning of Life”, The Synagogue Review. Organ of the Associated British Synagogues 17 (Dez. 1943), Nr. 4, S. 27-29
Im jüdischen Leben. Erinnerungen des Berliner Rabbiners Malwin Warschauer mit einem Beitrag von seinem Sohn James Walters, einem Vorwort von Heinz Knobloch und einer Einführung von Nicola Galliner, Berlin 1995. Gedächtnisrede auf Max Liebermann in Bernd Schmalhausen, „Ich bin doch nur ein Maler“. Max und Martha Liebermann im Dritten Reich, Hildesheim 1994 (Haskala 11), 3. Aufl. 1998, S. 94-97. Beiträge in den Korrespondenzblättern des Verbandes der deutschen Juden; Beiträge in englischen Zeitschriften.
Epigraphik
Grabstein seiner Frau, Recha Blum (1869-1930), auf dem jüdischen Friedhofs Berlin- Weissensee; mit Gedenktafel an Malvin W.
Bildmaterialien
Ost und West 7 (1907), S. 707
IFH 29.10.1931, Zeichnung
LBI YB 26 (1981), S. 198a
Wegweiser, 1987, S. 111
Neue Synagoge Berlin, 1995, S. 122, 137, 139.
Literatur
Ost und West 7 (1907), S. 707
Handbuch 1913, S. 27, 29
JLZ 27.12.1924 (Jg. 4, Nr. 46), S. 5, zum 25jährigen Amtsjubiläum
JLZ 02.01.1925 (Jg. 5, Nr. 1), S. 5f., zum 25jährigen Amtsjubiläum
UOBB, S. 62
JR 23.10.1931 (Jg. 36, Nr. 82), zum 60. Geburtstag
JLZ 28.10.1931 (Jg. 11, Nr. 42/43), S. 2
IFH 29.10.1931, zum 60. Geburtstag
BHE 1, S. 797
Heuer, Bibliographia 3, S. 179
James J. Walters-Warschauer, “The Life and Work of Malvin Warschauer”, LBI YB 26 (1981), S. 191-206
Lowenthal, Preußen, 1982, S. 236
Walk, Kurzbiographien, S. 379
Fehrs, Jüdische Schulen, 1993, S. 92
Neue Synagoge Berlin, 1995, S. 22, 122, 137-139
James Walters, „Die Jahre in England“, Malvin Warschauer u. James Walters, Im jüdischen Leben. Erinnerungen des Berliner Rabbiners Malwin Warschauer, Berlin 1995, S. 121-131.