BHR Biographisches Portal der Rabbiner

EGER, Salomon

  • Geb. 1786 in Leszno (Lissa),
  • Gest. 3. Jan. 1852 in Posen
  • Sohn des späteren Posener Oberrb. Akiba Eger, 18. Okt. 1799 erhält er die Lizenz zum Rauchwarenhandel und läßt sich als Geschäftsmann in Warschau nieder, 1801 Heirat mit Rebekka-Golda Zenzyminer (st. 1862), Tochter des Israel Hirschensohn, eines Schwagers des Warschauer Rb. Chaim Davidsohn und des Rb. Solomon Herschell in London, welcher ihn etwa dreißig Jahre lang in seinem Haus aufnimmt. Zeitweise wohlhabender Kaufmann, gelangt er auch als rb. Gelehrter zu Ansehen. Der polnische Aufstand von 1830 ruiniert ihn
  • bei der Suche nach einer Rabbinerstelle erhält er Angebote aus Pest, Frankfurt/Oder und Kalisz (Kalisch) in Russisch-Großpolen
  • er entscheidet sich 1834 für letzteres Amt
  • 1837 Nachfolger seines Vaters in Posen, 1839 als Rb. anerkannt
  • er führt auch eine kleine Jeschiwa, die zu Anfang seines Wirkens 18 Bachurim zählt. Unterbreitet unter dem 14. Mai 1844 einen Plan zur Verbreitung des Ackerbaus unter den Juden und leitet die daraufhin eingesetzte Kommission. 1848 abgesetzt, setzt sich aber bei den Neuwahlen gegen Dr. Gebhardt durch.

Dokumente

  • AP Poznañ, Rep. 290/I [Oberpräsidium Posen] Nr. 1728 Der polnische Flüchtling Sal. Eiger, 1831-33
  • Über die Auseinandersetzungen um seine Berufung siehe CAHJP Jerusalem, PL/ Po 27 und 31; GStA Berlin und vor allem die (sehr beschädigte) Akte im AP Poznañ, Prezidium Policii Nr. 5072, S. 11-292, darin Wahlstreitigkeiten zwischen Gemeindevorstand und talmudischer Gesellschaft, 1838-1839; Bl. 121 Reskript König Friedrich Wilhelm vom 11. Apr. 1839 zu E.s Gunsten; Bl. 114-120 Vertrag vom 29. April 1839; Bl. 214-220 Inventar der Rabbinerwohnung und Liste der Reparaturen 1839; Bl. 224-231 Briefe von „Salomon Eiger Ober Rabbiner“, 31. Jan. und 2. Feb. 1842.

Manuskripte

  • Responsen und Sendschreiben 1806-1852, Hs. Jerusalem, Sammlg. Hinde Eger [IMHM 32.641]
  • Responsum, in Hs. ¯IH Warschau 98/4 [IMHM 11.937]
  • Gutachten über die religiösen Verhältnisse der Juden im Bezug auf den Militärdienst, 20. Juni 1842; GStA Berlin, Rep. 77- XXX, Gen. 177, Beih. 2, fol. 106-116v; Text bei Jehle, Enquêten, Bd. I, S. 247-256
  • Dt. Gutachten zu Kultusfragen der Regierung, 30. Juli 1843, in GStA Berlin, Rep. 77-XXX, ad Nr. 117, Bd. 2, fol. 66-79 (vgl. Orient 1843, S. 86; Heppner und Herzberg, S. 231).

Publikationen

  • Glossen zu Isaak Alfasi, in den Werken des Vaters
  • Gilyon R. Šelomoh ’Egär Marginalia zum Šulh. an ‘Aruch, gemeinsam mit denen des Vaters zuerst in der Ausgabe Königsberg 1858
  • Gilyon MaHaRŠa’ Superkommentar zu Samuel Edels über den Talmudtraktat Ketubboth, hrsg. Moses Abr. Landau, Jerusalem 1979, 205 S.; zu Baba’ Mes. i‘a’, Jerusalem 1983, 221 S
  • ŠUT Rabbi Šelomoh ’Egär. Pesaqim uchetavim, še’eloth utešuvoth, h. iddušim, be’urim be’arba‘ah h. älqe Šu[lh. an] ‘A[ruch], hrsg. v. Meir Yehoshua Katzenellenbogen, 2 Bde., Jerusalem (Mossad R. Kook) 1983-85, 315 + 315 S
  • Sefär ha-‘Iqqarim, über die Prinzipien der Halacha, nach der Hs. hrsg. von Meir Yehoshua Katzenellenbogen, 2 Bde. Jerusalem 1993-96
  • Halachische Korrespondenz mit Akiba Eger, in dessen Responsen I, Nr. 83f, 128, 169, 171f, 211, 222 ; II, 103, 120, 170, 173, 221; EE Nr. 9
  • Dgl. mit Moses Sofer, in dessen Responsen EE II Nr. 57
  • Private Korrespondenz in Sal. Sofer, ’Iggeroth Soferim, Wien 1929, dort Bd. I, S. 84 Stellungnahme gegen die von Zach. Frankel 1845 geplante konserv. Theologenversammlung
  • Drei Approbationen, datiert Warschau 1835-37 und Kalisz 1837; Löwenstein, Index, S. 52.

Literatur

  • Über den Posener Nachfolgestreit AZJ 1838 S. 116, 189-191, 337, 399f., 408f., 476-478; IA 1839, S. 399; Orient 1842, S. 266; 1848, S. 70f; AZJ 1848, S. 85
  • Über seine Unterstützung der russischen Juden ZRIJ 1844, S. 39: „Herrn Eiger wurde oft zum Vorwurfe gemacht, daß ihm die moderne Bildung abgehe, aber er ist ein Rabbiner der antiken Thatkraft“
  • Orient 1846, S. 233f; 1847, S. 73, über seine unklare Stellung zu Frankel
  • Orient 1847, S. 145f. erlaubt den Verzehr von Hülsenfrüchten auf Pessach
  • AZJ 1848, S. 412, achtungswertes Benehmen in den Nationalitätenkämpfen
  • Orient 1850, S. 96; AZJ 1850, S. 469, Ablehnung eines Rufs nach Kalisz
  • AZJ 1851, S. 473; AZJ 1852, S. 41, 75, 114-116, 123, 186, Todesmeldung und Nachruf
  • Walden, Šem ha-Gedolim hä-h. adaš, S. 124
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 757
  • Eisenstadt und Wiener, Da‘ath Qedošim, S. 186
  • Lewin, Lissa, S. 245-247, Geburtsdatum 1783
  • Berstein, Pithgamim me-H. achamim, S. 74
  • JE V 53f mit Bildnis; Geburtsjahr hier 1785, Todesdatum fälschlich 22. Dez. 1852 (so auch Wininger)
  • Heppner und Herzberg, S. 234, 835: „Sal. Eger war eine stattliche Erscheinung und ein Mann von hervorragenden Geistesgaben, aber die Beliebtheit seines Vaters erreichte er nicht“
  • Wachstein, Mafteah. ha-häspedim, I, S. 52
  • JL II 246f
  • Wininger II 99
  • Spieskowski, „Erinnerungen“, S. 61f, über seine Jeschiwa um 1841: „Unter Anderem begleitete ich auch R. Eger ins Badehaus bei Pinkus, wo er, eine ganze Stunde in der Badewanne sitzend, Niemeyers Erziehungslehre las, während auch ich die Erlaubnis hatte, mich in dieser Stunde mit profanem Wissen zu beschäftigen“
  • EJ VI dt. 215-217 mit Bildnis
  • Hallah. mi, H. achme Yiœra’el, S. 269f
  • ’Äns. iqlopädyah ‘ivrith II 630f
  • Schwab, Chachme Aschkenaz, Nr. 35
  • EJ eng. VI 472
  • Schorsch, „Emancipation“, S. 223 Anm
  • Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. XI (1983), S. 34, Nr. 900
  • Biogr. Notiz von Mosche Buchsbaum in Moriyyah 15,5/6 (1986/87), S. 23
  • J. Katz, Halachah, S. 61
  • Kinstlicher, Hä-“H. atham Sofer“ uvene doro, S. 367f
  • Muczyñski, „Poznañscy rabini“, S. 58
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 98, 100, 214
  • PK Poznañ- Pomerania, S. 4, 13
  • Brämer, Frankel, S. 250
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 117, 546f.