Sohn des Woll- und Tuchkaufmanns Abraham Wolf C. und der Mathilde Bruck
Talmudstudium beim Rabbinat in Glogau, mit 14 J. autodidaktische Aneignung der klassischen Sprachen im Elternhaus in Cottbus
mit 16 J. Eintritt in die Secunda des dortigen Gymnasiums. Nachdem er anscheinend die Abiturprüfung nicht besteht, 29. Dez. 1835 imm. Breslau extra ordinem
wegen Verschlechterung der elterlichen Vermögensverhältnisse läßt er sich am 1. Mai 1837 von der Univ. beurlauben, um eine Hauslehrerstelle anzunehmen. Der Vater läßt sich im Febr. 1841 als Kommissionär mit der Familie in Berlin nieder, wo C. als Gasthörer an der Universität erneut philos. und oriental. Vorlesungen besucht, auch in Berlin und Frankfurt/Oder Predigten hält. 19. Aug. 1843 prom. Erlangen. 1843 Niederlassung in Miêdzychód (Birnbaum), Prov. Posen, als Schüler von Ortsrb. Philippsthal. Mit Rabbinatsdiplom von diesem sowie aus Czarnków (Czarnikau), Chortkiv (Czortków), Szamotuły (Samter) und Wilczyn wird er gewählt zum Prediger und Dajan in Miêdzychód mit 200 Tl. Gehalt, 17. März 1844 Heirat mit Julie Peiser, Tochter des Michael Salomon P. aus Leszno (Lissa)
Okt. 1844 von der Posener Reg. bestätigt. Prediger am Ressource-Verein in Posen
1846/47 Kandidat der Orthodoxen in Krotoszyn (Krotoschin)
die Wahl wird nach Tumulten abgesetzt. 1848 Prediger und Rabbinatsassessor in Toruñ (Thorn), Bewerber in Hamburg (1851) und in Gorzów Wielkopolski (Landsberg a. d. Warthe
1854). 1857 Prediger in Berlin.
Dissertation
Quid sit discriminis inter possibilitatem et actualitatem, Diss. Erlangen 1843.
Dokumente
AU Wrocław, F 437, S. 1: „Henricus Krakauer, Silesius, Encyclop., 30 ej. [Dec. 1835] (c. venia Minist.) will das Zeugniß der Reife noch zu erwerben suchen. Ausgeschlossen l. Sen[ats-] Befehl 4. 6. 39“
Ebd., F 454, Studentenregister
UA Erlangen, C4/3b, Nr. 442, Promotionsakten mit Vita; er habe sich in Berlin allein „propter pecuniae inopiam“ nicht regulär einschreiben können
CAHJP Jerusalem, GA Berlin 30, vom 31. Mz. 1845, Klage zweier Lehrer aus Miêdzychód an Mich. Sachs: „Cracauer mochte kaum sechs Wochen hier gewesen sein, als er darauf zu streben anfing, den Hern Rabbiner Philippsthal, seinen Lehrer, von hier zu verdrängen, und dessen Stelle anzunehmen. Welcher niedrigen und unwürdigen Mittel sich Cracauer bediente, um zu seinem Zwecke zu gelangen, könnten wir Vieles anführen“
GStA Berlin, Sekt. 7, Abt. XVI Posen, Nr. 1, Bd. VI, vom 15. Apr. 1847, Bericht über den Wahlstreit in Krotoszyn, auf Bl. 506v Darlegung von C.s Qualifikation
CJA Berlin, 75 A Pr 1 Nr. 9, Bl. 24, mit Bewerbung in Prenzlau, datiert aus Miêdzychód, 17. Dez. 1846. Er sei in Krotoszyn „fast einstimmig gewählt“ worden
CJA Berlin, 75 A Th 2 Nr. 20, fol. 1 Kontrakt als Dajan in Toruñ vom 23. Feb. 1848; Abstimmung in Kultusfragen mit Hirsch Kalischer, Elementar- und Rel.-Unt. mit öffentl. Prüfungen, Konfirmationen für Knaben und Mädchen
CAHJP Jerusalem, AHW 543b, Fasc. I S. 200; II, S. 78-81, Bewerbung in Hamburg vom 25. März 1851.
Publikationen
Dr. Wolfgang Bernhard Fränkels ’Die Unmöglichkeit der Emanzipation der Juden im christlichen Staat’, Miêdzychód 1843
Predigt am Neujahrstage 5625, im Gotteshause der Baruch Auerbach’schen Waisenanstalt in Berlin, Berlin 1864.
Literatur
Tumulte in Krotoszyn, siehe AZJ 1847, S. 8, 30, über „Krakauer, der noch orthodoxer als die Orthodoxen sich gerirte, die verworrensten Verkehrtheiten als Lehrsätze des Judenthums aufstellte, und der im Abiturientenexamen Schiffbruch erlitten hatte“
Orient 1847, S. 322
Orient 1848, S. 9; AZJ 1850, S. 470, über Predigertätigkeit in Miêdzychód
Heppner und Herzberg, S. 305
Jacobson (Hrsg.), Judenbürgerbücher, S. 190, Nr. 1446 Anm
JE XII 141
Fehrs in Brokke u. a. (Hrsg.), Ost- und Westpreußen, S. 267