BHR Biographisches Portal der Rabbiner

EGERS, Sabel, hebr. Perez-Sebulon, bürgerlich Samuel Lewin MEYER

  • Geb. 9. oder 11. Juni 1769 in Halberstadt,
  • Gest. 3. Dez. 1842 in Braunschweig
  • Sohn des Halberstädter Rb. Löb Eger
  • zunächst kaufmännisch tätig, verheiratet mit Fradchen (1774-1811), Tochter des Hoffaktors Salomon Michael David in Hannover. Assessor seines Vaters in Halberstadt und Lehrer an der Jeschiwa, 1799 nach Braunschweig, April 1809 durch das Westphälische Konsistorium zum Rb. von Stadt, Kanton und Syndikat Braunschweig mit 500 Tl. Gehalt eingesetzt, wehrt sich aber gegen Jacobsohns versuchte Einführung des Deutschen als Gebetssprache. 1811 zweite Ehe mit der gelehrten und jung verstorbenen Rachel (1787-1815), Tochter des Hannoverschen Landesrb. Behrend Josua und Witwe des Isaak Eger
  • 8. Nov. 1815 dritte Ehe mit Esperanza-Sprinze Abraham (st. 1839) aus Berlin. 1820 Bewerber in Hamburg. Von der Folgeregierung erst 1824 wieder als Landesrb. für Braunschweig anerkannt. Betraut mit der Schulaufsicht mit Ausnahme der Samsonschule in Wolfenbüttel und der Jacobsonschule in Seesen. E., „der sich in seinem Alter noch bemühete, zeitgemäße Vorträge in der Muttersprache zu halten“ (Herxheimer, Predigten, S. 416), gründet 1828 eine Elementarschule, führt 1831 die Konfirmation und 1832 die Synagogenordnung ein, tätigt einzelne Reformen, hat jedoch große Gewissensnöte dabei (siehe Briefwechsel Ehrenberg-Zunz). 1836 erblindet.

Dokumente

  • Rabbinerliste des Westphäl. Kgrs. vom 15. März 1809; Sulamith II, 2, S. 298
  • CJA Berlin, 75 A Ha 2 Nr. 22, fol. 3, über Anstellung 1809
  • Rešimath Sefarim, Verzeichnis seiner Bibliothek, in AZJ 1843, Anhang.

Manuskripte

  • Jerusalem JNUL 4° 961 ‘At. äräth Paz Responsen aus E.s Halberstädter Zeit, 1798, 133 Bl
  • 4° 876 ‘At. äräth Paz, Rimmon Päräs. Responsen u. a., 1808-1841, 211 Bl
  • 4° 1046 ‘At. äräth Paz Responsen u. halachische Korrespondenz insbesondere mit dem Vater Löb Eger, mit Akiba b. Moses Eger (Posen) und Akiba b. Wolf Eger (Halberstadt), 1825, 423 Bl.; daraus Responsum über Notzucht an einer verheirateten Frau, „Behilchta’ debi’ath ’onäs be’ešäth ’iš“, Moriyyah V,5- 6 (1973), S. 2-6
  • Gutachten über den Judeneid; s. Ebeling, Braunschweig, S. 293.

Publikationen

  • Trauerrede über den für uns höchst schmerzlichen Tod des hochseligen durchlauchtigsten Herzogs Friedrich Wilhelm, 1815
  • Homilie, gedruckt im Anhang zu den H. idduše ha-RaN des Nissim von Gerona, Baba’ Mes. i‘a’, Brzeg Dolny (Dyhernfurth) 1822, u. ö
  • Rede zur Feier des Regierungs-Antritts unsers Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Carl Friedrich August Wilhelm Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg, 1823
  • ‘At. äräth Paz [Ps 21,4] zu Bes. ah, Altona 1823, 49 Bl.; Jerusalem 1969
  • Rimmon Päräs. [Num 33,19] zu Ketubboth, Altona 1823, 68 Bl.]; Jerusalem 1969
  • Derašah leŠabbath Mišpat. im, hrsg. v. Samuel Bloch, Hannover 1829, 8 S
  • Derašah leŠabbath H. azon, Aufruf zu Spenden für die Erdbebenopfer in Tiberias und in Safed, Hannover 1837, 16 S. [Expl. JNUL 23-V-5506-8]
  • Derašah leŠabbath Devarim, hrsg. v. Samuel Bloch, Hannover 1837, 8 S
  • Halachische Korrespondenz mit Ez. Landau, mit Akiba Eger in dessen Responsen, I, Nr. 47, 48, 106, 145, und mit Moses Sofer in dessen Responsen, Qoves. Nr. 42 (83), von 1826
  • Sechs Approbationen, datiert Braunschweig 1822-1832; Löwenstein, Index, S. 52.

Literatur

  • AZJ 1838, S. 331, „wol begreifend, daß es heute dem Rabbinen alter Bildung besser steht, die Zügel schlaff als straff zu halten“
  • Orient 1842, S. 260: Dem „ehrwürdigen Landrabbiner Herrn Egers (in Deutschland der Nestor der Rabbiner) [...] in Verbindung mit dem hochgeachteten Adjuncten Herrn Dr. Herzfeld gebührt besonderer Dank dafür, daß in der für die Juden jetzt so bewegten Zeit das Princip der Veränderungsfähigkeit unserer Liturgie vollkommen Autorität erlangt hat“
  • AZJ 1842, S. 412, 460-461 („Berichtigung“ über seine Stellung zu Kultusreformen), 762 (Nachruf von L. Herzfeld)
  • Zunz, Zur Geschichte I 242
  • Auerbach, Halberstadt, S. 103
  • Graetz, Geschichte3, Bd. XI, S. 386
  • Kayserling, Jüdische Kanzelredner I 413
  • Walden, Šem ha-Gedolim hä-h. adaš, S. 43
  • JE V 53
  • Gronemann, Genealogische Studien, Bd. I, S. 67, 116, mit Geburtsdatum 9. Juni 1768
  • JL II 246
  • Wininger mit Geburtsjahr 1768
  • EJ dt. VI 217
  • Zinz, ‘At. äräth Yehošua‘, S. 47, über seine zweite Frau
  • Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 153, Nr. 1604
  • Ebeling, Braunschweig, 1987, S. 370, 379f u. ö
  • Meyer, Response to Modernity, S. 38f, 43, 102f
  • Ralf Busch (Hrsg.), Der Braunschweiger Landesrabbiner Samuel Levi Eger (1769-1842). Auszüge aus Walter Meyers Familiengeschichte Eger, Braunschweig 1991, 38 S
  • Kinstlicher, Hä-“H. atham Sofer“ uvene doro, S. 342f, mit Reproduktion eines handschriftlichen Briefes
  • Rüdiger Jaeck und Günter Scheel (Hrsg.), Braunschweigisches biographisches Lexikon, 19. und 20. Jahrhundert, Hannover 1996, S. 154
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 23, 89, 166f
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 117, 404.