Sohn des Kaufmanns Hermann E., rb. Ausbildung bei Rb. Markus Wetzlar in seiner Heimatstadt. Da ihm der Gymnasialbesuch unerschwinglich ist, nimmt er Unterricht beim Ortspfarrer. Mit 17 J. zur Jeschiwa von S. B. Bamberger in Würzburg und Privatstudien in den Gymn.-Fächern, sodann in Frankfurt/Main, Okt. 1852 bis Ostern 1855 stud. Göttingen insbesondere bei Ritter und Ewald, 19. Juni 1855 prom. Jena
1855 Religionslehrer und Prediger in Waren, Mecklenburg-Schwerin
1857 Prediger und Lehrer in Toruñ (Thorn), Prov. Westpreußen, wo er eine Religionsschule eröffnet
Herbst 1860 Rb. in Kołobrzeg (Kolberg), Pommern. Wird nach Dispens von der württembergischen Staatsprüfung 1862 Bezirksrb. in Lehrensteinsfeld b. Heilbronn (AZJ 1862, S. 383, 521). Der Rabbinatssitz wird 1864 in die Stadt Heilbronn verlegt
dort 7. Juni 1877 Einweihung der Synagoge. Ist chronisch erkrankt und muß seit 1873 jeden Sommer in Bad Mergentheim, Bad Kissingen oder Karlsbad kuren, zum 1. April 1889 dann seine Funktionen ganz niederlegen.
Dissertation
De origine Massorae, Diss. Jena 1855.
Dokumente
UA Jena, M 345, Bl. 130-138, 162, mit Vita. „Evaldus [...] linguam hebraicam textumque critice explorare me instituebat; ne igitur doctrinas theologicas et philosophicas neglexisse existimo, ut rationem et religionem, scientiam et fidem conjungerem“. Gutachten Stickels: E. sei mit der Bibelkritik vertraut und „zeigt, soweit es mit dem mosaischen Glauben vereinbar ist, ein freieres Urtheil. Freilich stehen die Resultate der fortgeschrittenen christlichen Philologie und jene jüdischen Dogmen recht unvermittelt nebeneinander“
StadtA Waren, Stadtverwaltung Nr. 1115, über die jüd. Prediger
CJA Berlin, 75 A Th 2 Nr. 20, fol. 9, Kontrakt in Toruñ vom 2. Dez. 1857, soll Elementar- und Religionsschule einrichten und Konfirmationen vornehmen; ebd., fol. 13 kündigt zum 1. Okt. 1860, geht als Prediger nach Kołobrzeg
Ebd., 75 A Ste 3 Nr. 66, fol. 8- 9, 14, Bewerbung in Stettin, 17. Juli 1859
HStA Stuttgart, Best. E 201c, Büschel 40 Lehrensteinsfeld, vom 15. April 1861, ; ebd., vom 27. März 1862, Vorstellung durch die Oberkirchenbehörde mit biograph. Abriß (Geburtsdatum hier 1831); Büschel 45, über seine Kuren und über seinen Ruhestand
CAHJP Jerusalem, D/Ba17a/37 mit Bewerbung in Bamberg vom 17. Feb. 1863.
Publikationen
Rede am Grabe der Frau Fanny Hahn geb. Reiss, Heilbronn 1872.
Literatur
AZJ 1862, S. 383, 521, Berufung nach Lehrensteinsfeld
AZJ 1864, S. 175f, Spende für die Rießer-Stiftung
Lippe 1879/81, S. 94
Tänzer, Württemberg, S. 72
Franke, Heilbronn, S. 67, 76f
Sauer, Württemberg, S. 98, 120, 146
Fehrs in Brocke u. a. (Hrsg.), Ost- und Westpreußen, S. 267